Schleswig-Holstein

Chronik zeugt von schwierigen Zeiten

Geschichtliche Unterlagen der Innung Lauenburg ans Museum übergeben


Lauenburg (ast). „Die im Betrieb tätigen Personen müssen während der Arbeit mindestens mit einem Beinkleid und einem Hemd bekleidet sein.“ Und: „ Die Räume müssen mit einem dichten und festen Fußboden versehen und gegen das Eindringen von Erdfeuchtigkeit hinreichend geschützt sein.“ So lasen sich zwei der 17 Paragraphen der Polizei-Verordnung für Bäcker- und Kondítorei-Betriebe aus dem Jahr 1907. Wie sich die Arbeit des Bäckerhandwerks über die letzten knapp einhundert Jahre verändert hat, das zeigt eine Chronik, die Herbert Peters und die Bäckermeister Heinz Redies und Michael Kitel erstellt und kürzlich dem Elbschifffahrtsmuseum in Lauenburg übergeben haben.

Die Gründe, diese Chronik zusammenzutragen, waren dagegen weniger erfreulich. Zum einen war es die Schneekatastrophe im Jahr 1978/79. Die Sammlung soll stets daran erinnern, dass es nicht selbstverständlich ist, das tägliche Brot kaufen zu können. Zum anderen war es die stetig sinkende Zahl der Betriebe. Die gesammelten Unterlagen dienen nun dazu, künftigen Generationen die Bedeutung dieses Handwerks zeigen zu können, Zwar konnte die Kreisinnung 1999 ihr 100jähriges Bestehen feiern, doch die Zahl der Betriebe sinkt weiter. „Damals waren wir von 55 Betrieben in den 80er Jahren auf 16 geschrumpft,“ so Baumgarten bei der Übergabe. Allein in Lauenburg halten zur Zeit nur noch die Bäckermeister Lutz Clausen und Michael Kitel dem Druck der großen Bäckereien stand, Anfang der 70er Jahre waren es noch gut ein Dutzend Betriebe. So zeugen in der Chronik Urkunden, Protokollbücher und viele Belege von dem einst so wichtigen Handwerk in der Stadt Lauenburg sowie dem Kreis Herzogtum Lauenburg. Eine Entwicklung, die jedoch stellvertretend für ganz Deutschland steht, so Baumgarten weiter.

Als Beauftragter für die Öffentlichkeitsarbeit der Innung hat der Bäckermeister Heinz Redies alte Belege und Bücher aufgespürt, gesammelt und mit Belegen und Fotos aller wichtigen Ereignisse der Innung zusammengefügt. Damit das Ergebnis in würdige Hände gelangt, hat man sich entschlossen, die Dokumente an das Museum in Lauenburg zu übergeben, das schon eine stadtgeschichtliche Sammlung hat. So wird in den Unterlagen beispielsweise festgehalten, dass seit 1971 das Lauenburger Land Brot gebacken wird. Am 17. März wurde das erste Brot mit Kreispräsidenten überreicht. Der Kreis hat sogar die Verwendung des Kreiswappens auf der Banderole genehmigt.

Diese Zeugen der Vergangenheit werden sicher auch noch in hundert Jahren von den Leistungen des Bäckerhandwerks zeugen.


Artikel vom 16.06.2005
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