Niedersachsen
Chronik eines Fachvereins
Ehrungen und Rückblicke auf der Jahresversammlung
Hildesheim (lem). Auf der Jahrsversammlung des Bäckerfachvereins Hildesheim erhielt Bäckermeister Kurt Machens durch den Vorsitzenden Raymund Berendes für 50 Jahre Mitgliedschaft die goldene Ehrennadel überreicht.
Eine Ehrenurkunde gab es für die Bäcker vom Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks. Für die Internationalen Bäckerausstellung in München war als Schaustück von Stephan Schiewe der umgestülpte Zuckerhut nachgebildet worden. Das originale Fachwerkhaus Zuckerhut war bei einem Bombenangriff auf Hildesheim während des Zweiten Weltkrieges zerstört worden, ist aber inzwischen neu entstanden.
Raymund Berendes teilte in seinem Jahresbericht mit, dass auch zu Weihnachten die Kinder aus der Heimstatt Röderhof beschenkt wurden, wie das seit 30 Jahren geschieht. Inzwischen haben mehr als 700 bedürftige Kinder durch den Bäckerverein zum Weihnachtsfest Geschenke erhalten.
Zur 60-jährigen Neugründung des Bäckerfachvereins nach dem Krieg hat der langjährige Vorsitzende Manfred Hertwig eine neue Chronik geschrieben. Die Hildesheimer Bäcker hatten sich bereits 1814 zu einer Bäckergesellen-Brüderschaft zusammengeschlossen. Von 1912 stammt die älteste noch erhaltene Urkunde, die schließlich der Bäckerorganisation den Namen Bäckerfachverein von 1912 gab. Der langjährige Vorsitzende Manfred Hertwig berichtet aus den sechs Jahrzehnten, dass der Verein von 24 Gesellen nach dem Krieg in der Waterloo-Kaserne neu gegründet wurde, denn andere Räumlichkeiten standen nicht zur Verfügung.
Die Mitgliederzahl stieg schnell, denn in den Nachkriegsjahren stand das Bäckerhandwerk hoch im Kurs. Der Fachverein zählte 1948 bereits 90 Mitglieder 1952 waren 45 Lehrlingen in der Schulklasse. In den Bäckereien wurden Vier- und Fünf-Pfund-Brote gebacken und das Mehl musste in Zwei-Zentner-Säcken in die Backstuben geschleppt, die Backöfen am Vorabend mit Holz und Kohle von den Lehrlingen, die als Lohn eine Mark pro Woche erhielten, vorgeheizt werden.
Es gab zunächst etwa 70 Bäckereien, heute sind es noch etwa ein Dutzend.
Schlagartig ging die Zahl der Gesellen zurück, als 1955 das Volkswagenwerk in Hannover eröffnet wurde, denn hier gab es bessere Löhne als im Handwerk. Auch sorgte die industrielle Fertigung von Backwaren für Schwierigkeiten im Backgewerbe.
Aber immerhin: 1952 hatten sich die Mitglieder eine Vereinstracht gekauft. Sie bestand aus dunkler Hose, weißem Hemd mit blauer Fliege, weißen Handschuhen und blauweißer Schärpe sowie Schirmmütze.
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