Berlin-Brandenburg
Bürokratischer Aufwand bremst Aufschwung
Delegiertentagung des Bäcker- und Konditorenverbands Berlin-Brandenburg / Referat von Staatssekretär Dr. Wolfgang Krüger

Für eine aktive Innungsarbeit in Berlin- und Brandenburg zeichnet der Vorstand verantwortlich: GF Nikolaus Junker, Ehren-OM Günter Vetter, LIM Hans-Joachim Blauert, Rolf-Michael Schmidtke und Werner Klinkmüller (von links).
Entbürokratisierung forcieren
Im Zusammenhang mit den positiven Signalen aus der Wirtschaft, insbesondere der gesunkenen Arbeitslosenzahlen, konstatierte Landesinnungsmeister Hans-Joachim Blauert für das Handwerk einen leichten Aufwärtstrend. Dem gegenüber stehen allerdings die politischen Rahmenbedingungen. Trotz des oft wiederholten Versprechens für einen effektiven Bürokratieabbau zu sorgen, belasten beispielsweise das Gleichbehandlungsgesetz oder die Kennzeichnungspflicht für allergene Stoffe im „Loseverkauf“ vor allem die kleinen und mittleren Betriebe mit einem unverhältnismäßig hohen Dokumentationsaufwand. Insbesondere die gängige Praxis der einzelnen Verwaltungen, bei der Auslegung und Umsetzung bestimmter Vorgaben nicht einheitlich zu entscheiden, schaffe Probleme. Zwar gelten die neuen Ladenschlusszeiten sowohl in Berlin und als auch in Brandenburg, doch die Sonntags- und Feiertagsregelungen wurden in Berlin am Schreibtisch ohne detaillierte Kenntnisse über Marktgegebenheiten und die energieintensiven Backtechnologien beschlossen, kritisierte Blauert. Nach Intervention durch die Innung habe die Verwaltung inzwischen eine Überarbeitung bzw. Änderung zugesagt. Als weiteres wichtiges Wachstumshemmnis nannte er das beabsichtigte Innenstadt-Fahrverbot in der Berliner City. Laut einer Umfrage der Handwerkskammer gehört die Nutzung eines Transporters oder LKW für 58 Prozent der Handwerksunternehmen zum Tagesgeschäft. Bereits nach Einführung der ersten Stufe der Umweltzone sind 43 Prozent dieser Betriebe vom Fahrverbot betroffen. Damit würden für rund 14.500 Fahrzeuge die Räder still stehen. Weitere 52 Prozent der Firmen müssten nach Beginn der zweiten Stufe ab 2010 ihre Transporte und Warenlieferungen innerhalb des S-Bahn-Rings einstellen.
Wichtige Imagearbeit
Für Entwicklung des Landesverbands mit derzeit 11 Innungen, 409 Betrieben und 8 Einzelmitgliedern konnte Blauert eine positive Bilanz ziehen. Das dokumentieren auch die gestiegenen Ausbildungszahlen. 892 Lehrstellen, fast 100 mehr als im Jahr zuvor, bietet das Bäckerhandwerk an und erwies sich in dieser Beziehung erneut als eine verlässliche Säule der Wirtschaft. Insbesondere die medienträchtige engagierte Image- und Werbearbeit des Verbands, allen voran die Kampagne mit dem bundesweit einmaligen Qualitätslogo „Goldene Brezel“ als wiedererkennbares Markenzeichen für handwerklich hergestellte Backerzeugnisse, avancierte zu einer Erfolgsstory mit entsprechender Resonanz. „Wir haben unsere Kunden gefunden,“ unterstrich der Redner. Nach dem erfolgreichen Startschuss in Berlin konnten 32 Kollegen im Herbst 2006 auf dem Brandenburg-Tag in Forst die Auszeichnung von Ministerpräsident Matthias Platzeck in Empfang nehmen. Für Aufmerksamkeit in den Medien und bei den Kunden sorgten zudem die in den einzelnen Innungen durchgeführten Brot-, Brötchen- und Stollenprüfungen in Bezug auf Geschmack, Qualität und Produkttransparenz. Als besonderes Highlight bezeichnete Hans-Joachim Blauert die Teilnahme der Bäckerzunft auf dem Europa-Fest am Brandenburger Tor mit rund 250.000 Gästen. (siehe Bericht auf Seite 20). Die Marketingaktivitäten will der Landesverband in 2007 weiter fortsetzen. Nach der Abnahme der Jahresrechnung 2006 und der Entlastung von Vorstand und Geschäftsführung wurde der Etat 2007 einstimmig angenommen.
Megatrend Gesundheitsmarkt
Dr. Wolfgang Krüger, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, informierte in seinem Fachvortrag über die Handwerksförderung des Landes. Hier werden unter dem Motto „Stärken stärken“ seit zwei Jahren die wirtschaftspolitischen Instrumentarien konzentriert auf den Ausbau vorhandener Potenziale und die Weiterentwicklung von Branchenkompetenzen ausgerichtet. „2007 ist das Jahr des Mittelstandes in der brandenburgischen Wirtschaftspolitik, “ sagte er und verwies auf die Möglichkeiten zur Fördermittelinanspruchnahme, beispielsweise für verbilligte Darlehen im Rahmen der Gründungs- und Wachstumsfinanzierung. Die Stimmung hat sich gebessert. Laut einer aktuellen Umfrage wollen 55 Prozent der märkischen Handwerksfirmen neues Kapital investieren, das sind vier Prozent mehr als 2006. Vor dem Hintergrund der absehbaren rückläufigen demographischen Entwicklung in Brandenburg und einem Bedarf von 100.000 Fachkräften in 2010 appellierte er an die Bäckermeister, durch qualitativ hochwertige Ausbildung rechtzeitig für den eigenen Branchennachwuchs zu sorgen. Im Wettbewerb mit der Industrie sollten das Handwerk nicht auf Preiskampf, sondern auf ihre Stärken wie Qualität, Frische und verbrauchernahe Serviceleistungen setzen. Vor allem die Beratung sei ein „Alleinstellungsmerkmal“ der Bäcker. Damit könne der Berufsstand für sich werben, Kunden halten und gewinnen. In einer älter werdenden Gesellschaft eröffne der Gesundheitsmarkt als „Megatrend der Zukunft“ der Branche zahlreiche Möglichkeiten, unterstrich der Politiker und hatte eine Marketingempfehlung parat: „Das Bäckerhandwerk hat noch zu wenig bekannt gemacht, dass Brot, das den Namen wirklich noch verdient, gesund und schön macht: Spurenelemente wie Zink und Kupfer halten die Haut elastisch, Biotin fördert den Stoffwechsel, Panthothensäure reguliert die Feuchtigkeit der Haut, volles Korn schützt vor Darmkrebs und hohen Blutfettwerten und B-Vitamine stärken die Nerven.“
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