Baden & Württemberg
Brot kam mit der Dogge im Gespann
Der „Lichtentaler „Seitze-Beck“ zog vor 100 Jahren die ersten Brötchen aus dem Ofen
Baden-Baden (p). Exakt 100 Jahre währt sie schon, die besondere Verbindung vom „Seitze-Beck“ zu Lichtental, vor allem aber zu Geroldsau. Denn von dort stammte Walburga Seitz, die Ehefrau des Gründers, der am 5. August 1906 erstmals eigene Brötchen in seinem Geschäft in der Geroldsauer Straße backte.
Mit einem kleinen Wagen, gezogen von einer deutschen Dogge, machte sich damals morgens der Lieferservice auf den weg durchs Tal zu den früheren Nachbarn der Bäckersfrau.
Und so ist es bis zum heutigen Tag geblieben, wenn auch längst mit dem Lieferwagen, der neben der gesamten Palette der frischen Backwaren, die heute Elmar Seitz über Nacht herstellt, auch Eier, Butter uns alles bringt, was sonst zu einem guten Frühstück gehört.
Trotz der rollenden Versorgung war Gründer Franz Seitz bestrebt, seiner Kundschaft näher zu rücken. Als 1912 der Neubau in der Geroldsauer Straße 61, in der die Bäckerei noch heute ist, fertiggestellt war, verkaufte er seinen vorherigen Betrieb und zog um. Bis zum Kriegsende versorgte der Bäckermeister seine Kunden.
1945 übergab er den Betrieb an seinen Sohn. Und der bescherte dem Unternehmen eine kleine Attraktion. Drei Jahre war er zur See gefahren, bevor er sich in der Heimat niederließ. Auf diese Weise gelangte das geheime Rezept der „Trüffel“, die heute unter „Granatsplitter“ bekannt sind, in die Bäckerfamilie.
„Die waren wunderbar“, schwärmt Zeitzeugin Liesel Koppert, die noch heute zum Kundenstamm zählt, von den mit Schokolade überzogenen und mit Rum beträufelten Cremestückchen. Ihre Mutter betrieb in der Felsenstraße ein „Milch-Lädle“. Und wenn die Kannen gesäubert wurde, goss man die leicht milchhaltige Flüssigkeit nicht etwa weg, sondern verwendete sie als „Sau-Futter“. Und selbiges trug sie als Kind gerne zum Stall vom Seitze-Beck, in der Hoffnung, dafür eine Schneckennudel vom Vortag zu ergattern.
Die Zeiten haben sich geändert. Inzwischen hat Bäckermeister Elmar Seitz in dritter Generation das Geschäft übernommen. Es zählt zu den letzten drei Betrieben der Stadt, wo in den Nachtstunden noch der Ofen angeheizt wird.
Bevor er 1976 die Meisterprüfung ablegte, sammelte er erst einmal außerhalb seine Erfahrungen. In der Konditorei des Karlsruher Cafés Betzkler lernte er die hohe Kunst des Tortenmachens, bevor er 1979 in die Fußstapfen des Vaters trat und der junge Seitz-Bäcker wurde.
Vieles hat sich verändert seither, meint Elmar Seitz. Das Kaufverhalten der Kunden sei spürbar anders und die Ansprüche seien gestiegen. Entsprechend musste das Angebot wachsen. Seitz verkauft zehn Sorten, frisch gebacken an sechs Tagen der Woche. „Keine einzige Panne innerhalb von 30 Jahren!“
Nur einmal, da lief es nicht ganz so wie geplant, muss er mit Blick auf ein Fest der Bürgergemeinde Holzhof dann doch einräumen. „Da habe ich dummerweise vergessen, den Brötchen Backmittel zuzufügen.“ So hat er in dieser Nacht wahrlich kleine Brötchen gebacken, die Gattin Angelika am nächsten Morgen als „Absicht“ anpreisen musste. Wie überzeugend sie das getan hatte, wurde erst klar, als ein paar Tage später die Anfrage kam, wann es mal wieder von den leckeren kleineren Brötchen gebe.
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