Baden & Württemberg
Brot als Kulturgut wieder mehr würdigen
OM Martin Magnus kritisiert Zweckentfremdung von Getreide für Benzin und Heizöl

Geschäftsführerin Ute Sagebiel-Hannich informierte in der Innungsversammlung in Müllheim über aktuelle Themen im Bäckerhandwerk. Foto: Grosholz
Es sei höchste Zeit, den Wert von Nahrungsmitteln wieder zu erkennen, der auch in vielen Familien leider verloren gegangen sei. Die Zweckentfremdung von Getreide habe die explosionsartige Verteuerung von Mehl zur Folge gehabt. Damit sei auch das Brot, das wichtigste Nahrungsmittel überhaupt, für die Kunden teurer geworden, da die Bäcker die Mehrkosten nicht allein verkraften können, sondern sie zumindest teilweise an die Verbraucher weitergeben müssen. Freude habe das nicht ausgelöst, wie man von den Verkäuferinnen wisse. Inzwischen höre man, dass auch das Verpackungsmaterial teurer werden soll. Eine Beruhigung an der Preisfront könne in naher Zukunft sicher nicht erwartet werden.
Doch noch viel höher müsse man die Wiederentdeckung des Kulturgutes Brot einstufen. Durch ihre aktive Öffentlichkeitsarbeit leisteten die Bäcker dazu einen wichtigen Beitrag. „Unsere Aufgabe ist es, die Kunden ordentlich zu bedienen und gut zu beraten. Das können wir besser als viele andere“, sagte Magnus. Das geschehe in den Handwerksbäckereien und sichere diesen ihre wirtschaftliche Existenz in einem harten, teilweise ruinösen Wettbewerb. Die Veranstaltung, die in diesem Jahr wieder am meisten Publikum angezogen habe, sei der Müllheimer Brotmarkt gewesen. „Schon zur Mittagsstunde waren wir ausverkauft, die Bäcker mussten noch Waren nachholen“, berichtete Magnus, der sich besonders bei den elsässischen Kollegen bedankte, die wesentlich zur Vielfalt des Marktes beitragen.
Rechtsanwältin Ute Sagebiel-Hannich, Geschäftsführerin des Landesinnungsverbandes Baden, verstand es, trockene Themen „schmackhaft“ zu vermitteln. Wichtig sei es für die Bäcker, sich in den Vorschriften des beruflichen Alltags auszukennen. Sie wisse, dass das nicht immer leicht sei. Büroarbeit sei nun nicht gerade die Stärke der Bäcker. Deshalb seien Innungen und LIV jederzeit zu Auskünften bereit.
„Fragen Sie bitte, es ist der Vorteil ihrer Mitgliedschaft“, appellierte Sagebiel-Hannich an ihre Zuhörer. Den Haushaltsplan 2008 erläuterte Innungsgeschäftsführerin Cornelia Ritter. Da es keine Einwände aus der Versammlung gab, wurde der Plan auch so beschlossen.
Wilhelm Jung und Werner Eiche berichteten aus der Gewerbeschule Lörrach über den täglichen Unterricht, sowie über Kurse und internationale Termine. Sie empfahlen den Bäckermeistern, günstige Weiterbildungsangebote im Interesse ihrer Auszubildenden anzunehmen. Zuweilen uferten die Verhältnisse an der Schule durch undiszipliniertes Schülerverhalten schon aus.
Da seien die Lehrer schon stark gefordert, „aber wir werden schon noch damit fertig“, versicherte Wilhelm Jung, der es immer wieder versteht, auch die positiven Seiten bei den Jugendlichen zu sehen. Da setze die Gewerbeschule auch auf die Mitarbeit der Lehrmeister, ihre Azubis nicht aus der Kontrolle zu verlieren. Für alle Beteiligten sei letztlich ein erfolgreicher Schulabschluss das Wichtigste.
Abschließend führte Bäckermeister Ebner einen Film über den Besuch der Innung Müllheim bei befreundeteten Kollegen in der Bretagne vor.
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