Regional

Betriebliche und private Schieflage verhindern

Bäcker-Kompetenztag 2008 des LIV Bayern: Referent wies Weg zu Balance von Beruf und Privatleben


Bayern

:Nürnberg (buc). Viel zu viel Arbeit in Backstube und Büro, ein für alle guten Ratschläge taubes Thekenpersonal, sich beschwerende Kunden, und dann auch noch Ärger mit der Familie über den Mangel an Zuwendung. All das führt zu Stress, Unzufriedenheit, „Burn out“. Nur eine Änderung der inneren Einstellung zu Arbeit und Freizeit, der persönlichen Prioritäten kann da helfen. Die Richtschnur für den Ausbruch aus der Tretmühle gab Referent Dr. Claus Brüstle beim Kompetenztag 2008 des LIV Bayern in Nürnberg vor: „Sinnvoll leben heißt, dem eigenen Wollen den passenden Raum zu geben.“

Mit Blick aufs Glück

Wie wichtig neue Antworten auf die Sinnfrage für viele Bäcker sind, machte vor gut 65 Teilnehmern im Hotel „Sheraton“ LIV-Geschäftsführer Dr. Wolfgang Filter klar: Wenn Berufs- und Privatleben aus dem Gleichgewicht gerieten und als Folge z. B. die Frau nicht mehr in der Bäckerei mitziehe, sei die persönliche und betriebliche Schieflage vorprogrammiert. Erfolgreiche Betriebe zeichne die richtige Balance aus. Aber wie ist die zu erreichen? Der österreichische Sozialwissenschaftler Brüstle riet, sich die Grundfrage zu stellen: „Wie will ich einmal gelebt haben?“ Was berufliches Glück angeht, hätten die Bäcker ja einen großen Vorteil. Sie könnten allein durch ihre guten Produkte, etwa ein knuspriges Brot, „den Menschen die Sonne aufgehen lassen“. Das sollte man verinnerlichen, Kreativität pflegen und sich beruflich stets neu entdecken – „etwa in einem schönen Gebäckstück“.

Erfüllung im privaten Bereich kann heißen, die kleinen Freuden wieder genießen zu lernen. Der 59-jährige Spezialist für Persönlichkeitsentwicklung: „Oft ist das Spielen mit den Enkeln befriedigender als ein Top-Auftrag.“ Und auch wenn sich Männer meist nur über Leistung definierten – dass eine Frau einen reichen Mann mehr liebe, sei ein Trugschluss. Harmonie, gemeinsame Interessen zu verfolgen, sich verschiedene Interessen zuzugestehen, sei wichtiger. Wie im Betrieb das Betriebsklima, müsse man privat das Familienklima bewerten („Wie fühle ich mich daheim? Hundsmiserabel oder prima?“) und pflegen. Aber: „Nicht jeder Tag muss super sein. Missklänge gehören dazu, um Konflikte zu lösen.“ Brüstle empfahl seinen Zuhörern aus vielen Bäckerinnungen, täglich 5 bis 10 Minuten für sich und eine persönliche Aufmunterung zu reservieren: „Erinnern Sie sich an Augenblicke, die Ihnen überraschend Freude bereitet haben“, sei es ein Besuch der Kinder, eine Karte aus dem Urlaub oder ein Sportereignis.

Um die Weichen für eine befriedigendere Zukunft richtig zu stellen, sollte man sich seine persönlichen Stärken (z.B. Verkaufstalent, kreative Backwarengestaltung, Teamfähigkeit, wirtschaftliches Geschick) bewusst machen und diese „eigene Handschrift“ stärker betonen.

In der abschließenden Diskussion hatte der Referent noch eine Reihe praxisnaher Ratschläge für einen konfliktfreieren Betriebsalltag parat. Was z. B. tun, wenn die Anweisungen zur Säuberung der Bäckereimaschinen von einem oder mehreren Mitarbeitern einfach nicht befolgt werden?

Oft sei eine offene Diskussion in großer Runde ein guter Weg zu besserer Zusammenarbeit, hieß es. Ist jemand zu ängstlich, um dabei frei zu sprechen, könnten Vorschläge und Antworten zunächst auch in kleinen Gruppen gesammelt werden. Der Vorteil: „Kommen Ideen von den Mitarbeitern selbst, hat das eine ganz andere Akzeptanz als von oben herab!“

Selbstvertrauen schaffen

Dr. Claus Brüstles Tipp zur Strategie in einer Teambesprechung: Nicht nur Fehler benennen, sondern auch loben, was gut läuft. Das schaffe Selbstvertrauen. Und: „Ziel soll nicht sein, einen Sündenbock zu finden, sondern die Qualität zu verbessern.“ Idealer Ansatzpunkt dafür seien Kundenbeschwerden, die deshalb jede Bäckerei als hilfreich schätzen sollte.


Artikel vom 24.04.2008
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