Baden & Württemberg

Beim Engagement nicht locker lassen

Delegiertentag der Fachvereine: Mobilisierung der Mitglieder schwierig / Manfred Wagner wieder 1. Vorsitzender


Stuttgart (dk). „Obwohl der Fachverein früher die Nachwuchsorganisation des Bäckerhandwerks war, treten so gut wie keine neuen jungen Mitglieder mehr ein“, so der Landesvorsitzende Manfred Wagner etwas resignierend zu Beginn der Delegiertentagung der Bäckerfachvereine in Baden-Württemberg im maurischen Saal in der Stuttgarter Wilhelma. Dass er sich trotzdem weiterhin diesem, in allen berufständischen Organisationen spürbaren, Trend entgegenstemmen will, beweist seine erneute Kandidatur und die einstimmige Wiederwahl zum 1. Vorsitzenden. Neben den Wahlen, bei der die Vorstandsschaft teilweise mit jüngeren Beisitzern ergänzt wurde, stand auch ein Referat zur Situation des Bäckerhandwerks im Mittelpunkt sowie die Würdigung des ehemaligen badischen Verbandsgeschäftsführers Wolfgang Mößner und seine Ernennung zum Ehrenmitglied.

Dass weiterhin Interesse an Fortbildungsveranstaltungen bestehe, zeige die Beteiligung bei den verschiedenen Seminaren, so Wagner in seinem Bericht. Aber es werde immer schwieriger, die Leute zur Beteiligung zu bewegen und nur mit Unterstützung von weiteren befreundeten Landesverbänden seien große Veranstaltungen wie das jährliche Weinheimer Wochenende möglich. Aber der Verband wolle hier nicht locker lassen und auch zukünftig gute Angebote präsentieren. Die nachfolgenden Regularien wurden zügig abgehandelt. Nach dem Bericht von Kassenwart Stefan Matt bescheinigte Prüfer Dieter Kauffmann die ausführliche Kassenführung und schlug die Entlastung von Kassier und Vorstand vor, die einstimmig erteilt wurde. Vor den anstehenden Neuwahlen gestand Manfred Wagner eine gewisse Amtsmüdigkeit ein, aber da er trotz intensiver Bemühungen keinen jüngeren Kollegen bewegen konnte, stehe er für eine weitere Periode nochmal zur Verfügung. Dafür wurde dann auch ihm von der Versammlung ein einstimmiges Votum gegeben. Als Stellvertreter wurde Karl-Heinz Laug wiedergewählt und für den in den Beisitz wechselnden Manfred Förstner kam Ottmar Lunkenheimer. Kassenwart Stefan Matt und Schriftführer Wolfgang Härer wurden ebenso einstimmig gewählt wie die beiden Beisitzer Fritz Keller und Manfred Förstner. Um der nachrückenden Kollegin Alexandra Bender einen Sitz im Gremium zu ermöglichen, wurde die Zahl der Beisitzer auf drei erweitert.

In seinem Situationsbericht zum Bäckerhandwerk sieht der Geschäftsführer des württembergischen Landesinnungsverbands, Andreas Kofler, durchaus Chancen für die Betriebe. Zwar seien die Discounter und LEH auf dem Vormarsch, doch gebe es weiterhin Betriebe, denen es wirtschaftlich gut gehe. Diese hätten es geschafft, durch Umstrukturierung, Kostenmanagement und das Eingehen auf Verbraucherwünsche ihre Position zu festigen und auch gute Gewinne zu erzielen. Der Bäcker müsse die Definition für Qualität aus Sicht der Kunden betrachten, denn dieser nimmt sie anders wahr. So sei das erste Kriterium die absolute Frische. „Wir wissen, es ist nicht immer einfach, aber wenn man sieht, wie die Discounter die Frische rüberbringen, sollte das zu denken geben“. Hier nannte Kofler verschiedene Beispiele, wie Kompetenz glaubhaft vermittelt werden könne. So stehe beispielsweise der Betriebsinhaber im Laden oder es wird vor den Augen der Kunden mit Mehl und Teig gearbeitet. Wichtig sei immer die Frage nach der Kundenstruktur: „Kennen wir die Kunden und sprechen sie auch richtig an? Kennen wir die Einkaufsgewohnheiten?“ Die Bäckerei müsse sich als Marke positionieren, denn dahinter stehe eine gewisse Wertschätzung und Kundenerwartung. Mit einem Blick nach Frankreich zeigte er auf, dass erfolgreiche Betriebe dort ihr Sortiment erheblich reduziert hätten und ihr sehr kleines Produktangebot bis ins Detail pflegen. Das heißt, weniger Produkte, aber dafür in Top-Qualität. Ein erster Schritt zur Reduzierung des großen Sortiments seien Kooperationen. Dass diese Möglichkeit der Zusammenarbeit schön öfters versucht worden war, zeigte sich in der anschließenden Diskussion.

Bei der abschließenden Aussprache um den Zustand der Fachvereine zeigte Andreas Kiene die Situation des Geislinger Vereins auf. Da bei der letzten Hauptversammlung kein Vorstand mehr gefunden werden konnte, gilt der Verein als ruhend. Dies sei besser als eine Auflösung, denn kleinere Aktivitäten gäbe es ja. Den Antrag, den Geislinger Fachverein als ruhenden Verein ohne Stimmrecht und Beitragspflicht weiter im Landesverband zu belassen, wurde von den Delegierten einstimmig angenommen.

Zum Abschluss der Veranstaltung konnte Wagner noch einen langjährigen Förderer der Fachvereine würdigen. Für sein großes Engagement in seiner Zeit als badischer Verbandsgeschäftsführer verlieh er die Ehrenmitgliedschaft an Wolfgang Mößner.


Artikel vom 21.07.2005
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