Sachsen

Beim 1. Brotfest auch Lehrlinge freigesprochen

Die Bäckerinnung „Saxonia“ Zwickau hat den Kunden die große Bedeutung des Brotes vermittelt / Brotprüfung mit guten Ergebnissen


Zwickau (ps). Mit einem abwechslungsreichen Programm lockte die Zwickauer Bäckerinnung „Saxonia“ am ersten September-Sonntag Hunderte Besucher in die Alte Posthalterei der Muldestadt. Mit dem 1. Brotfest, das gemeinsam mit vielen Partnern begangen wurde, haben die Bäckermeister nicht nur für ihren Berufsstand und die frischen Produkte aus dem Handwerksbetrieb um die Ecke geworben. Vielmehr ging es ihnen nach den Worten von Obermeister Lutz Dittes vor allem darum, „dass sich den Kunden die große Bedeutung des wertvollen Lebensmittels Brot erschließt. Denn in vielen Ländern der Welt ist es im Gegensatz zu uns gar nicht selbstverständlich, über das tägliche Brot verfügen zu können. Deshalb sollten unsere Verbraucher, die zumeist satt an der Verkaufstheke stehen, das wertvolle Lebensmittel Brot, mehr schätzen und achten.“ Denn gerade das Brot als Hauptprodukt der handwerklichen Bäckereien sichert den Familien der Meister und der Mitarbeiter die Existenz.

„Deshalb ist es gut und richtig, dieses Lebensmittel zu feiern und seiner Bedeutung im Kreislauf des Lebens vom Landwirt über den Müller und Bäcker bis zum Kunden hervorzuheben“, betonte OM Dittes. Diesem Ziel diente auch das biblische Musical „Joseph“, das die Laienkünstler vom Musicalteam Pöhlau bereits am Vortag aufgeführt hatten.

Deshalb wurde der 1. Zwickauer Brotmarkt, auf dem das Brot als eines der ältesten Synonyme für das Leben „gefeiert“ wurde, mit einem gut besuchten ökumenischen Gottesdienst in der Katharinenkirche eröffnet. Überaus feierlich ging es auch bei der sich unmittelbar anschließenden Freisprechung von 18 Jung-Gesellen und zehn Bäckerei-Fachverkäuferinnen zu, die ihre Gesellenbriefe und Abschlusszeugnisse vor der geöffneten Innungslade aus dem Jahre 1734 erhielten. „Der Abschlussjahrgang 2005 war von vielen Mühen in der Backstube und auf der Schulbank geprägt“, unterstrich Bundestagsabgeordneter Dr. Michael Luther in seiner Festrede. „Doch jetzt werden die jungen Leute nach dreijähriger Lehrzeit in den Kollegenkreis aufgenommen, und das sollte ihnen Mut geben für eine gute Zukunft im Freistaat Sachsen, der für seine Entwicklung in allen Branchen gut qualifizierten Berufsnachwuchs dringend benötigt.“

Obermeister Lutz Dittes überreichte den jungen Leuten gemeinsam mit den Vorsitzenden der Prüfungsausschüsse Renate Henschel und Jürgen Richtsteiger die Abschlusszeugnisse und zeichnete Anja Fröhlich (Bäckerei Meino Bayer, Werdau) als Jahrgangsbeste aus. Ähnlich gute Leistungen konnten auch die Fachverkäuferinnen Nadine Gersch und Monique Keller sowie Junggeselle André Teller (Bäckerei Teller, Langenbernsdorf) erzielen. „Dabei hätte das Leistungsniveau der jungen Leute noch besser sein können, hätten sie ihre Berufsausbildung nicht auf die leichte Schulter genommen und sich in allen drei Lehrjahren so angestrengt wie in der unmittelbaren Zeit der Prüfungsvorbereitung“, meinte Jürgen Richtsteiger. „Dann hätten sicherlich auch die fünf Durchfaller ihre Prüfungen bestehen können. Jetzt können wir den jungen Leuten nur wünschen, dass sie mit diesem Engagement in ihren Berufsalltag starten.“

Der 55-jährige Bäckermeister und Ausbildungsmeister Meino Bayer, gehörte beim 1. Zwickauer Brotfest auch zu jenen sieben Handwerksmeistern, die sich mit ihren Produkten und Verkaufsständen den Verbrauchern vorstellten und umfassend zum Lebensmittel Brot informierten. Meino Bayer war zudem für den „Imbissbereich“ zuständig: Er bot für den kleinen und großen Hunger unter anderem belegte Brötchen, Bratwurst mit Sauerkraut und Schinken im Brotteig an. An den anderen Ständen gab es verschiedene Sorten Brot, Brötchen und auch Kuchen, während Geselle Rolf Wachert von der Bäckerei Dittes regelmäßig frisches Brot aus dem Holzbackofen zog. Das Angebot reichte sogar bis zu Eis und Konditoreiwaren von der Konditorei Engelmann aus Zwickau, während Berufsschullehrer und Lehrlinge vom Beruflichen Schulzentrum Wilkau-Haßlau demonstrierten, wie sie mit Teig arbeiten und beispielsweise verschiedene Zöpfe flechten können. Darüber hinaus beteiligten sich zahlreiche Innungsbetriebe an der eigens zum Brotfest angesetzten Brotprüfung, bei der Brotprüfer Manfred Stiefel insgesamt 40 Brot- und zehn Brötchenproben zu begutachten hatte. Zum abwechslungsreichen Programm gehörten zudem ein musikalischer Frühschoppen mit dem Jugendblasorchester Zwickau, Musik mit „Ludwig und Joe“, Unterhaltung für Kinder beispielsweise am IKK-Informationsstand sowie „handgemachte“ Angebote von Kunsthandwerkern und Obstproduzenten der Region.


Artikel vom 23.09.2005
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