Bayern schafft neue Aufstiegschancen
Bäcker können künftig berufsbegleitend den Bachelor in Unternehmensführung machen / Für Zündstoff sorgen Pläne der Kultusminister

Immer mehr jungen Bäcker wollen nach der Meisterprüfung noch an einer Fachhochschule oder Universität studieren. Foto: LIV
„Wir wollen ein Zeichen setzen und beweisen, dass man mit einer handwerklichen Ausbildung als Basis und entsprechenden Weiterbildungen eine Top-Karriere starten kann“, erklärt Kammerpräsident Heinrich Traublinger. Das Studium sei speziell zugeschnitten auf Meister und Betriebswirte des Handwerks. Der Lehrplan sei so gestaltet, dass Handwerker in betriebswirtschaftlicher Hinsicht über den Tellerrand hinausschauen. „Sie erwerben akademische Kompetenzen, mit der sie sich auch komplexeren Situationen stellen können.“ Was Meistern und Betriebswirten des Handwerks das Studium verkürzt: Für den Meisterbrief und die Zusatzqualifikation rechnet die Hochschule jeweils drei Semester an.
Wie groß ist das Interesse der Handwerker an akademischen Weihen? „Die Nachfrage nach Qualifikation steigt“, sagt der Leiter der Akademie des bayerischen Bäckerhandwerks, Arnulf Kleinle. „In der Regel“ qualifizieren sich seine Meisterschüler gleich zum Betriebswirt des Handwerks. „Viele fragen danach: Wie kann ich mich weiter spezialisieren?“, berichtet Kleinle und ergänzt: „Zwei bis drei der Absolventen jedes Meisterkurses beginnen ein Studium.“ Großes Interesse herrsche an Fächern wie Lebensmitteltechnik und Ökotrophologie, aber auch Maschinenbau.
Den neuen Studiengang hält er für eine gute Ergänzung. Beruflich Qualifizierten stehen in Bayern Tür und Tor zu Hochschulen offen. Seit zwei Jahren können Handwerksmeister an jeder Fachhochschule und Universität jedes Fach studieren. „Unser Bildungssystem ist heute so durchlässig wie nie zuvor“, sagt Traublinger. „Dafür haben wir lange kämpfen müssen.“ Die Anstrengungen gehen weiter.
Ein Problem: Insgesamt gesehen, ist die Zahl der Studenten, die einen Beruf erlernt haben, eher gering. Laut Statistik gab es im Jahr 2009 gerade mal 518 Studienanfänger mit beruflichem Hintergrund. 2010 stieg die Zahl auf 850. Um junge Menschen auf die Chancen aufmerksam zu machen, hat das Kultusministerium unter www.weiter-studieren-in-bayern.de eine Plattform ins Internet gestellt. Die Website bietet Tipps zu Studienfächern, Zugangsregelungen und Finanzierungsoptionen.
Aller Durchlässigkeit des Bildungssystems zum Trotz: Handwerksberufe haben nach Überzeugung Traublingers nicht die Anerkennung, die sie verdienen. Im Gegenteil: „Das ist eine unglaubliche Diskriminierung“, ärgert er sich über die jüngste Einstufung von Gesellen durch die Kultusminister. Diese haben Abiturienten im achtstufigen „ Deutschen Qualifikationsrahmen“ eine Stufe über Gesellen gesetzt. „Das ist elitäres, anmaßendes Denken“, kritisiert der Präsident des Bayerischen Handwerkstages – und gibt sich kämpferisch.

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