Sachsen
Auf unternehmerisches Denken setzen
Ein ereignisreiches Jahr liegt hinter der Innung Riesa-Großenhain/Döbeln

Obermeister Matthias Brade blickte auf die Aktivitäten im Jahre 2006 und erläuterte die Schwerpunkte der Innungsarbeit im neuen Jahr.Foto: Salden
Obermeister Matthias Brade, zugleich Vorsitzender des Ausschusses für Aus- und Weiterbildung beim Landesinnungsverband „Saxonia“ des Bäckerhandwerks Sachsen, ging in seinem Geschäftsbericht über die Aktivitäten der Innungsmitglieder seit der Frühjahrsversammlung 2006, sowohl des Landesverbandes als auch seiner eigenen Innung, vor allem unter dem Gesichtspunkt der Aus- und Weiterbildung des Berufsnachwuchses und der Fachkräfte ein. Dabei verband der Obermeister wichtige Erkenntnisse und Anregungen, beispielsweise von der Saxonia-Jahresmitgliederversammlung und der Beratung der Obermeister, sowie der Lehrlingswartetagung auf Landesebene mit den Aktivitäten der insgesamt vier Dutzend Mitgliedsbetriebe aus der Region: „Erneut haben wir uns am Ausbildungsmarkt in Meißen beteiligt und waren am Informationsstand der Kreishandwerkerschaft präsent, um mit Blick auf den ab 2009 zu erwartenden Lehrlingsknick unsere Ausbildungsberufe vorzustellen und für die Ausbildung im schönen Bäckerhandwerk zu werben“, betonte der Obermeister. Die Lehrlingsfreisprechung 2006 wurde wieder selbstständig in eigener Regie durchgeführt, wobei zu bemerken ist, dass ein Viertel der insgesamt 28 Prüflinge durchgefallen ist und es der „Rest“ leider nur auf einen Leistungsdurchschnitt von 3,4 gebracht hat. Dennoch konnte sich Jung-Geselle Martin Braun als einer von insgesamt fünf Prüflingen des Jahres 2006 den zum fünften Male vergebenen „Ausbildungspreis der Kreishandwerkerschaft Mittelsachsen“ sichern. Doch die Innung und die Handwerkkammer haben auch die älteren Kollegen keineswegs vergessen: So konnten die Alt-Meister Manfred Simon, Winfried Hofmann und Rudolf Tischer im Herbst einen „Goldenen Meisterbrief“ für ihre vor genau 50 Jahren erfolgreich bestandene Meisterprüfung entgegennehmen.
Zu den herausragenden Aktivitäten gehören auch die Zusammenkünfte mit der benachbarten Bäckerinnung in Meißen, sowie im Juni 2006 das traditionelle Fußballspiel „Weiß“ gegen „Schwarz“ in Naußlitz, bei dem die Bäcker und die Schornsteinfeger in ihren Arbeitsmonturen antreten. Nicht nur wegen der größeren Einschränkungen, denen die Essenkehrer durch ihre Arbeitsbekleidung unterliegen, konnten die Bäcker das Spiel zum zweiten Mal in Folge gewinnen und haben nunmehr die große Chance, sich den Wanderpokal 2007 endgültig zu sichern. „Aber aus Anstand sollten wir vielleicht lieber doch verlieren...“, überlegte der Obermeister.
Hygiene, Eigenkontrolle,
Dokumentation und Co.
Für viele Denkanstöße sorgte auch Lebensmittelkontrolleurin Claudia Pretsch vom Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt beim Landratsamt Riesa/Großenhain, die den Bäckermeistern die neuen EU-Hygienerichtlinien erläuterte. „So viel neue Dinge gibt es gar nicht zu beachten, jedoch wurden in die neue Verordnung einige Nachbesserungen eingearbeitet, die die Bäckermeister künftig beachten müssen, damit sie ihrer Verantwortung als Unternehmer bewusster gerecht werden.“
Dazu gehört unter anderem die Pflicht zur Dokumentation der betrieblichen Abläufe, die bisher lediglich auf freiwilliger Basis erfolgte, fortan jedoch von den Lebensmittelkontrolleuren abgefordert wird. Zudem muss die Eröffnung eines neuen Unternehmens, der Wechsel des Betriebsinhabers oder die fundamentale Erweiterung des Sortiments ab sofort nicht nur beim Gewerbeaufsichtsamt, sondern auch beim Lebensmittelüberwachungamt angemeldet werden.
Größere Bedeutung kommt dabei der betrieblichen Eigenkontrolle auf HACCP-Basis zu, denn die Häufigkeit der amtlichen (kostenpflichtigen) Kontrollen wird künftig aus Grundlage der Einstufung der Betriebe in Risikoklassen erfolgen, weshalb eine gute Selbstkontrolle helfen kann, Kosten zu sparen. Auch der Nachweis der durchgeführten Schädlingsbekämpfung wird ab 2007 abgefordert.
Im betriebswirtschaftlichen Teil der Innungsversammlung analysierte Obermeister Brade den aus den Angaben von 20 backenden Betrieben der Region erstellten Preisvergleich und stellte dabei zum Teil gravierende Preisunterschiede fest. „Es ist schon erschütternd, dass beispielsweise ein Weizenbrot beim billigsten Anbieter nur die Hälfte des Preises eines anderen Betriebes kostet“, stellte Brade fest. „Wer seine hochwertigen Backwaren derart verschleudert, kann auf keinen grünen Zweig kommen.“ Auch bei Brötchen, Brot, Pfannkuchen, Blech- und Obstkuchen gibt es zum Teil gravierende Preisdifferenzen.
„Jeder muss mit seiner betrieblichen Kalkulation, wenn er sie denn richtig berechnet, allein zurecht kommen, aber natürlich müssen wir auch die Entwicklung der steigenden Einkaufs- und Verbrauchspreise beispielsweise für Energie und diese Kosten in den Verkaufspreisen berücksichtigen“, appellierte Brade in deren eigenen Interesse an die Vernunft der Bäckermeister.
„Auch aus diesem Grunde haben wir für unser Unternehmen per 1. November 2006 die Preise für Brot und Kuchen um zwischen drei und neun Prozent erhöhen müssen. Wenn wir unseren Kunden reinen Wein über die Kostenexplosion bei Strom und Gas einschenken, die sie ja auch in ihrem eigenen Haushalt zu spüren bekommen, zeigen sie nach langer Stabilität durchaus Verständnis für diese recht geringen Preisaufschläge – zumal sie in der Regel die frischen und absolut hochwertigen Erzeugnisse von ihrem Bäckermeister um die Ecke nicht mehr missen möchten.“
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