Baden-Württemberg
Auf internationaler Fortbildungstour
Fachstudienreise des LIV für das Württembergische Bäckerhandwerk nach Prag und Wien
Stuttgart/Prag/Wien (p). Die Ziele der diesjährigen Fachstudienreise des Landesinnungsverbandes für das Württembergische Bäckerhandwerk waren Prag und Wien sowie Neusiedl am See. Dabei bekamen die Teilnehmer interessante Einblicke in die Struktur der Bäckerbranche. Ende 1989/Anfang 1990 hat in der Tschechoslowakei die Umstrukturierung von der staatlich gelenkten Planwirtschaft zur Marktwirtschaft begonnen. Der Außenhandel wurde liberalisiert, die Preise freigegeben. Staatliche Betriebe gingen nach und nach in Privateigentum über. Vor allem die gewinnversprechenden Betriebe sind inzwischen privatisiert. Seit 1990 ist in Tschechien auch der Verbrauch von Brot und Gebäck nicht nur im Zusammenhang mit dem Wandel des Lebensstils zurückgegangen, sondern auch angesichts der sprunghaften Preiserhöhungen bei diesen Produkten. Seit 1995 geht der Brotverbrauch kontinuierlich zurück. Standardgebäck kletterte nach vorübergehendem Rückgang schnell nach oben und hält sich seit 1995 auf dem Niveau von ca. 42 Kilogramm pro Person und Jahr. Im Vergleich z. B. mit Deutschland ist der Verbrauch von Weizenmehl in der tschechischen Republik erheblich höher (87,7 Kilogramm gegenüber 58,6 Kilogramm); eine ähnliche Situation liegt auch beim Verbrauch des Roggenmehls vor (12,5 Kilogramm gegenüber 9,6 Kilogramm). Etwa 1850 Bäckerei- und 1350 Konditoreiunternehmen mit einem großen Angebotsboom einerseits und starke Handelsketten mit der Verlockung eines billigen Hörnchens andererseits, haben einen hohen Druck auf die Preise der Bäckereiprodukte verursacht. Es gibt zwar auf dem Markt starke Gesellschaften wie z. B. Delta-Bäckereien, Odkolek und Penam, aber noch nicht einmal diese haben die Kraft, ihre Produkte nach eigenen Vorstellungen preislich anzuheben, da ihre Stellung sofort von der Konkurrenz übernommen wird. Die Reisegruppe besuchte u. a. den zweitgrößten Produzent und Lieferant von Mehl, Bäckerei- und Konditoreiprodukten in der tschechischen Republik, die Firma Odkolek. Dank langfristiger Erfolge und Kontinuität, vor allem bei der Qualität ihrer Produkte und Dienstleistungen, sind die Firma Odkolek und ihre Tochtergesellschaften zu einem zuverlässigen Lieferanten und Partner sowohl für internationale Handelsketten und Industriekunden als auch für kleinere Einzelhandelsverkaufsstellen geworden. Sehr interessant war in Prag auch der Besuch der Familienbäckerei Milan Zoulek. Dieser Betrieb hat es trotz schwieriger Rahmenbedingungen und einem sehr starken Wettbewerb geschafft, einen entsprechenden Marktanteil in Prag zu gewinnen. In Wien besuchte die Delegation die Bäckerei Mann mit ihrem einzigartigen Brot und die Bäckerei Grimm, die im sogenannten Innenbezirk in Wien der letzte backende Betrieb ist. An einem Abend hatten die Reiseteilnehmer aus Deutschland die Gelegenheit, mit Landesinnungsmeister Josef Schrott und Landesinnungsgeschäftsführer Dr. Kurt Schebasta über aktuelle Entwicklungen im Bäckerhandwerk in Wien und Österreich zu diskutieren. Am Neusiedlersee besuchte die Reisegruppe den ehemaligen Landesbeauftragen für Öffentlichkeitsarbeit, Fritz Krieg, in seinem neuen Betrieb „Krieg’s Backhäusle“ in Illmitz sowie die Bäckerei Naglreiter in Neusiedl am See, die u. a. den Marktkiekerpreis im Jahr 2002 erhalten hat.
Artikel vom 16.06.2006
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