Saarland

Arbeitsschutz lockern

Kammerpräsident Kirf zur Initiative im Saarland


Saarbrücken (hk). Der Arbeitsschutz für Jugendliche sollte gelockert werden. Dazu erklärte der Präsident der Handwerkskammer des Saarlandes, Bäckermeister Hans-Alois Kirf, Jugendliche könnten nur dann ausgebildet werden, wenn die Arbeit anfalle: „Weil die Kunden nun einmal morgens früh frische Brötchen verlangen und nicht nachmittags, müssen wir Bäcker in den frühen Morgenstunden ran. Und nur dann können wir den Lehrlingen ihr Handwerk beibringen.“ Kirf nahm Stellung zu einem Vorstoß von Landeswirtschaftsminister Hanspeter Georgi zur Lockerung des Arbeitsschutzes und sagte, die Kritik der Gewerkschaften und des Landesjugendringes könne er nicht verstehen: „Ich könnte den Aufschrei der Empörung nachvollziehen, wenn Georgi ein Ausgehverbot für Jugendliche ab 22 Uhr gefordert hätte. Das wäre in der Tat nicht mehr zeitgemäß.“ Es sei aber nicht einzusehen, dass junge Menschen freiwillig ihre Freizeit in Diskotheken und Clubs bis in die Morgenstunden verbringen, in dieser Zeit aber durch das Gesetz bedingt nicht ausgebildet werden dürften.

Kirf wörtlich: „Der Landesjungendring und die Gewerkschaften haben kein Problem damit, dass Jugendliche nach einer durchfeierten Nacht um 8 Uhr ins Bett gehen. Ich akzeptiere das auch. Nur ist es paradox, dass wir Lehrlinge um 4 Uhr nicht beibringen dürfen, was sie für ihr Berufsleben brauchen.“

Jugendschutz sei selbstverständlich wichtig, wozu ein ausreichender Abstand zwischen Ausbildung und Berufsschule gehöre. Keinem Jugendlichen schade es aber, wenn er an Ausbildungstagen ohne Berufsschule vor 5 Uhr mit der Arbeit beginne. Von der Initiative des Wirtschaftsministers verspricht sich der Kammerpräsident auch mehr Lehrstellen: „Gerade Bäcker können ihre Lerninhalte nicht an Gesetze anpassen, sondern richten sich nach Kundenwünschen. Es wird mehr ausgebildet, wenn das Gesetz die Produktionszeiten akzeptiert.“


Artikel vom 01.09.2006
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