Berlin
Aktiv dabei im Rennen um Auszubildende
Auf Jugendmesse engagiert präsentiert / Bio-Bäckerei ist bester Ausbildungsbetrieb

Bäckermeisterin Christa Lutum freute sich über die Auszeichnungsurkunde als bester Berliner Ausbildungsbetrieb. Innungsgeschäftsführer Nikolaus Junker (r.) und Vorstandsmitglied Kurt Berning gratulierten herzlich. Foto
Diese Chance nutzte auch die Berliner Bäckerinnung aktiv. Während der zweitägigen Veranstaltung war der Ausstellungsstand unter Leitung von Fachschullehrerin Birgit Schultz nicht zuletzt dank süßer Quarkbällchen und krosser Apfelkringel stets dicht umringt. Vor Ort informierten die Bäcker- und Fachverkaufslehrlinge die künftigen Schulabgänger über die vielfältigen Möglichkeiten und Ausbildungsinhalte. Zusätzlich waren zahlreiche Berater von den Kammern und den Berliner Arbeitsagenturen im Einsatz, die den jungen Leuten die Ausbildungschancen und die verschiedenen Wege auch via Internet erläuterten. Erfahrene Coachs gaben wichtige Tipps hinsichtlich der Gestaltung von Anschreiben sowie für das Auftreten bei Bewerbungsgesprächen und Eignungstests.
Für ihren besonderen Einsatz bei der Berufsausbildung wurden traditionell wieder die besten Berliner Unternehmen, darunter 30 Handwerksbetriebe, ausgezeichnet. Die Jugendmesse You mit den Tagen der Berufsausbildung zu verbinden, sei eine interessante Mischung, betonte Festredner Wirtschaftssenator Harald Wolf. Für die jungen Leute werde so sichtbar, dass eine qualifizierte Ausbildung die beste Grundlage für einen gut bezahlten Job ist.
„Wenn wir den Standort Berlin stärken wollen, kommen wir nicht umhin, unserer Jugend eine solide und zukunftssichere Qualifizierung anzubieten,“ unterstrich Handwerkskammerpräsident Stephan Schwarz. IHK-Präsident Dr. Eric Schweitzer sprach darüber hinaus das Problem mangelnder Qualität und Motivation zahlreicher Bewerber direkt an. Zentrale Aufgabe von Politik, Wirtschaft, Schule und Elternhäuser sei es, für ein höheres Wissensniveau der jungen Leute zu sorgen. Seine Warnung: „Wer heutzutage über keine qualifizierte Ausbildung verfügt, für den ist eine Sozialhilfekarriere vorprogrammiert!“
Zu den anschließend ausgezeichneten Handwerksbetrieben zählte unter anderem die Kreuzberger Bio-Bäckerei Beumer & Lutum, die den Preis bereits zum zweiten Mal erhielt. Während die backende Zunft schon jetzt häufig händeringend Nachwuchs sucht, stehen die Interessenten in dem 1993 gegründeten Betrieb regelrecht Schlange. Auf eine Lehrstellenausschreibung gibt es durchschnittlich 15 bis 20 Bewerber. Im diesem Jahr gingen sogar 60 Bewerbungen ein. Das kleine Unternehmen nahm deshalb erstmals das Angebot der Berliner Bäckerinnung in Anspruch, die berufliche Eignung der Schulabgänger in einem Vortest zu prüfen. Mehrmals stellte das Unternehmen bereits den Innungsbesten Azubi. 2005 haben sogar zwei Japanerinnen hier ihren Bäckerabschluss mit Auszeichnung bestanden. Durchgefallen sei noch kein Lehrling, versicherte Christa Lutum, eine der beiden Geschäftsführerinnen, die nicht nur ein gutes Händchen für Backwaren, sonder auch ein geschultes Auge bei der Auswahl des Berufsnachwuchses hat.
„Wir bieten eine fundierte Ausbildung und es ist ein Privileg, bei uns zu lernen, da muss man schon etwas dafür tun,“ kommentierte die engagierte Bäckermeisterin solche Maßnahmen. Mit den Bewerbern auf eine Lehrstelle als Bäcker oder Fachverkaufskraft im branchenspezifischen Lebensmittelhandwerk führt sie im Vorfeld ausführliche Gespräche und bietet ihnen einen eintägigen Schnupperkurs in der Backstube oder im Laden an. Wer sich danach für Beumer & Lutum entscheidet wird nicht nur gefordert, sondern auch gefördert. Schon nach relativ kurzer Eingewöhnungszeit werden dem Nachwuchs selbständige Aufgabenbereiche übertragen.
Erklärtes Ziel der Berliner Wirtschaft ist es, jedem ausbildungswilligen- und fähigen Interessen ein Ausbildungsangebot zu unterbreiten. Mit 5,4 Prozent mehr betrieblichen Lehrstellen ist das Handwerk dabei auf gutem Weg. Auch in der Backzunft stiegt die Zahl der Bäckerazubis im Vorjahresvergleich von 210 auf 224. Derzeit bilden 153 Unternehmen aus.
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