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„Der Mittelstand zahlt die Zeche“

Hoffnungsvoll fürs Handwerksjahr 2011: Manfred Kerschbaum, Achim Hanisch,
Wolfgang Uhl, Raimund Kirch und Kurt Held (von rechts). Foto: Buchmann+
Hoffnungsvoll fürs Handwerksjahr 2011: Manfred Kerschbaum, Achim Hanisch, Wolfgang Uhl, Raimund Kirch und Kurt Held (von rechts). Foto: Buchmann

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NZ-Chefredakteur Kirch bei Neujahrsempfang der Nürnberger Bäckerinnung

Bayern Mehr Mut, Augenmaß und politische Mehrheiten sind nach Ansicht von Raimund Kirch nötig, um die drohenden Gefahren der globalen Schuldenkrise zu beseitigen. Der Chefredakteur der „Nürnberger Zeitung“ (NZ) kritisierte als Gastredner beim Neujahrsempfang der Bäckerinnung Nürnberg, dass die Welt, Europa und Deutschland nach der leidlich überstandenen Wirtschaftskrise einfach zum Prinzip „Weiter so!“ zurückgekehrt seien. Im Ernstfall, so befürchtet er, müssten wieder die Leistungsträger die Zeche zahlen – allen voran der Mittelstand.

Vor gut 100 Zuhören im innungseigenen „Bäckerhof“ mahnte der 59-jährige Journalist, verstärkt vor der eigenen Haustür zu kehren. Er warf der Politik vor, den schwarzen Peter von Wahlperiode zu Wahlperiode weiterzuschieben und forderte: „Der Raubbau an künftigen Generationen muss aufhören!“ Zugleich plädierte Kirch dafür, den sozialen Grundstock der Marktwirtschaft zu bewahren; eine rücksichtslose Gesellschaft falle kulturell und wirtschaftlich zurück.

„Wir brauchen Politiker, die für etwas stehen!“ sagte der im oberfränkischen Burgkunstadt geborene Autor und nannte als positives Beispiel den ehemaligen DDR-Bürger und Bundespräsidenten-Kandidaten Joachim Gauck. Rückgrat zu zeigen, sei auch beim jüngsten Lebensmittelskandal um Dioxin in Tiernahrung angeraten, den Manager ohne Wertebewusstsein verursacht hätten. Dies müsse konsequent bestraft werden; es genüge nicht, stereotyp mehr Kontrollen zu fordern.

Als gelernter Schriftsetzer („ein Handwerk, das heute ausgestorben ist“) stellte Kirch einige Parallelen vom Journalismus zum Bäckerhandwerk fest. Im Tageszeitungsbereich finde wie im Backsektor ein Konzentrationswettbewerb statt, die Vielfalt kleiner Blätter und Bäckereien schwinde. Großverlage und Backfabriken, steigender Fernsehkonsum statt Lesestoff, Fastfood statt vieler alter Getreidesorten – das sei schade. „Verarmung durch Reichtum“ sieht er hier. Und gerade das Bäckerhandwerk habe die Geschichte der alten Reichsstadt Nürnberg über mehr als 700 Jahre mit bestimmt – eine Zahl von 700 Bäckereien im Jahr 1925 sei beeindruckend im Vergleich zu den heute noch gut 60. Dabei, so scherzte der Gastreferent, sei das Image der Bäcker (vor allem bei Politikern) doch viel besser als das der Journalisten …

Sogar die Überlebensstrategien von Zeitung und Bäckerei n ähneln sich nach Kirchs Ansicht: Hier neue Themen und Layouts, dort neue Snack- oder Frühstückskonzepte.

Nürnbergs Bäcker-Obermeister Manfred Kerschbaum lobte die Einsichten des Referenten und plädierte ebenfalls für ein sozialeres Gleichgewicht in Deutschland. So dürfe es keine Dumpinglöhne geben, mit denen Arbeitnehmer trotz täglicher Arbeit sich und ihre Familien nicht ernähren könnten.

Zum dritten Neujahrsempfang im „Bäckerhof“ konnte der Innungschef als Ehrengäste u. a. HWK-Geschäftsführer Wolfgang Uhl, Kreishandwerksmeister Achim Hanisch, Mittelfrankens Bäcker-Obmann Kurt Held (Ansbach), dessen Amtsvorgänger Wilhelm Gräf (Seukendorf), OM Gerhard Paul (Innung Mittelfranken-Süd) und Nürnbergs Ehren-OM Karl Pabst begrüßen.

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