Hessen
„Der Meisterbrief ist die Lizenz für Freiheit“
Ministerpräsident Koch bei der große Meisterfeier der Handwerkskammer Rhein-Main in der Frankfurter Paulskirche: 25 Bäcker mit von der Partie

Die Bäckermeister, die später stellvertretend für ihr Gewerk die Meisterbriefe überreicht bekamen. Von rechts der Vorsitzende der Meisterprüfungskommission Frank Härdtlein und Kommissionsmitglied Christoph Dielmann, links FBF-Schulleiter Michael Bodd
HWK-Präsident Bernd Ehinger begrüßte in der restlos gefüllten Paulskirche eine große Zahl von Ehrengästen und nahm die Proklamation der neuen Jungmeister vor, welche sich zu diesem feierlichen Akt von ihren Plätzen erhoben hatten. Später sagte er im Hinblick auf Lehrstellen, Fort- und Weiterbildung: „Wir können es uns nicht leisten, Talente brach liegen zu lassen. Das ist nicht nur ökonomisch unvernünftig, das gefährdet auch den Zusammenhalt unserer Gesellschaft.“
Den Meisterbrief bezeichnete der Präsident als „das Gütesiegel für Qualität.“ Und Qualität sei noch immer die schärfste Konkurrenz von Discountlösungen aller Art. Ehinger wies an anderer Stelle darauf hin, dass 30 Prozent der Ausbildungsplätze in der Bundesrepublik vom Handwerk gestellt werden. Im Bereich der HWK Rhein-Main habe eine Zunahme von neun Prozent zusätzlicher Lehrstellen erreicht werden können. Die Meister stünden für das, was das Handwerk auszeichne: Leistungskraft, Stärke und Zukunft. Gerade weil sich die Gesellschaft mehr und mehr von traditionellen Werten verabschiede, müsse über Werte gesprochen und diskutiert werden. „Ohne sie kann eine Gesellschaft nicht funktionieren.“ Es könne nicht früh genug damit begonnen werden, Werte zu vermitteln. Denn „das Handwerk ist die gesellschaftliche Mitte in unserem Land,“ rief Ehinger den Anwesenden zu.
Als positiv wertete er den uneingeschränkten Hochschulzugang für Handwerksmeister in Hessen, damit sei der Meisterbrief dem Abitur gleichgestellt. So habe die berufliche Bildung in Deutschland den gleichen Stellenwert wie die akademische Ausbildung.
Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth wies in ihrem Grußwort darauf hin, dass die EU den Meisterbrief als Spitzenqualifikation inzwischen anerkenne. „Damit findet unsere deutsche Handwerkstradition und die Art der Ausbildung bis hin zum Meister europaweit Anerkennung.“ Erfreut zeigte sie sich darüber, dass etwa 20 Prozent der erfolgreichen Meisterprüflinge Frauen sind.
Die Festrede hielt Hessens Ministerpräsident Roland Koch. Er vermied dabei jegliche Äußerungen, die kurz vor der Landtagswahl als Andeutung in Richtung Wahlkampf hätten gewertet werden müssen. Er würdigte die Geschlossenheit des Handwerks und rief die Zünfte und Gilden der früheren Jahrhunderte ins Gedächtnis, die seinerzeit die für sie wichtigen und nötigen Bedingungen selbst entwickelt und gepflegt hatten. Dabei waren und sind die Meister Fundament im Handwerk für Aufbau und Organisation. Außerdem einfach unersetzlich um Verantwortung zu stärken. Aus allen diesen Aspekten heraus sei eine derartige Meisterfeier zu begreifen, sie solle dazu dienen die Besonderheit, Meister geworden zu sein in Erinnerung zu behalten und auf diese Art und Weise Staat und Gesellschaft zu nützen. „Wir brauchen Sie,“ sagte Koch zu den jungen Meisterinnen und Meistern, denn es ermögliche diese Ausbildung auch, sich frei bewegen zu können. Egal ob als angestellter oder als selbstständiger Meister. „Der Meisterbrief ist die Lizenz für Freiheit,“ war sein Kommentar dazu mit späterer Ergänzung: „Der Meisterbrief ist der Türöffner für eine freie Gestaltung der Zukunft.“ Er fügte an, dass laut vorhandenen Unterlagen weniger als ein Fünftel der in die Selbstständigkeit gehenden Handwerksmeister wieder in der Insolvenz erscheinen, das sei eine gesunde Basis und Motivation. Der Besitz des Meisterbriefes sollte auf jeden Fall die Zugangsvoraussetzung zur Führung eines Betriebes bleiben. Egal ob per Neugründung oder Übernahme eines bereits vor Ort vorhandenen Betriebes, die Jungmeister könnten auf gute Voraussetzungen aus der Ausbildung aufbauen. Sie sollten daher den Mut haben die vorhandenen Chancen selbstbewusst zu ergreifen und an der Zukunft für die nächste Generation arbeiten, so Koch.
Im Gegensatz zum letzten Jahr war diesmal kein Bäckermeister unter den zehn Jahrgangsbesten. Stellvertretend für alle Bäckermeister, welche in 2007 ihre Prüfung erfolgreich bestanden hatten, wurde 25 Bäckern der Meisterbrief durch HWK-Präsident Bernd Ehinger und Roland Koch überreicht.
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