Sachsen
Motto: „Geselle ist, wer was kann“
Freisprechung der Bäckerinnung Dresden mit Licht und Schatten

Josefin Barufke und Konrad Pfützner wurden bei der Freisprechungsfeier als beste Lehrlinge des Abschlussjahrganges 2007 geehrt. Foto: Dreilich
Mit den Worten „Meister ist, wer was ersann. Geselle ist, wer was kann. Lehrling ist jedermann“ stimmte Obermeister Hans-Jürgen Matzker seine jungen Berufskollegen auf die Freisprechung ein. Wer glaubte, damit den Ausflug in die Handwerkstradition hinter sich zu haben, sah sich getäuscht, denn Hans-Jürgen Matzker legte nach. „Gottlob, dass ich ein Bäcker bin! Ich mein, ich bin’s in Ehren“ zitierte er ein Gedicht aus dem 18. Jahrhundert und leitete so zu den Besonderheiten des aus seiner Sicht wunderbarsten Berufes der Welt über.
„Die Zeiten, da wir Bäcker den Menschen ihr tägliches Brot buken und somit ihr Überleben sicherten, sind vorbei. Aufgabe unseres Handwerks ist es heute, mit individuell gefertigten Spitzenprodukten und besten Dienstleistungen am Markt zu bestehen. Satt machen können die Kunden auch andere Anbieter“, betonte der Obermeister.
Um in Produktion und Verkauf täglich das entscheidende Quäntchen mehr an Qualität erreichen zu können, dürfe keiner der jungen Gesellen sich zurücklehnen. Lebenslanges Lernen sei auch im Bäckerhandwerk unverzichtbar.
Unzufrieden zeigte der Obermeister sich angesichts der „durchwachsenen“ Ergebnisse bei den Gesellenprüfungen. Die Leistungen der Prüflinge hätten die gesamte Bandbreite von „ausgezeichnet“ bis „ungenügend“ abgedeckt. „Ich habe mich bei den praktischen Prüfungen umgeschaut und musste zu meinem Bedauern feststellen, dass dabei auch Backwaren abgeliefert wurden, die beim besten Willen nicht verkaufsfähig waren“, erinnerte sich Matzker.
„Das liegt daran, dass für einen Teil der jungen Leute der Spaß zuerst kommt“, klagte Matzker. „Im Gegensatz dazu drohen Eigenschaften wie Fleiß, Anstrengung, Leistungswille und Pünktlichkeit in Vergessenheit zu geraten.“
„Ich bitte Sie sehr, sich zu engagieren und zu qualifizieren, damit unser schönes Handwerk auch künftig Bestand hat und unsere Kunden auch in einigen Jahren noch beim Bäcker einkaufen können“, redete Matzker den einstigen Lehrlingen während der Übergabe ihrer Gesellenbriefe ins Gewissen.
Dass seine Ermahnungen zumindest bei einem Teil des Bäckernachwuchses auf fruchtbaren Boden gefallen waren, verdeutlichten die Leistungen der Besten, die während der Freisprechungsfeier geehrt wurden. Als beste Verkäuferin wurde Josefin Barufke ausgezeichnet, die ihren Beruf in der Bäckerei-Konditorei Andreas Franke erlernt hat. Auf Platz zwei landete mit ihren Leistungen Noch-Stollenmädchen Mandy Irmscher (Bäckerei und Café Eckert GmbH), auf dem dritten Platz Maria Krebs (Bäckerei Ronald Morenz).
Auch bei den Bäckern zeigte das vermeintlich schwache Geschlecht starke Leistungen: Susann Haag (Kronenbäckerei Rothe) und Nicole Mitschke (Ottendorfer Mühlenbäcker) landeten dort auf den Plätzen drei und zwei. Als bester Bäcker wurde Konrad Pfützner geehrt. Über dessen Erfolg freute sich Hans-Jürgen Matzker aus doppeltem Grund.
Zum einen wurde der junge Mann in seinem Betrieb ausgebildet, zum anderen sahen dessen Leistungen noch zu den Zwischenprüfungen wenig überragend aus.
„Aber Konrad Pfützner riss sich am sprichwörtlichen Riemen und startete durch“, lobte Matzker. „Er fragte um Rat, ließ sich etwas zeigen und schloss seine Lehre mit einem Durchschnitt von 1,3 ab.“
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