Sachsen
„Der besten Dinge Bestes bleibt das Brot“
Landesinnungsverband „Saxonia“ feierte 125-jähriges Jubiläum / Ministerpräsident Georg Milbradt würdigt das sächsischen Bäckerhandwerk

Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt ließ es sich nicht nehmen, die Geburtstagstorte zum 125-jährigen Bestehen des Landesverbandes „Saxonia“ selbst anzuschneiden.
Zu den zahlreichen Gratulanten aus Politik, Wirtschaft und Handwerk gehörte neben Sachsens Ministerpräsidenten Georg Milbradt auch Peter Becker als Präsident des Zentralverbandes des deutschen Bäckerhandwerks, der in seinen Grußworten an die Festversammlung besonders den „grandiosen Festabend“ lobte. „Ich habe lange Jahre keinen solchen gesellschaftlichen Höhepunkt im Handwerk erlebt und bin fest davon überzeugt, dass es nur wenige Verbände nicht nur im Bäckerhandwerk gibt, die wie der sächsische Landesverband des Bäckerhandwerks sowohl willens als auch organisatorisch und personell in der Lage sind, solch ein rauschendes Fest zu planen und vorzubereiten“, betonte er. „Auch dieses Jubiläumsfest ist beredter Ausdruck dafür, dass Sachsens Bäckermeister auch nach über 125 Jahren die Solidarität und den Gemeinschaftssinn pflegen und somit vereinte Stärke zeigen, wie es von den Gründungsvätern des Landesverbandes gewollt war.“ Doch vor dem feierlichen Akt in den Sälen trafen sich die Vertreter des sächsischen Bäckerhandwerks und ihre Gäste im Foyer des Congress Center Dresden zu einem zweistündigen „get together“.
Einigkeit macht stark
„Der besten Dinge Bestes bleibt das Brot“ – unter diesem Motto ging Landesobermeister Michael Wippler in seiner Begrüßungsrede nach dem feierlichen Einmarsch der traditionsreichen Fahnen der 27 Bäckerinnungen des sächsischen Bäckerhandwerks auf die Bedeutung des Brotes ein und verwies auf dessen untrennbare Verbindung mit dem Menschen. „Es gibt wohl keinen anderen Berufsstand, der sich so wie das Bäckerhandwerk mit einem einzigen Produkt – dem Brot – identifiziert. Brot gilt nach wie vor als Synonym für Leben und Lebensmittel, und selbst in der heutigen Gesellschaft ist die besondere Aura um das Brot noch immer zu spüren.“
Der Verband stehe für eine nunmehr 125-jährige moderne Interessenvertretung für das über 1000-jährige Bäckerhandwerk in der Gewissheit, dass nur Einigkeit stark macht und dass es nur gemeinsam gelingen kann, die anstehenden Aufgaben zu meistern. Vor allem dieser Stärke des geeinten Handwerks müsse man sich angesichts der neuen Herausforderungen stärker bewusst werden, appellierte der Redner an die Festversammlung und forderte von der Politik, „mehr Freiheit nicht nur in Zeiten von Wahlkämpfen zu wagen. Heute ist es für den Inhaber eines Kleinbetriebes nicht mehr möglich, alle für ihn geltenden Gesetze zu kennen, geschweige denn einzuhalten, denn er wäre damit 24 Stunden am Tag beschäftigt.“
Nachdenkliche Töne schlug LOM Wippler auch mit Blick auf die eigene Organisationsstruktur an, denn während es vor 100 Jahren rund 10.0000 Bäckereien in Sachsen gegeben hatte, besteht heute nur noch ein Zehntel dieser handwerklichen Betriebe – bei kaum geänderten Strukturen. „Da müssen wir uns schon fragen, ob wir als Interessenvertretung für den Berufsstand so aufgestellt sind, dass wir die vor uns stehenden Aufgaben gemeinsam lösen können. Vielmehr sollten die auf dem Tisch liegenden Vorschläge ohne Vorbehalte offen diskutiert und dabei die Erfahrungen der Alten mit dem Elan der Jungen verknüpft werden.“ Nur auf diesem Wege könne das sächsische Bäckerhandwerk die Kollegen in ihrer Arbeit am besten unterstützen und so gemeinsam dafür sorgen, dass es auch künftig gemäß dem Leitbild des deutschen Bäckerhandwerks für Handwerk, Heimat und Herzlichkeit stehen kann.
Die Einheit mit gestaltet
Ministerpräsident Georg Milbradt bezeichnete Sachsen in seiner Festrede als „Backstube Deutschlands mit über 300 Brotsorten und rund 1200 Sorten Kleingebäck“ und dankte ausdrücklich dem sächsischen Bäckerhandwerk für seinen Beitrag bei der Gestaltung der deutschen Einheit seit 1990. Er ging ausführlich auf die demografische Entwicklung und die Sicherung eines leistungsstarken Berufsnachwuchses durch das duale Ausbildungssystem sowie auf die Gefahren und auch Chancen durch die Veränderungen am Markt ein. „Mit Qualität, Frische und Freundlichkeit haben die Bäckermeister Trümpfe in der Hand, mit denen den Verbrauchern spezielle Angebote unterbreitet werden – denn das Wichtigste ist stets der zufriedene Kunde, denn er bringt das Geld in die Ladenkasse“, unterstrich der Redner.
Besonders ging Ministerpräsident Milbradt auf den Freistaat Sachsen als Land des Mittelstandes ein, in dem 99,9 Prozent der Unternehmen vornehmlich Handwerksbetriebe sind, die unter anderem 80 Prozent der Ausbildungsplätze stellen und drei Viertel der Umsätze tätigen. „Unsere heutigen blühenden Landschaften sind das Ergebnis unserer gemeinsamen Anstrengungen und vor allem der des Mittelstandes – er ist enorm wichtig für eine Gesellschaft, die auf ihre Bürger achtet, denn wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung sind eng miteinander verzahnt.“ Abschließend äußerte der Landesvater den „etwas egoistischen Wunsch“, dass es dem Mittelstand insgesamt und dem Bäckerhandwerk insbesondere stets gut gehen mögen „denn dann habe ich als Ministerpräsident ein paar Sorgen weniger“.
Innovativ und kooperativ
Der Präsident des Zentralverbandes des deutschen Bäckerhandwerks Peter Becker würdigte in seinem Grußwort den sächsischen Landesverband als einen „stets innovativen und kooperativen Verband, der der Tradition verpflichtet ist und Neuem zugleich aufgeschlossen gegenüber steht.“ Deshalb finde er die Diskussion um eine Landesinnung überaus interessant, bei der jedoch die Fläche nicht vernachlässigt und der einzelne Betrieb nicht vergessen werden dürfe. „Dennoch kommen wir mit Blick auf die Entwicklung nicht umhin, unsere Organisationsstrukturen im Handwerk so auszurichten, dass die Betriebe den größten Nutzen erhalten.“
Hart kritisierte er die politische (Über-)Regulierungswut aus Brüssel und Berlin, die mit unsinnigen Regelungen wider dem gesunden Menschenverstand die Meister und die Meisterfrauen unnötig belasten. Auch aus diesem Grunde würden immer weniger junge Leute den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. „Es müssen endlich solche Festlegungen her, die abseits vom Blick auf populistische Bürgermeinungen und bevorstehende Wahlkämpfe zu solchen Veränderungen führen, die einer vernünftigen Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft dienen, denn auch im Bäckerhandwerk dreht sich nicht alles ‚nur’ um das Lebensmittel Brot und die Nahrungsaufnahme schlechthin, sondern wir Bäcker vermitteln und bewahren auch ein Stück Backkultur. Deshalb ist es heute wie vor 125 Jahren das Ziel, für unsere gemeinsamen Interessen die Geschlossenheit zu bewahren, denn nur Einigkeit macht stark.“
Als Präsident des Sächsischen Handwerkstages hob Joachim Dirschka in seinem Grußwort die außergewöhnlichen Marketing-Aktivitäten des Landesinnungsverbandes hervor, mit denen den Kunden beispielsweise bei den „Bäcker-Glücks-Wochen“ die Vorzüge der Produkte aus der handwerklichen Backstube immer wieder bewusst gemacht werden. „Und natürlich bin ich sehr froh darüber, dass sich die Bäcker stets erfolgreich in die Arbeit des sächsischen Handwerkstages eingebracht haben.“
Mitgliederversammlung
Bereits am Vortag hatte im großen Saal des Congress Center Dresden der Festabend mit über 700 Gästen sowie zuvor die Jahresmitgliederversammlung 2007 des Landesinnungsverbandes „Saxonia“ stattgefunden. Dabei wurden mit der Bestätigung des Geschäftsberichtes, des Finanzberichtes und des Berichtes der Kassenprüfer sowie der Entlastung des Vorstandes das Geschäftsjahr 2006 abgeschlossen und der Finanzplan für 2007 bestätigt. Die aus dem Ehrenamt ausgeschiedenen langjährigen Obermeister Bernd Müller (Bäckerinnung Sächsische Schweiz) und Dieter Schmidt (Bäcker-Innung „Germania“ Plauen) wurden auf Antrag ihrer Innungen zu „Ehrenobermeistern“ des Landesinnungsverbandes ernannt.
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