Baden & Württemberg
„Kornkraft statt Kernkraft“?
Versammlung der Bäckerinnung Alb-Neckar-Fils mit den Kernthemen Getreidepreise und Getreidenutzung

Dr. Clemens Dirscherl, Ratsbeauftragter der Evangelischen Kirche für Agrarfragen, befasste sich mit der thermischen Nutzung von Getreide.
Zunächst konnte Obermeister Johannes Schultheiß für die Branche Entspannung vermelden. Die Bäko hätte bis September ein Umsatzplus von 1,1 Prozent Zuwachs zu verzeichnen. Das sei ein untrügliches Zeichen dafür, dass es auch mit dem Bäckerhandwerk wieder aufwärts geht, auch wenn die Verbraucherstimmung laut Konjunkturinterpreten „stabil pessimistisch“ sei. Ob die Novellierung des Ladenschlussgesetzes daran etwas ändert, bleibt abzuwarten. Maßgabe sei eine verbrauerfreundliche Lösung. In Baden-Württemberg liege diesbezüglich ein 33-seitiger Entwurf vor. Man sei hier weiter am Ball, um zu verhindern, dass bei der Liberalisierung des Ladenschlussgesetzes das Handwerk ganz unter die Räder kommt. Erfolgreiche Lobbyarbeit habe die Handwerksorganisation ja schon in Sachen Lizensgebühren für Serviceverpackungen betrieben. Hier konnten der Branche über 40 Millionen Euro erspart werden. Leider sei das Thema jetzt schon wieder auf der Tagesordnung. Im Zusammenhang mit der Zimtdiskussion betonte Schultheiß, dass die erhöhten Cumaringehalte zwar ernst zu nehmen seien, dass aber wieder viel Stimmungsmache mitschwinge. „Vielleicht können wir das Problem dadurch lösen, dass wir Zimtsterne so teuer anbieten, dass kein Erwachsener mehr als 15 pro Tag ist“, so sein ironischer Rat.
Zur Situation am Getreidemarkt sei jetzt schon festzustellen, dass er enger werde. In Baden-Württemberg sei dieses Jahr die Erntemenge und die Qualität höher als im vergangenen Jahr. Trotzdem müsse man mit 20- bis 30-prozentigen Preissteigerung rechnen. Hier komme sicher die zusätzliche Nutzung von Getreide für Bioethanol ins Spiel. Ab dem Jahr 2010 sei sogar damit zu rechnen, dass ein Drittel der Getreideernte auf diesem Weg verwertet werde. Hinzu kommt, dass die thermische Nutzung von Getreide deshalb verstärkt zur Debatte stehe, weil die fossilen Brennstoffe langsam zur Neige gehen. Dr. Clemens Dirscherl, Agrarbeauftragter der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD), erwog auf der Versammlung in Denkendorf – ohne sich festlegen zu wollen – das Für und Wider, beleuchtete die Diskussion zwischen „Kornkraft statt Kernkraft“ und „Heizen mit Weizen“. Nachwachsende Rohstoffe würden durch den zunehmenden Energiehunger und durch das Abnehmen der fossilen Brennstoffe immer interessanter. Zumal auch die Verbrennung von Getreide CO2-neutral ablaufe und das vor dem Hintergrund, dass 2,5 kg Getreide 1 Liter Heizöl ersetzen können. Dagegen stehe, dass das Verbrennen des Rohstoffs für „unser täglich´ Brot“ einen Tabubruch darstelle und die Energiebilanz beim Verbrennen von Weizen nicht gut sei. Zur ethischen (Be-)Wertung gehöre auf jeden Fall, auch Alternativen zur thermischen Nutzung von Getreide zu erwägen.
Abschließend appellierte Josef A. Hartmayer, Betriebsberater des LIV Württemberg, an die Kollegen, die Preissituation zu prüfen und darauf zu achten, dass vor Ort verzehrte Produkte (wie z.B. Snacks), Handelswaren und die meisten Getränke ab nächstem Jahr mit 19 Prozent Mehrwertsteuer zu kalkulieren seien. Bei einem 20-prozentigen Umsatzanteil dieser Produkte könne der Umsatz durch die Mehrwertsteuererhöhung um bis zu 10.000 Euro jährlich (Betrieb mit 2 Mio. Umsatz) geschmälert werden. Hier sei es nötig, die Preise noch vor dem Jahreswechsel um 5 Prozent zu erhöhen, um die drohenden Einbußen zu kompensieren, so Hartmayer.
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