Bayern
„Lassen Betriebe nicht ins Messer laufen“
Stadt Erlangen bietet Bäckern Beratungsstunden zu Zertifizierung, Hygiene etc.

Erlangen setzt auf Partnerschaft: Thomas Zwiener, OM Jochen Meyer, Gerd Lohwasser und OM Hans Tschernich (von links).Foto: Buchmann
In Erlangen greifen die kommunale Lebensmittelüberwachung und die Verbraucherberatung den Handwerkern unter die Arme: Als erste Stadt Deutschlands bietet man eigene Beratungsstunden für lebensmittelverarbeitende Betriebe an.
Jeden Dienstag von 8 bis 12 Uhr können sich Bäcker, Fleischer und Gastronomen am Schalter 1 der Bürgerberatung im Erdgeschoss des Rathauses Tipps holen – etwa wie bei einem Neubau die Produktion gestaltet werden muss, um reine und unreine Bereiche zu trennen.
Was beachtet werden muss, um eine Zertifizierung zu erhalten, die viele Großverbraucher wie die Universität Erlangen oder Siemens von ihren Lieferanten verlangen. Oder welche Angaben in Folge des VIG künftig auf einer Speisekarte stehen müssen – eine Frage, die nicht nur Gastronomen, sondern auch viele Imbissanbieter interessieren muss. „Wir lassen unsere Betriebe nicht ins Messer laufen“, betonte Bürgermeister Gerd Lohwasser, der kürzlich den Obermeister der Bäckerinnung Erlangen, Jochen Meyer, und seinen Metzger-Kollegen Hans Tschernich im Rathaus über die ersten Erfolge der Aktion informierte.
Von den über 2000 betroffenen Betrieben im Stadtgebiet (Produzierende, Filialen, Gaststätten etc.) nutzten bereits mehr als 50 das neue Angebot – darunter viele Bäcker und Metzger. Der Bedarf ist fraglos da.
„In jedem zweiten Geschäft passieren Fehler“, berichtete Verbraucherberater Thomas Zwiener. Der Chef der vierköpfigen Lebensmittelüberwachung sieht die Beratung – eine Dienstleistung im Sinne der „bürgerfreundlichen Stadt“ – ganz eigennützig: „Wir wollen uns damit die Arbeit erleichtern. Fordern Sie uns ruhig dabei!“ Denn statt einer „Strafmentalität“ setze man auf ein partnerschaftliches Verhältnis, um Sanktionen möglichst zu vermeiden: „Wir mahnen und weisen den Weg.“ Jedem müsse klar sein: „Ohne Hygiene keine Qualität.“
Der gelernte Bäckermeister freut sich, wie vorbildlich die Innungsbetriebe in Erlangen heute arbeiten – was die Beanstandungen angeht, liege man im Bundesvergleich am Ende der Skala. Und das, obwohl die „Becken“ einst eher „Sorgenkinder waren“.
Das hat sich geändert: Die letzte Betriebsschließung wegen Hygienemängeln in der Stadt wurde vor über zehn Jahren verfügt. Betriebe, die heute ohne Beanstandungen kontrolliert werden, können übrigens den Kontrollbericht der Lebensmittelüberwacher erhalten und als Referenz gegenüber Kunden nutzen.
Zwiener, nebenbei auch Dozent an
der Landesakademie für das Gesundheitswesen, lobte im Gespräch mit dem Obermeister die tolle Vielfalt,
die die heimischen Bäcker – in der Stadt gibt es laut Zwiener leider nur noch sieben selbstbackende (1972: 27), aber immerhin 60 Filialbetriebe – bieten.
Meyer dankte der Lebensmittelüberwachung für die gute Zusammenarbeit und die Informationen, die sie den Betrieben – ob bei den Innungsversammlungen oder in der individuellen Beratung – zukommen lässt. Das erspare den Erlanger Bäckern viel mühsame Gesetzeslektüre, die nur von der eigentlichen Arbeit abhalte.
Weitere Informationen:
Thomas Zwiener steht für Fragen auch außerhalb des Dienstags-Service unter Telefon (09131) 86 25 19 bereit.
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