Delegiertentagung des Bäckerinnungsverbands

„Weitere Fusionen sind nicht in Sicht“

LIM Rathjen zur Strukturreform in Schleswig-Holstein / Positive Entwicklungen / Bernd Kütscher spricht über Chancen des Handwerks


Hohwacht (dho). „Die positive Unternehmensentwicklung schlägt sich auch bei den Bäckereien in Schleswig-Holstein nieder“, berichtete Landesinnungsmeister Holger Rathjen auf der diesjährigen Verbandstagung in Hohwacht an der Ostsee. Allerdings: „Wir müssen vier Jahre Substanzverlust aufholen. Das ist nur erreichbar, wenn wir auf unserem Weg bleiben: Traditionelles Handwerk.“

Der Umsatz der Innungsbetriebe in Schleswig-Holstein sei im vergangenen Jahr um 1,1 Prozent gestiegen, berichtete Landesinnungsmeister Holger Rathjen. Pro Betrieb waren es 2,1 Prozent. Denn der Rückgang der Betriebe hat sich fortgesetzt: In Schleswig-Holstein sind es noch 292 Innungsbäckerei, 4,3 Prozent weniger als im Jahr davor.

Die Anzahl der Innungen ist seit den jüngsten Fusionen Ende letzten Jahres von zehn auf sieben geschrumpft. „Sieben Innungen werden es in absehbarer Zeit wohl bleiben. Weitere Fusionen sind nicht in Sicht“, berichtete Holger Rathjen.

Die Anzahl der Auszubildenden entwickelt sich weiterhin positiv, das ging aus dem Bericht von Landeslehrlingswart Martin Martensen hervor: Von 2005 zu 2006 ist die Anzahl der angehenden Bäcker von 637 auf 656 gestiegen. Das sind 2,2 Prozent Zuwachs. Bei den Verkäuferinnen betrug dieser sogar 11,7 Prozent. Das sind 1073 Auszubildende im Jahr 2005 im Vergleich zu 961 im Jahr zuvor.

Enttäuscht zeigte sich Martin Martensen jedoch von den Leistungen der Teilnehmer auf dem Landesleistungswettbewerb. Nur bei den Verkäuferinnen gab es eine Landessiegerin (Bewertungsnote „gut“): Franziska Pensi Singharivat, die beim Bundeswettbewerb Platz vier erreichte.

Der „Wettbewerb über die Grenzen“, bei dem die dänischen Teams im letzten Jahr in allen Disziplinen gewonnen hatten, findet dieses Jahr nicht statt. „Wir hatten im Land nicht den Rückhalt, den wir uns gewünscht hätten“, bedauerte Martin Martensen. Bei den deutschen Jugendlichen bemängelte er in erster Linie Motivationsprobleme. „Für die Dänen ist es eine Ehre, an diesem Wettstreit teilzunehmen. Sie trainieren schon ab Februar dafür.“ Für die Deutschen sei die Teilnahme scheinbar ein „Muss“.

Mit Spannung erwartet worden sei der Vortrag von Bernd Kütscher, sagte Holger Rathjen zur Begrüßung des neuen Direktors der Bundesfachschule des Deutschen Bäckerhandwerks in Weinheim. „Wir befinden uns in einer Zeit der Überschleunigung“, stellte Bernd Kütscher in seinem Vortrag fest. Das Thema war „Bildung – die (einzige) Chance unseres Handwerks“. Die Knappheiten unserer Zeit seien Zeit, Aufmerksamkeit und Ruhe. Darin läge die Zukunftschance des Backhandwerks. Weitere Chancen sieht Bernd Kütscher zum Beispiel in Regionalität, Home Delivery (Bring-Service), Einfachheit durch eine kleinere Produktpalette, Food to go, Qualität, Frische, Tradition, Verkauf („nicht nur bedienen“), Ernährungswissen und Marketing („sich stärker positionieren“, „anders als die anderen sein“).

„Mitglieder sollen zu angemessenen Preisen Fortbildungsangebote bekommen“, das sei sein Ziel als Direktor der neu eingerichteten „Akademie Deutsches Bäckerhandwerk“, die die Ausbildungs- und Fortbildungseinrichtungen des Backhandwerks in Deutschland vereint.

Ein Thema des Berichts des Landesinnungsmeisters war die Reform der Handwerksorganisationen. Vehement plädierte Holger Rathjen dafür, die Pflichtmitgliedschaft bei den Kreishandwerkerschaften abzuschaffen.

Verstärken will der Verband die Öffentlichkeitsarbeit. Zum Beispiel forderte Holger Rathjen die Teilnehmer auf, sich von Mitte August bis September an einer Werbekampagne zu beteiligen.

Brötchentüten sollen bedruckt werden mit dem Slogan: „Kaufen Sie Ihre Brötchen da, wo Ihre Kinder einen Ausbildungsplatz finden.“ Diese Aktion sei in anderen Teilen Deutschlands schon gut gelaufen, berichtete er. Für Ende Mai stehe die von langer Hand vorbereitete Gründung der SBG-Service- und Beratungsgesellschaft an. Eine Kooperation der Bäckervereinigung Nord e. V. mit dem Bäckerinnungs-Verband Niedersachsen/Bremen. Schwerpunkt-Leistungen der Beratungsgesellschaft sollen sein: Recht, BWL, Marketing, Weiterbildung und (weitere) Rahmenverträge.


Artikel vom 24.05.2006
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