Hessen

Mit Blick auf eine künftige Landesinnung

Delegiertentagung des Bäckerinnungsverbands Hessen: Schwindende Mitgliedsbeiträge und zunehmende Kosten der Betriebe diskutiert


Michelstadt (wo). „Wir brauchen ein klares Ziel.“ Was Landesinnungsmeister Klaus Hottum in Bezug auf die Berufsorganisation darunter versteht, hat er auf der Delegiertentagung des Bäckerinnungsverbands Hessen in Michelbach deutlich gemacht: Die Landesinnung. Innungsfusionen seien zwar ein probates Mittel, erforderliche Strukturreform voranzutreiben, aber vor dem Hintergrund des anhaltenden Abschmelzungsprozesses und schwindender Mitgliedsbeiträge nicht ausreichend, um in Zukunft bessere und billigere Interessenvertretung und Dienstleistungen bieten zu können.

In einer kontroversen Diskussion, vor allem um die Aufgabenteilung und die Streuverluste zwischen Innung, Kreishandwerkerschaft und die Handwerkskammer, einigte man sich darauf, dieses Thema auf der Obermeistertagung im Herbst konkret weiter zu verfolgen.

Dass dies durchaus sinnvoll sein kann, machte Verbandsgeschäftsführer Stefan Körber in seinem Geschäftsbericht deutlich. Zwar können man durch diverse Sparmaßnahmen die Einbußen bei den Mitgliedsbeiträgen (2005: Rückgang von 50 auf 840 Mitgliedsbetriebe) um 16.000 Euro auffangen. Aber es sei abzusehen, dass durch Zusammenschlüsse (Kappungsgrenze), weiter sinkende Lohnsummen (Sparen bei Personalkosten) und einem weiteren Rückgang der Zahl der Betriebe die Schmerzgrenze bald erreicht sei.

Markt lässt Preisanpassung zu

Erfreulich sei hingegen die Tatsache, dass der Markt momentan wieder eine Preisanpassung hergebe, betonte LIM Hottum. Preiserhöhungen von 3 bis 5 Prozent seien aber auch nötig, um die steigenden Energie-und Verwaltungskosten und Gebühren andeutungsweise zu kompensieren. „Ansonsten kann ich den Betrieben nur empfehlen: Kostenkontrolle, Kostenkontrolle, Kostenkontrolle...“, appelliert Hottum an die Kollegen, am Ball zu bleiben. Wobei der „Ballkontakt“ durchaus auch Kosten nach sich ziehen kann. Die Fußball-Weltmeisterschaft sei erstmal als Kostenfaktor zu sehen. Je nach Standort sei man gezwungen, die Öffnungszeiten auszuweiten, was nicht automatisch mehr Umsatz bedeute, so Hottum. Mit Vorsicht seien in dem Zusammenhang auch die von der FIFA geschützten Begriffe zu genießen. So dürfe zum Beispiel Weltmeisterschaft nicht verkaufsfördernd verwendet werden, führte Körber aus. Zwischenzeitliche liefen 900 Abmahnverfahren, die einen Betrieb jeweils bis zu 800 Euro kosten können.

Auch in der Tarifdebatte geht es um die Kosten. Der Lohn-und Gehaltstarifvertrag wurde von der NGG 2004 gekündigt. Man stehe zwar in Verhandlung, aber komme sich aber irgend wie nicht näher. Bei einem Lohnkostenanteil von meist über 40 Prozent könne man hier auch keine großen Zugeständnisse machen, betonte Hottum.

„Die Betriebe können nicht mehr belastet werden“, bestätigte Körber, der den Vorschlag des Verbandes präsentierte: Eine Lohnerhöhung könne teilweise durch den Verzicht auf Urlaubstage kompensiert werden.

Eigenkontrollen dokumentieren

Bezüglich der EU-Lebensmittel-Verordnung gebe es eigentlich nichts neues. Ziel sei hier die einheitliche Regelung, wobei die branchenspezifischen Leitlinien erhalten bleiben. Beim geforderten Hygienemanagementsystem müsse der Aufwand entsprechend der Größe des Betriebes angemessen sein. Und bezüglich der geforderten Dokumentation der betriebseigenen Maßnahmen und Kontrollen entwickle der Verband ein Muster, das jeder Betrieb noch mit relativ wenig Aufwand an seine Gegebenheiten anpassen könne, stellte Körber in Aussicht.

Ganz ungemütlich könne es in Sachen Lebensmittelkontrolle werden. Laut einer EU-Verordnung können die Landkreise beim Einsatz der Lebensmittelkontrolleure Kostenbeiträge erheben (siehe auch Bericht auf Seite 1).

Sei dies der Fall, sei es wichtig, vor Ort den Kontakt mit den entsprechenden Stellen zu suchen, um schlimmeres zu verhindern. Schließlich sei es doch immer noch so, dass die Überwachung durch Steuergelder finanziert werde.

Auf hessen bäcker setzen

Im Anschluss präsentierte Sandra Becht, Landesbeauftragte für Öffentlichkeitsarbeit, die imagefördernden und werbewirksamen Aktionen im Zeichen des Qualitätssiegels hessen bäcker. So sei man alle Jahre wieder auf dem Weihnachtsmarkt des Hessischen Rundfunks präsent und stoße auf sehr gute Resonanz. Auch der diesjährige Hessentag biete wieder die Möglichkeit, Werbung in eigener Sache zu machen (26. Mai bis 4. Juni). Organisiert wird die Bäckeraktion dieses Mal von der Innung Werra-Meißner in Hessisch Lichtenau. Am 27 April stehe der Girls Day an (Anmeldung per Fax an den Verband) und am 29. September 2006 der Tag des Deutschen Butterbrotes.

Im September und Oktober sei eine besondere hessen bäcker-Aktion vorgesehen, betone Sandra Becht. Jeder Teilnehmer könne ein eigenes hessen-bäcker-Brot entwickeln, bei dessen Verkauf 50 Prozent des Erlöses an die Deutsche Kinderkrebshilfe gespendet werde. Man könne davon ausgehen, dass man so die lokale, regionale und überregionale Presse mit ins Boot bekomme. Für die Aktion in den Läden werden Werbeplakate, Brotmarken, Flyer und eine Spendenbox zur Verfügung gestellt.

Abschließend skizzierte Wolfgang Schäfer, Obermeister der neu gebildeten Bäckerinnung Untermain, eine Umfrage bei jungen Betriebsinhabern. Dabei kam heraus, was sie denn von der Innung erwarteten. Fazit: Sie erwarten Diensleistungen, wie Hilfe bei Bankgesprächen, technische, betriebswirtschaftliche und rechtliche Beratung und Unterstützung in Sachen Ausbildung. Wenig Wert werde auf die gesellschaftlichen Ereignisse und die Regularien der Innungen gelegt.

Die Bedürfnisse haben sich verändert. Dem müsse auch mit einer neuen Organisationsstruktur Rechnung getragen werden. In diesem Sinne ist man mit der Diskussion um die Landesinnung auf dem richtigen Weg.

(Ein Bericht über die Mitgliederverssammlung des Förderrings folgt).


Artikel vom 23.03.2006
Drucken 

Weitere Nachrichten aus Regional vom 23.03.2006:

Der Beck ist Frankens Bäcker des Jahres
Der Konflikt als Chance nutzen
Seminar für Fachvereine
Innovationspreis für dr’ Wacholder-Wecka
Mann der Tat ausgezeichnet
Konzertierte Aktion in Sachen Ernährung
Erfolgreiches Sangesjahr
Gemeinsam gute Leistungen bringen
Begeisterung beim Lehrlingswettbewerb
Vorstand bleibt im Amt

Kommentare

Aktuelle Meldungen aus Regional


Abonnenten Bereich



Hilfe




Rezept der Woche

Tomaten-Brötchen
Rezept der Woche Gebäck mit Haferkleie und getrockneten Tomaten mehr ...




ABZ Newsletter

Nutzen Sie als Abonnent kostenlos unseren wöchentlichen Informationsdienst per E-Mail.

Jetzt anmelden!