Bayern

„Bleibt nicht auf halbem Weg stehen“

Fachlehrer Dieter Witzel auf der Freisprechung der Innung Marktredwitz-Wunsiedel


Bad Alexandersbad (hhg). „Wenn Menschen, vor allem so junge Menschen wie Sie, im Leben Erfolg haben, ist das wahrlich ein Grund zur Freude und ein Anlass zum Feiern“, sagte der Vorsitzende der Bäckerinnung Marktredwitz-Wunsiedel, Karl Küspert, bei der Freisprechungsfeier. Er wünschte den Absolventen alles Gute und besonders den notwendigen Ehrgeiz, weiter an sich zu arbeiten, „denn Auszubildender ist man nur kurze Zeit, Weiterzubildender ein Leben lang.“

Stellvertretender Obermeister Volker Prell betonte, dass die Freizusprechenden in ihrer Ausbildungszeit Höhen und Tiefen, Frust und Freude erlebt hätten. Es gehöre einfach dazu, sich in der Ausbildung mit Erfolg und Misserfolg auseinanderzusetzen und nicht gleich das Handtuch zu werfen. „Ihr könnt stolz darauf sein, dass Ihr diese drei Jahre mit Erfolg beendet.“

Oberstudiendirektor Ottmar Donnert, Leiter der Berufsschule Marktredwitz-Wunsiedel, gratulierte zur bestandenen Prüfung und sprach ein zentrales Problem der Region an. „Die Auswirkungen der momentanen wirtschaftlichen Situation auf Ausbildungs- und Arbeitsplätze unserer Region spüren wir alle – auch die Staatliche Berufsschule Marktredwitz-Wunsiedel spürt dies in sofern, dass wir Fachklassen, die wir bisher an unserer Schule unterrichtet haben, künftig nicht mehr beschulen dürfen.“ Mit dem abgelaufenen Schuljahr würden keine neuen Bäckerfachklassen an dieser Schule beschult. Im nächsten Schuljahr werde man letztmals eine 12. Bäckerfachklasse haben. „Dann haben wir diesen Ausbildungsberuf aufgrund zu geringer Ausbildungszahlen endgültig für unsere Schule, für unsere Region verloren“, bedauerte Donnert.

Kreishandwerksmeister Gerhard Scharf machte deutlich, dass für die jungen Leute nun ein neuer Lebensabschnitt beginne. „Er unterscheidet sich hauptsächlich dadurch, dass Ihr nun die Verantwortung für euere Zukunft selber übernehmen müsst.“ Scharf bat die Absolventen, sich rechtzeitig den Herausforderungen zu stellen. „Seid wissbegierig und strebsam, denn nur so werdet Ihr begehrte und erfolgreiche Fachleute.“

Fachlehrer Dieter Wietzel forderte die Freizusprechenden auf, alle Möglichkeiten zur Fort- und Weiterbildung zu nutzen. „Seid, so weit es irgend wie möglich ist, flexibel, und vor allem, bleibt nicht auf halben Wege stehen, wenn Ihr die Möglichkeit habt, den Weg zu Ende zu gehen.“ Möglichkeiten gebe es für Leistungswillige noch genügend: Meisterkurs, Verkaufsleiterinnenlehrgang, Backstubenleiter, Betriebswirt des Handwerks, Lebensmitteltechniker und Selbstständigkeit.

„Natürlich mache ich mir als Landrat Sorgen, dass insbesondere die berufliche Zukunft in allen Ernährungsberufen in unserem Landkreis nicht die allerbesten sind – allein dadurch, dass wir leider einen deutlichen Bevölkerungsrückgang zu verzeichnen haben“, merkte Landrat Dr. Peter Seißer an. „Wir können nur hoffen, dass wir den Boden der Talsohle erreicht haben und es einigermaßen stabile Verhältnisse gibt.“ Man würde auch in Zukunft gerne die Bäcker und Bäckereifachverkäuferinnen weiter im Landkreis beschulen, wenn die entsprechenden Arbeitsverhältnisse zusammenkommen würden. Der Landrat bat die Betriebe, entsprechend auszubilden. Für die Prüfungsbeste – Christiane Groschwitz, Notendurchschnitt 1,9 – hatte Dr. Seißer einen Buchpreis mitgebracht.

Der Vertreter der Stadt Marktredwitz, Stadtrat Friedrich Müller, sprach seine Glückwünsche zum Abschluss der Lehrzeit aus. „Ich möchte Ihnen Mut zu sprechen zu Ihrer Entscheidung, Bäcker oder Bäckereifachverkäuferin zu werden.“ Er denke, dass die Absolventen richtig gewählt hätten. „Es liegt an Ihnen, das entsprechende daraus zu machen, Qualität und Kreativität ist gefordert.“

Die Absolventinnen Martina Patz und Simone Michl blickten auf die dreijährige Berufsschulzeit zurück. Alle hätten im ersten Anlauf die Abschlussprüfung mit Erfolg bestanden. „Das macht uns sehr stolz.“

Folgende Bäckereifachverkäuferinnen wurden von der Lehrzeit freigesprochen: Christiane Groschwitz, Bäckerei Rebhan, Wunsiedel; Melanie Hertel, Bäckerei Küspert, Selb; Eva-Maria Jehn und Britta Voß, beide Bäckerei Kuhn, Marktleuthen, sowie Sabrina Dogan, Simone Michl und Martina Patz, alle Bäckerei Kutzer, Konnersreuth.

Folgende Bäcker bekamen den Gesellenbrief: Peter Matthes, Dürnbergbäckerei Oetztürk Celal, Marktredwitz; Antonio Enriquez, Bäckerei Bauernfeind, Selb; Jan Fleißner, Bäckerei Kuhn, Marktleuthen; Dominik Reinhardt, Bäckerei-Konditorei Küspert, Röslau; Tanja Schmidt, Bäckerei Gollner, Arzberg; Michael Scupin, Bäckerei Popp, Selb; Patrick Simon, Bäckerei Benker, Selb; Dieter Zent, Bäckerei Schobert, Marktleuthen, und Susann Vogt, Prüfungsbeste bei den Bäckern mit einem Notendurchschnitt von 2,0, Bäckerei Benker, Kirchenlamitz.


Artikel vom 25.08.2005
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