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Wo Bio drin ist, kommt Bio raus

Salate: Zum Mitnehmen oder für den Verzehr im Café. (Quelle: Heck)+
Salate: Zum Mitnehmen oder für den Verzehr im Café. (Quelle: Heck)

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Die Bäckerei Meffert hat aktuelle Bewegungen wie Regionalität bereits vor Jahrzehnten aufgenommen

Von Rainer Heck

Wir sind buchstäblich aus dem grauen Umfeld ins Rampenlicht getreten“, beschreibt Jörg Meffert (56) den eindrucksvollsten Aspekt des Betriebs-Umzugs.

Gemeinsam mit seinem Bruder Alfred (51) leitet er die alteingesessene Bäckerei Meffert im nordrhein-westfälischen Lemgo, deren Wurzeln bis in das 18. Jahrhundert zurückreichen.

Die beiden Urenkel des Gründers haben den Meistertitel im Bäckerhandwerk und den Gesellenbrief als Konditoren. Die Leitung der Bäckerei übernahmen sie 1996/97. Seit den 1960er-Jahren setzt die Familie auf Vollkorn-Bäckerei, im Neubau stehen die eigenen Mühlen in unmittelbarer Nähe zur Backstube. Seit 1998 gilt die Bäckerei Meffert als biozertifizierter Betrieb, dazu als Gründungsmitglied des Vereins „Die Bäcker – Zeit für Geschmack“.

Platzreserven für

kommende Erweiterungen

Da die bisherige Produktionsstätte in der Innenstadt mit den Jahren deutlich zu klein geworden war, entschlossen sich die Brüder, mit einem neuen Back- und Caféhaus „auf die grüne Wiese“ zu gehen.

In unmittelbarer Nähe zur viel befahren Westfalenstraße zwischen Autobahn und der alten Hansestadt Lemgo stand ein Grundstück zum Kauf, das nicht alle Anforderungen an einen modernen Lebensmittelbetrieb erfüllt, sondern auch noch Platzreserven für mögliche Erweiterungen bereit hält.

Seit November 2017 ist die neue Bäckerei mit 400 Quadratmetern Betriebsfläche in Betrieb. Der Umzug ging planmäßig und reibungslos über die Bühne. Der Neubau wurde in rund sieben Monaten Bauzeit errichtet und umfasst neben der Backstube und der Mühle auch ein großzügig ausgelegtes Bistro mit 42 Sitzplätzen.

Die großflächige Außenwerbung sowie die Parkplätze vor der Tür bewegen viele Handwerker und Geschäftsreisende zur Einkehr.

35 Kunden täglich

am Drive-in-Schalter

Wer nicht aussteigen will, hat die Möglichkeit, direkt an den Drive-in-Schalter zu fahren und die Backwaren nebst Kaffee ins Fahrzeug gereicht zu bekommen. Dennoch wirkt diese Vertriebsschiene noch nicht als Umsatzturbo. Lediglich 35 Kunden fahren durchschnittlich am Tag vor dem Verkaufsfenster vor.

Die weitaus meisten bevorzugen das Bistro. Dort gibt es ganztätig ein breit gefächertes Angebot von warmen und kalten Speisen. Elsässische Quiches zählen ebenso dazu wie der deftige Lippische Pickert als regionales Traditionsgebäck.

Gefeiert wird auch – immer wieder in neuer Form – die gute, alte Stulle. Das fantasievoll belegte Brot kann in vielerlei Varianten auftreten, mit oder ohne Gemüseanteil und kostet 3,95Euro. Auch dahinter steckt ein klares Bekenntnis zur Natur.

Die Umsetzung eines dezenten, aber liebenswürdigen Retro-Trends beim Speisenangebot und im Außenauftritt mit unverkennbarer Note ergibt sich aus dem Credo, dass gute Gebäcke nicht nur gute Zutaten, sondern in erster Linie auch Zeit benötigen, um sich optimal entfalten zu können.

Das Angebot für die Kunden und Gäste ist flexibel und auf die Bedürfnisse von Pendlern und Reisenden angepasst. Das Back- und Caféhaus an der Hauptverkehrsader bietet in unmittelbarer Nähe zueinander eine Kombination aus Bistro-Theke und Bäckerfachgeschäft.

Selbstbedienung

schafft Flexibilität

Wer es sich im Gastraum gemütlich machen möchte, holt die bestellte Mahlzeit am Tresen ab und sucht sich einen Platz für den Verzehr. Das Prinzip der Selbstbedienung schafft eine größere Flexibilität für das Verkaufsteam. Geöffnet ist täglich von 7 bis 18 Uhr, samstags bis 16 Uhr und sonntags bis 17 Uhr.

Überall wird der thematische Bogen vom Acker bis zur belegten Stulle gespannt. Was nicht bedeutet, dass erdige Töne oder wogende Kornfelder die Dekoration beherrschen.

Farbe für die

Kundenbereiche

„Wir wollten richtig Farbe in den Gäste- und Kundenbereich bringen“, erläutert Jörg Meffert das Design, das an Decken und Wänden mit einem blau-grün Kontrast ins Auge fällt.

Die Sockel der Theken glänzen in einem Kupferton, darüber dominiert blankes Holz als Tresen.

Das Angebot im Bäckereibereich wird von Brot und Brötchen sowie süßen Happen geprägt, im vorgelagerten Abschnitt dominieren Snacks. „Die Stulle steht bei uns an vorderster Stelle“, sagt Jörg Meffert.

Neu: Überbackene

Brotscheiben

„Wir veredeln hier vor den Augen der Kunden unsere eigenen Produkte nach deren Wünschen. Das Brot steht immer in vorderster Reihe.“ Flammkuchen, Salate und mindestens eine täglich wechselnde Suppe runden das Programm ab. Ein weiterer Trend sind überbackene Brotscheiben. Die Zutaten stammen nach Möglichkeit aus eigener Herstellung.

Der bio-zertifizierte Familienbetrieb mit eigener Mühle ist stolz darauf, bereits seit 30 Jahren das Getreide aus der unmittelbaren Umgebung zu beziehen. Dieses klare Bekenntnis zur Region und der heimischen Landwirtschaft kommt auch auf den Tüten und in der Außenwerbung bis hin zu den Fahrzeugen zur Geltung.

Backen als sinnliches

Erlebnis im Angebot

Der allgegenwärtige Slogan lautet: „Einfach. Gutes. Brot“. Die Absicht der Bäckerei Meffert zielt darauf, die Sinne des Kunden anzusprechen, die mit Geruch, Optik und Gehör den Charakter der handwerklichen Backkunst erfassen sollen.

„Wir wollen Emotionen erwecken“, ist die erklärte Absicht. 95 Prozent der verwendeten Zutaten sind Bio-Produkte, Sahne und Salate stellen die Ausnahme dar.

Das ist alles kein Geheimnis, denn Transparenz gehört zum Konzept. Zwei- bis dreimal pro Woche werden Besuchergruppen durch den Betrieb geführt. Dabei wird auch erläutert, welche Vorteile es bringt, eine eigene Mühle zu haben und damit seit 40 Jahren Erfahrungen zu gesammelt zu haben. Die drei weithin sichtbaren Silos sind mit der Getreideart beschriftet, die darin gelagert wird.

Ferment-Vorteige und

Hefe aus eigener Zucht

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