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Wie viel Smartphone geht am Arbeitsplatz?

Für die Nutzung des Mobiltelefons während der Arbeit bedarf es klarer Regelungen. (Quelle: Shutterstock)+
Für die Nutzung des Mobiltelefons während der Arbeit bedarf es klarer Regelungen. (Quelle: Shutterstock)

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Für die private Nutzung sollten Betriebe klare Regeln aufstellen, die für alle gelten – auch für den Chef

Von Rolf Leicher

Im digitalen Zeitalter ist es für die in der Bäckerei, im Laden oder in der Produktion selbstverständlich, das Handy während der Arbeitszeit für private Gespräche zu nutzen.

Die private Handynutzung erfolgt meist „heimlich“, außerhalb der Stoßzeiten und nicht vor Kunden oder dem Vorgesetzten. Nach Schätzungen sind Mitarbeiter während der Arbeitszeit täglich in Etappen insgesamt etwa 20 Minuten mit ihrem Handy beschäftigt. Da kommen monatlich mehrere Stunden Arbeitszeit zusammen.

Überwachung von

Arbeitnehmern ist illegal

Was soll die Bäckerei zulassen, was verbieten? Für die Frage der Nutzung des Handys ist die juristische Betrachtungsweise allein nicht ausreichend. Eine permanente personenbezogene Kontrolle während der Arbeitszeit ist unverhältnismäßig und illegal.

Wer einen Verdacht gegen einen bestimmten Arbeitnehmer hat, kann ihn ansprechen – vor allem dann, wenn Arbeit liegenbleibt oder oberflächlich und fehlerhaft erledigt wird.

Der Vorgesetzte muss mit dem Einwand des Mitarbeiters rechnen, dass andere auch ihr Handy nutzen und in anderen Firmen die Handynutzung großzügig geregelt ist.

Vertragliche Regelungen sind möglich – aber nicht sinnvoll

Möglich ist eine Ergänzung im Arbeitsvertrag, was sich bisher in der nur selten durchgesetzt hat. Auf Vernunft und Einsicht der Mitarbeiter zu setzen, ist der bessere Weg.

Mitarbeiter, die durch besondere Leistungen positiv auffallen, möchten das Recht haben, zwischendurch ihr Handy zu nutzen.

Das ist die Geburtsstunde der Ausnahmeregelungen. Außerdem sind Häufigkeit und Nutzungsdauer nicht geregelt, und was einem Mitarbeiter gestattet wird, kann einem anderen nicht untersagt werden.

Gibt es keine Regelung über die Nutzung von mobilen Telefonaten, werden die Mitarbeiter davon ausgehen, dass sie sich korrekt verhalten und es nicht zu einer Abmahnung kommen wird. Die Genehmigung nach dem Motto „Handynutzung in angemessenem Umfang erlaubt“ ist unklar.

Das Verbot ausgehender Gespräche und die Genehmigung für eingehende Kontakte schafft eine Differenzierung, die schwer kontrollierbar ist. Wie soll geprüft werden, ob jemand gerade mit einem eingehenden Gespräch beschäftigt ist?

„Duldung“ – ein Begriff

von juristischen Ausmaßen

Es bedarf keiner Spielregeln, sondern der Einsicht. Wenn in Ausnahmefällen ein Familienmitglied erkrankt ist, kann sich der Mitarbeiter nach Rücksprache mit dem Vorgesetzten auch während der Arbeit per Handy nach dem Wohlbefinden erkundigen.

Im Arbeitsrecht gibt es den Begriff „Duldung“. Es kann geduldet werden, wenn ein Mitarbeiter surft oder telefoniert. Bei Duldung ist dies dem Vorgesetzten bekannt. Eine Entlassung auch bei Abmahnung ist schwer durchsetzbar.

Die Regelung der Handynutzung gilt für alle, denn Gleichbehandlung aller Mitarbeiter sollte gewährleistet sein. Durch Vernachlässigung des Gleichbehandlungsprinzips würde sich das Betriebsklima verschlechtern.

Klare Ansage bei

Mitarbeitertreffen

Eine Regelung sollte es auch für Mitarbeiterbesprechungen geben. Es ist zur Unsitte geworden, dass während eines Treffens die Teilnehmer mit dem Handy beschäftigt sind oder für Kontakte einfach den Raum kurzzeitig verlassen.

Für das Gespräch mit geeigneten Bewerbern Zeit nehmen: Diese Zeit spart man bei der erneuten Suche.
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