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Weniger niesen, husten und jucken

Niesanfälle bei der Arbeit. Bäckerasthma beginnt nicht selten mit dem Bäckerschnupfen. Vorbeugen hilft. +
Niesanfälle bei der Arbeit. Bäckerasthma beginnt nicht selten mit dem Bäckerschnupfen. Vorbeugen hilft.

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Bäckerasthma und Hauterkrankungen in den Griff bekommen / Mehlstaub durch einfache Kniffe reduzieren

erinnert sich gut: 1999 schloss er die Ausbildung ab. Doch statt Feierlaune kam der Schock. Sein Körper machte schlapp, mit Blaulicht ging’s ins Krankenhaus. „Ich hatte seit Jahren , dann noch der Prüfungsstress. Das war zu viel.“ Den Beruf wollte der Bäckermeister aus Herrenberg nicht aufgeben. „Wir hatten gerade in neue Öfen investiert, aus dem Kaufvertrag wären wir nicht rausgekommen.“ So wie ihm, geht es auch anderen.

„Im vergangenen Jahr wurden 772 neue Verdachtsfälle auf allergisches Asthma, Bäckerasthma, gemeldet“, sagt Claus Hölzel, Facharzt bei der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN). In 522 Fällen bestätigte sich der Verdacht, dass die Erkrankung beruflich bedingt ist. Typische Symptome: Nies- und Juckreiz, Hustenreiz, Hustenanfälle, pfeifende Atemgeräusche und Kurzatmigkeit bis hin zu Atemnot.

Ursachen für Bäckerasthma sind meistens Stäube von Mehlen und Backmitteln, aber auch Milben, Vorratsschädlinge oder Schimmelpilze können die Erkrankung auslösen. Stress verstärkt die Allergie.

Die Zahl der erkrankten Bäcker hat sich in den vergangenen 20 Jahren laut BGN zwar halbiert. Doch das Thema bleibt brisant. So schreibt Berufsanfänger Niko in einem Forum im Internet: „Ich habe am Morgen meine Backstube frühzeitig verlassen, da ich über Atemnot klagte. Bekam sehr schlecht Luft und hatte beim Atmen Schmerzen auf der Brust. Mich beunruhigt die Situation sehr. Ich habe Angst, meinen Job als Bäcker an den Nagel hängen zu müssen.“

Häufig beginnt die Krankheit als . Die Nase läuft ständig, während der Arbeit kommt es zu Niesanfällen. Das Problem: Bäckerschnupfen wird meist als harmlos betrachtet. Werden keine Maßnahmen getroffen, entwickelt sich der Schnupfen zum Bäckerasthma. „Ich kann nur raten, möglichst früh zum Arzt zu gehen und sich an die Berufsgenossenschaft zu wenden“, sagt Baier heute.

Mehl mit dem Sieb streuen

In einem Seminar der BGN erfuhr Baier, wie er in der Backstube Mehlstäube reduziert. Dort, wo hohe Konzentrationen an Staub auftreten können, schaut er heute genau hin. „Beim Stauben der Brote werfen wir das Mehl nicht mehr mit Schwung“, erklärt der Bäcker. Früher wurde das Mehl großflächig mit der Hand über die Brote gestreut. Heute wird es behutsam mit dem Sieb verteilt. So gelangt weniger lungengängiger Staub in die Luft.

Zudem achten die Mitarbeiter darauf, dass die Deckel der Kneter beim Ankneten geschlossen sind. Damit möglichst wenig Mehlstaub austritt. Auch wurden die Absaugeinrichtungen an den Backöfen verstärkt. Hitze, Dampf und Wrasen werden besser abgesaugt.

Wenn der 42-jährige Unternehmer heute durch die Backstube geht, trägt er eine Staubmaske. Sie filtert Staubpartikel aus der Luft. Das Tragen der Maske ist zwar nicht sehr angenehm. Aber es hilft. Auch Mirco Köppen trägt Maske. Der Bäckermeister aus Heide lernte im Seminar, wie er sich bei einem Asthmaanfall entspannt. „Ruhig bleiben“, sagt Köppen. Das sei das Wichtigste. Trotz der Krankheit ist er seit über 25 Jahren im Beruf. „Aus Leidenschaft“, wie er sagt. Inzwischen habe er auch gelernt, besser mit seinem Körper umzugehen. „Ich liege nach der Arbeit nicht nur auf dem Sofa, sondern mache Sport.“

Möglichst wenig Staub aufwirbeln, lautet eine Regel im Betrieb. Bei der Reinigung der Arbeitstische saugt Köppen das Mehl mit dem Staubsauger ab. Denn wer die Backstube fegt, den Ofen mit dem Besen oder die Maschinen mit Druckluft reinigt, wirbelt Staub, Kohlepartikel und aggressive Keime auf. Die staubige Schürze schüttelt Koppen am Feierabend nicht aus. Er packt sie vorsichtig in eine Tüte und nimmt sie zum Waschen mit nach Hause.

Wer empfindliche Schleimhäute hat, neigt oft auch zu empfindlicher Haut. Daher haben Bäcker mit Asthma nicht selten Hautprobleme. Die häufige Feuchtarbeit gefährdet die Haut. Am Anfang ist die Haut an den Händen nur gerötet. Später bilden sich in den Fingerzwischenräumen Bläschen, die sehr unangenehm jucken.

Haut platzt auf

Alexander Kentzler, selbstständiger Konditor und Bäckermeister aus Rostock, hatte jahrelang Probleme. Seine Haut wurde brüchig, zeigte tiefe Risse und platzte an manchen Stellen auf. Bei der BGN bekam er Tipps, wie sich Hautbelastungen verringern lassen. Seither achtet er auf die Inhaltsstoffe der Handseife. „Seifen auf Alkoholbasis sind hautverträglicher“, sagt der 45-Jährige. Seitdem er dreimal täglich Schutzcreme verwendet, gingen die Hautrisse zurück. Wischt er Tische ab trägt er unter den Schutzhandschuhen zusätzlich Baumwollhandschuhe. Das verhindert unnötiges Schwitzen.

Die Asthmatiker Baier und Köppen nehmen täglich Kortisonspray. Ohne geht es nicht. Doch sie haben die Dosis auf weniger als die Hälfte reduzieren können. Das dauerte Jahre. Baier sagt, sein Betrieb profitiere von seiner Krankheit. Qualität und Hygiene hätten sich verbessert. Eine Absauganlage an der Teigknetmaschine – wie empfohlen – hat er zwar nicht einbauen lassen. „Wir kehren noch immer mit Besen.“ Der Mehlstaub in seiner Backstube ist dennoch deutlich gesunken, wie eine Messung ergab. Und Baier joggt wieder. Trotz Asthma.

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