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Wege aus der Smartphone-Falle

Wenn Mitarbeiter immer und überall erreichbar sein wollen, gilt es, dies in Gesprächen zu thematisieren. (Quelle: ABZ-Archiv)+
Wenn Mitarbeiter immer und überall erreichbar sein wollen, gilt es, dies in Gesprächen zu thematisieren. (Quelle: ABZ-Archiv)

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Nutzen Mitarbeiter ihre Mobilgeräte während der Arbeitszeit, muss der Chef definieren, was er duldet

Von Rolf Leicher

Im digitalen Zeitalter ist es für die Mitarbeiter in der Bäckerei, im Laden oder in der Produktion selbstverständlich, das Handy während der für private Gespräche zu nutzen. Durch Apps ist das noch interessanter geworden. Ein paar Stunden nicht im Netz zu sein, ist für viele undenkbar.

Die Handynutzung erfolgt meist „heimlich“, außerhalb der Stoßzeiten und nicht vor Kunden oder dem Vorgesetzten. Nach Schätzungen sind Mitarbeiter während der Arbeitszeit täglich etwa 15 Minuten mit ihrem Handy beschäftigt.

Im Verdachtsfall den

Mitarbeiter ansprechen

Telefoniert ein Mitarbeiter, macht das schnell Schule, und andere nutzen auch die Gelegenheit zum privaten Kontakt. Das betrifft nicht nur die jüngeren, der digitale Alleskönner beherrscht alle Altersgruppen.

Was soll die Bäckerei zulassen, was verbieten? Für die Frage der Nutzung des Handys reicht die juristische Betrachtungsweise allein nicht aus. Eine permanente Kontrolle während der Arbeitszeit ist nicht verhältnismäßig und juristisch auch nicht durchführbar.

Wer einen Verdacht gegen einen bestimmten hat, sollte ihn ansprechen – vor allem, wenn Arbeit liegen bleibt oder oberflächlich und fehlerhaft erledigt wird.

Der Vorgesetzte muss mit dem Einwand des Mitarbeiters rechnen, dass andere auch ihr Handy nutzen und in anderen Firmen die Handynutzung großzügig geregelt ist. Möglich ist eine Ergänzung im Arbeitsvertrag, was sich in der nur selten durchgesetzt hat.

„Arbeit“ am Smartphone

senkt die Konzentration

Mitarbeiter wollen auf eine eingehende Handy-Nachricht sofort reagieren und unterbrechen die augenblickliche Tätigkeit. Schon die Überlegung, wer der Sender ist und was er will und ob es wichtig ist, sowie der Blick auf das Display unterbrechen die Arbeit für Sekunden.

Eingehende Kontakte stören die augenblickliche Tätigkeit nicht nur für die Dauer der Informationsaufnahme, sondern auch für die Beantwortung und die nachwirkenden Gedanken, die der Mitarbeiter nach dem Kontakt noch hat.

Einsicht besser

als Spielregeln

Es bedarf keiner Spielregeln, sondern der Einsicht. Wenn in Ausnahmefällen ein Familienmitglied erkrankt ist, kann sich der Mitarbeiter nach Rücksprache mit dem Vorgesetzten während der Arbeit per Handy nach dem Wohlbefinden erkundigen.

Im Arbeitsrecht gibt es den Begriff „Duldung“. Es kann geduldet werden, wenn jemand eben mal privat surft oder telefoniert.

Bei Duldung ist dem Vorgesetzten bekannt, dass ein Mitarbeiter private Mails checkt, oder telefoniert, er unternimmt nichts dagegen.

Es kommt auf die

Verhältnismäßigkeit an

Der kann im Extremfall den Mitarbeiter eine Erklärung unterschreiben lassen, dass Privatkontakte mit dem Smartphone unzulässig sind. Gelegentliche Verstöße werden nicht gleich als Vergehen bestraft, es kommt eben auf die „Verhältnismäßigkeit“ an.

Ein Versuch, Beruf und

Privates zu vereinbaren

Wenn sich Arbeitnehmer bewerben, sollten sie eventuelle andere Arbeitsverhältnisse angeben.
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