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Überstunden konkret beweisen

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Arbeitnehmer muss darlegen, dass Mehrarbeit angeordnet oder gebilligt wurde

Rellingen (bkv). Ein als Metzgermeister und Filialleiter beschäftigter Arbeitnehmer verlangte nach Beendigung seines Arbeitsverhältnisses noch die Vergütung für 711Überstunden. Diese wollte der Mitarbeiter von Mai bis August geleistet haben. Als Nachweis hierfür gab er entsprechende Arbeitszeit-Eintragungen in seinem privaten Kalender an. Der Arbeitgeber weigerte sich zu zahlen, da er die Mehrarbeit nicht angeordnet hatte. Außerdem seien die Notizen des Arbeitnehmers zu ungenau. Der Mitarbeiter habe pauschal notiert, und gab an, täglich 14Stunden ohne Pausen gearbeitet und immer zu vollen Stunden seine Überstundenarbeit aufgenommen und beendet zu haben.

Das Landesarbeitsgericht (LAG) Mainz entschied zugunsten des Arbeitgebers und wies die Klage auf Überstundenvergütung ab, da die ungenauen Kalendernotizen zur angeblichen Arbeitszeit nicht als Beweis dafür geeignet waren, dass die Überstunden auch vom Arbeitgeber angeordnet bzw. erforderlich gewesen seien (LAG Mainz, Urteil vom 10.10.2008, Az.: 6 Sa 390/08).

Verlangt also ein Arbeitnehmer Überstundenvergütung, muss er konkret darlegen und gegebenenfalls beweisen, an welchen Tagen und zu welchen Tageszeiten er über die übliche Arbeitszeit hinaus gearbeitet und welche Tätigkeiten er während der fraglichen Zeiten ausgeführt hat. Außerdem muss der Arbeitnehmer beweisen, dass diese Arbeiten entweder angeordnet wurden oder erforderlich waren und vom Arbeitgeber gebilligt worden sind.

Tipp: Etwas anderes gilt, wenn der Arbeitnehmer die Stundenaufzeichnungen nicht aus eigener Initiative führt, sondern Sie die Aufzeichnung angeordnet haben. Hier sollten Sie sofort widersprechen, wenn Sie auf Stundenzetteln nicht angeordnete Mehrarbeit feststellen. Anderenfalls gehen die Arbeitsgerichte davon aus, dass Sie die Überstunden billigen.

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