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Über Land oder zum Event

Pünktlich am gewohnten Standplatz: Auf 3,20 m Thekenlänge hat Reiner Stolzenberger das komplette Bäckerei- und Konditoreisortiment – auch gekühlt – dabei.  (Quelle: Werth)+Zur Fotostrecke
Pünktlich am gewohnten Standplatz: Auf 3,20 m Thekenlänge hat Reiner Stolzenberger das komplette Bäckerei- und Konditoreisortiment – auch gekühlt – dabei. (Quelle: Werth)

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Bäckerei Stolzenberger erfährt mit Fahrzeugen von Borco-Höhns solide Umsätze im mobilen Geschäft. Sonderaktionen lasten den Verkauf aus.

Mobiles Verkaufen ist ein Gewinn, man kann sich abheben von der Konkurrenz, sagt Bäckermeister Reiner Stolzenberger. Der Inhaber der gleichnamigen Bäckerei aus dem baden-würtembergischen Bönnigheim betreibt seit 16 Jahren eine Filiale auf vier Rädern. Auf sein zweites geschäftliches Standbein möchte der Unternehmer nicht mehr verzichten.

„Wer heute noch einen Verkaufsplatz auf einem gut frequentierten Wochenmarkt ergattern kann, sollte sofort zugreifen“, rät Stolzenberger ohne viel zu überlegen. Der Betriebswirt des Handwerks hat bereits mit 27 Jahren den 1955 gegründeten elterlichen Betrieb übernommen. Das war 1988. Sieben Jahre später kam die Entscheidung für den Aufbau des Geschäftszweiges als mobiler Unternehmer.

Ein Nähseidenhersteller in der Nachbarschaft des Produktionsbetriebes, bislang Großabnehmer der Bäckerei in der rund 8000 Einwohner zählenden Kleinstadt, verlegte sein Stammgeschäft ins Ausland. „Wir haben dann überlegt, wie der zu erwartende Umsatzeinbruch seinerzeit am besten aufzufangen wäre“, erinnert sich Stolzenberger. Eine nahende Handwerksmesse und das positive Gespräche mit dem Verkaufsfahrzeuge-Hersteller Borco-Höhns haben dann nach Aussage Stolzenbergers sehr schnell zum Kauf einer „rollenden Filiale“ geführt.

Touren und Events

Der Ausbau seines Tourengeschäftes im 40 Kilometer-Umkreis sollte die Basis für den mobilen Verkaufstart bilden. „Gute Wochenmärkte in unserem Einzugsgebiet hatten damals schon Wartezeiten von fünf Jahren und länger für Neubewerber, weniger attraktive Plätze stehen noch mehr unter Druck gegen die bis heute ‚sprießenden“ Discountläden in unserer Region“, erklärt Stolzenberger seine Entscheidung. Bereut habe er das nicht, ganz im Gegenteil. In zahlreichen, umliegenden Dörfern gehört der fahrende Bäcker in den festen Tagesablauf der Kunden. Auch die Event-Sparte konnte er aufgrund des sehr flexiblen Verkaufens auf- und ausbauen, so Stolzenberger. Ob die Frühjahrsschau der Autohändler vor Ort, das Weinfest, die große Betriebsfeier, die Belieferung der Gaststätte des Freizeit- und Erlebnisparks Tripsdrill oder das private Hochzeitsfest – das Bäckerteam wartet nicht nur mit Kuchen und Latte Macciato auf. „Wenn es gewünscht ist, reichen wir auch Fingerfood und Sekt.“

Qualität sei ein wichtiges Kriterium. Er arbeite nur mit Topmarken, sagt Stolzenberger. Das fange bei der Herstellung an, wo nur ausgewählte und hochwertige Rohstoffe von regionalen Lieferanten verwendet werden. Beim Verkaufswagen vertraue er gerne den Fachleuten aus Rotenburg/Wümme. Bei Borco-Höhns habe man immer ein offenes Ohr für Innovationen, so Stolzenberger weiter.

Für Mobilunternehmer hat er einige Tipps auf Lager: „Der Zeitplan ist das A und O. Zu Beginn ist es immer besser, etwas mehr Puffer einzuplanen, die Kunden werden mit der Zeit mehr.“ Etwa alle 4 bis 5 Jahre wird das Fahrzeug gegen ein neues ausgetauscht. „Man bekommt noch gutes Geld beim Hersteller und die Technik hat sich wieder weiterentwickelt“, so Reiner Stolzenberger.

Zum aktuellen Verkaufswagen mit Renault-Zugmaschine kennt der Bäcker die Details genau: 3,20 Meter Tresenlänge, Standheizung im Winter, erweiterte Kühlflächen, ausreichende Zuladung bis 3,5 t Gesamtgewicht. Auch der praktische Wechsel vom Führerhaus in den per Schiebbetür abgeteilten Verkaufsraum sei gut gelöst. Wer 50 mal am Tag oder häufiger ohne den Kopf einziehen zu müssen vom Fahrzeugsteuer zum Tresen wechseln muss, lerne die praktischen Details zu lieben, schmunzelt der Chef. Besonders schätzt der Bäckermeister zudem die energiesparende und variabel einstellbare Kühlung des Tresens mit von oben zu verschließenden Schiebefenstern. „Wir fahren das ganze Jahr mit Winterreifen, die 100 PS-Dieselmaschine mit 6 Gängen ist auch in unseren hügeligen Breitengraden absolut alltagstauglich“, so Stolzenberger. Selbst eine Schwarzwaldtour sei mit dem Selbstfahrer kein Problem. Mit dem 230 V-Anschluss im Verkaufswagen sei man auf Veranstaltungen autark und könne mit den eingebauten Zusatzbatterien rund 8 Stunden am Tag gut überbrücken.

Um die Zukunft ist Reiner Stolzenberger nicht bange. Mit dem mobilen Verkauf im Touren- und Eventgeschäft erwirtschaftet er mittlerweile über 20 Prozent des Umsatzes. Zu den Kunden zählen auch viele ältere Mitbürger, die mit dem mobilen Verkaufsservice ein Stück Lebensqualität bekommen: „Die sind wieder unabhängiger und freuen sich, selber ohne fremde Hilfe einkaufen zu können“, weiß Stolzenberger.

Ein Fünftel des Umsatzes

Wieviel allein der Einprägungseffekt der großen Brezel als Logo auf dem Verkaufsfahrzeug hat, konnte der Chef jüngst selbst erleben, als beide Verkaufsfahrerinnen krankheitsbedingt ersetzt werden mussten. Kurzerhand sprang er selbst ein und machte dabei „lustige Erfahrungen“, wie er schmunzelnd erzählt. Vor dem Friseurladen kamen die Kunden mit nassen Haaren heraus, um ihre „süßen Stückle“ zu kaufen, nicht ohne nach dem Wohlbefinden der gewohnten Verkäuferin zu fragen. Jetzt könne er noch besser verstehen, dass der mobile Verkauf als die schönste Tätigkeit im Betrieb angesehen wird.

Stolzenbergers Rat und Tat sind seit einiger Zeit auch im Ausland gefragt. Handwerksbetriebe, die in Rumänien, Bulgarien oder gar in China einen Bäckereibetrieb mit mobilem Verkaufsgeschäft aufbauen wollen, sind schon von dem „Weltenbummler“ unterstützt und beraten worden. „Vieles geht inzwischen mit Skype& Co., per Video und E-Mail,“ lacht der Bäckermeister. Eine in den kommenden Wochen geplante Reise nach Aserbaidschan lasse er sich aber nicht nehmen. Das sei eine Sache, die ihm einfach Spaß mache.

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