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Eine Einheit von Design und Funktion

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Mit verschiedenen Ansätzen versuchen Ladenbauer, Bäcker zu unterstützen und für deren Angebot eine wirkungsvolle und praxistaugliche Bühne zu schaffen.

Von Hans Stumpf

Die Ladenbauer kennen die Herausforderungen für die backende Branche genau: Die Angebote müssen aufmerksamkeitsstark präsentiert werden. Gleichzeitig muss auch Raum für neue Angebote eingeplant sein.

Brotkompetenz, Kaffeeangebot, Konditoreilastigkeit, Snackangebote sind da nur einige Stichworte, für die die Anbieter durch geschickte Planung Lösungen bieten müssen.

Das Ziel ist klar, die Wege der Ladenbauer dorthin sind jedoch sehr verschieden. Wichtig ist, dass Konzeptgestalter und Bäcker den Weg gemeinsam gehen. Einen Königsweg, also eine allseits gültige Empfehlung, wie ein Laden heute aussehen muss, gibt es nicht.

Laden und Angebot

als einladende Einheit

Vielmehr muss der Laden zum Angebot des Bäckers passen, dessen Historie und Vision im besten Fall widerspiegeln. Das Konzept sollte Mitarbeiter und Kunden gleichermaßen einladen und begeistern.

Möglich wird dies, wenn der Zeitgeist sich intelligent im Laden wiederfindet. Hervorragend zu Backwaren und dem Angebot des Bäckers passt der inzwischen schon länger bestehende Trend zu natürlichen Materialien, allen voran Holz – in den vielfältigsten Ausprägungen.

Ladenbauer Schmees spricht hier von „Natur im Raum“ und geht damit noch ein Stück weiter. Taktile Oberflächen wie Holz, Fell, Leder, Wolle oder auch Loden werden verwendet, um den Kunden ein ganzheitliches Erlebnis bieten zu können.

Es soll das haptische Erleben ursprünglicher ermöglicht werden. Damit wird nicht nur der Seh-, sondern auch der Tastsinn angeregt. Wenn dies wie bei der Bäckerei Laser im österreichischen Schladming durch die Verwendung von Loden auch noch einen regionalen Bezug hat, dann passt dies doppelt.

Farben und Strukturen

aus der Natur

Diese Natürlichkeit findet sich auch in den Farben wieder. Dunkelgrün als Farbe des Jahres 2019 ist klar im Trend, genauso wie andere Grüntöne oder Erdfarben. In Vorhängen und Stoffbezügen finden sich dank 3D- oder Mesh-Optik (Netz-Optik)Strukturen aus der Natur.

Kramer empfiehlt, täuschend echte Nachahmungen von Naturoberflächen aus Kunststoffmaterial zu verwenden, um einzelne Ladenbauelemente haptischer wirken zu lassen. „Besonders auffällig sind derzeit Eyecatcher aus glänzenden Metalloberflächen wie Gold, Messing, Bronze und Kupfer“, zeigt Marcel Lorenz, Vertriebsleiter bei Kramer einen weiteren Trend auf.

Sie würden gut als Kontrast zu natürlichen Materialien wie Holz und Stein passen. Denn auch das Kontrastierende ist ein Trend im Ladenbau. Augenscheinlich sehr unterschiedliche Werkstoffe wie Edelstahl und Stein oder Sperrholz und Acryl werden miteinander kombiniert.

Kontrastreichtum

versus Purismus

Josef Hagspiel vom Ladenbauer Echtkeller empfiehlt dagegen die Verwendung von puren Materialien wie Massivholz, Naturstein, Kupfer, Leder und Stahl: „Echte Qualität ist wichtig, die der Brot-Kunde auch beim Einkauf in seiner Bäckerei erwartet.“ Hagspiel empfiehlt, diese im Regionalbezug in das Ladenkonzept einzubinden.

Organische Formensprache

mit klaren Linien

Neben der Materialauswahl ist das eines Ladens durch die Formensprache geprägt. Nach Industrielook und alpenländischer Optik zeichne sich jetzt „eine Entwicklung zum Mid-Century-Style ab“, meint Marcus Meier von Schmees Ladenbau.

Der Stil aus der Mitte des 20. Jahrhunderts wirkt durch klare Linien, organische Formen und einer stromlinienförmigen Gestaltung ohne weitere Ausschmückung.

Design spielt auch bei den Sitzmöbeln eine zentrale Rolle. Wobei das Design immer einhergehen muss mit einem angenehmen Sitzgefühl. Die Stuhlfabrik Schnieder bietet eine neue modulare Bank mit pfiffiger Konstruktion, die Lounge-Atmosphäre in die Bäckerei bringen kann, da die Rücken- und Seitenkissen wie locker drapiert wirken.

Bequemlichkeit und Funktionalität hat A.B.C. Worldwide im Stahlstuhl Lino zusammengefügt. Er ist ein vollwertiger Kaffeehausstuhl und gleichzeitig ein Stapelstuhl. Mit verschiedenen Farben und seiner leichten Form ist der Stuhl im Vintage Stil ein echter Hingucker. Pulverbeschichtet kann er auch im Outdoor-Bereich Verwendung finden.

Funktionalität sichern,

Lichtwirkung beachten

Wichtig ist, dass das Ladendesign mit der Funktionalität von Theke und den weiteren Präsentationsmöbeln einhergeht. Die große Mehrheit der Theken wird heute als Tischtheke gebaut. Dadurch kommen ausgestellte Ware und Kunde nahe zusammen. Der Glasaufbau ist in der Regel stützenfrei. Dadurch wird auch ermöglicht, dass die Beleuchtung aus der Theke und aus Pendelleuchten über der Theke kommen kann.

Für Warendruck wird mit Zwischenetagen in der Theke gearbeitet. Sind diese herausnehmbar, hat das den Vorteil, dass bei schwindendem Angebot keine leeren Flächen zu sehen sind. Wird mit Zwischenetage gearbeitet, muss allerdings das Licht durch eine Beleuchtung der unteren Ebene ergänzt werden. Dank moderner LED-Technik spielt die Wärmeabstrahlung dabei keine Rolle.

Lichtwechsel

schaffen Atmosphäre

Ein wichtige Rolle bei der Beleuchtung von Backwaren und des Raums spielen dagegen die Lichtfarben. Marcus Meier von Schmees Ladenbau empfiehlt zum Beispiel, dass Hängeleuchten im Cafébereich mit wechselnden LED-Lichtfarben der Tageszeit entsprechende Stimmungen schaffen können.

Flexibel wie die Beleuchtung muss zunehmend auch die Theke sein. Dies deshalb, weil das Angebot der Bäckerei sehr vielfältig ist, und sich im Tagesverlauf ändert.

Variable Nutzung der

multifunktionalen Theke

Am deutlichsten zeigt sich dies im Snackbereich mit seinen unterschiedlichen tageszeitlichen Angeboten. Schrutka-Peukert hat speziell dafür die multifunktionale Theke Gastro-Vario entwickelt. Die Besonderheit ist eine kippbare Glasscheibe, die aus einer Bedientheke eine SB-Theke macht. Eine integrierte Kühlung für Gastronorm (GN)-Behälter und die Einbindung einer Kochstation machen die Theke sehr flexibel.

Um im warmen Snackgeschäft mit wenig Aufwand zusätzliche Kunden anzulocken, hat Ladenbauer Aichinger das Konzept Rog – Roll‘n‘Grill entwickelt. Aichinger empfiehlt dazu – oder wenn im Ladenbereich auch gekocht und gebraten wird – die neue Kompakt-Ablufthaube F-Air. Damit ist sichergestellt, dass der Bäckereiduft nicht beeinträchtigt wird.

Dass Brot nicht zwangsläufig in einem Brotregal präsentiert werden muss, zeigte Aichinger mit dem „Rundstück“ auf der Iba. Die Hintergrundüberlegung ist wohl, dass die bisherigen Brotregale mehr zur Lagerung und Aufbewahrung, als zur Präsentation dienten.

Auch das Brotregal könnte

in neuer Form kommen

Mit dem Rundstück als Design-Studie will Aichinger die Bäcker zum Nachdenken anregen, um womöglich auf das Brotregal in der Rückwand zu verzichten und die Brotpräsentation näher zum Kunden hin zu verlagern.

Das Brotregal in eine ganz andere Form bringen kann Schrutka-Peukert mit dem Point-System. Grundlage dafür sind Haltepunkte an der Rückwand, in denen verschiedenste Präsentationsmöbel eingehängt werden können. So lässt sich für jede Brotsorte die passende Präsentationsmöglichkeit schaffen.

Der Laden von Michael Otto nach dem Umbau mit neuer Theke, neuer Beleuchtung und dem ebenfalls neu gestalteten Cafébereich.
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