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Die Kunst, Produkte in Szene zu setzen

Der Laden von Michael Otto nach dem Umbau mit neuer Theke, neuer Beleuchtung und dem ebenfalls neu gestalteten Cafébereich. (Quelle: Unternehmen/SchrutkaPeukert)+
Der Laden von Michael Otto nach dem Umbau mit neuer Theke, neuer Beleuchtung und dem ebenfalls neu gestalteten Cafébereich. (Quelle: Unternehmen/SchrutkaPeukert)

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Bei der Gestaltung eines Ladens spielen viele Aspekte eine Rolle: Das beginnt mit dem Umfeld und reicht bis zur Auswahl des Bezugsstoffs für die Sitzgelegenheiten.

Von Hans Stumpf

Wir wollten frischen Wind in das Geschäft bringen“, sagt Konditormeister Michael Otto aus Zella-Mehlis in Thüringen. Im vergangenen Jahr hat er seinen Laden umgebaut und wohl die richtige Entscheidung getroffen: „Die Ware wird jetzt ganz anders präsentiert. Das gefällt den Kunden und natürlich auch uns.“

Nach 25 Jahren sei der alte Laden sanierungsbedürftig gewesen. Das neue Geschäft samt neuem Café wird ausschließlich mit LED-Technik beleuchtet. Die Kühlungen sind auf dem neuesten Stand und verbrauchen wesentlich weniger Strom als die bisherige Technik. „Da sparen wir kräftig“, sagt Otto.

Zu DDR-Zeiten war das Unternehmen noch ein reiner Konditoreibetrieb. Nach der Wende hat Michael Otto sein Sortiment in Richtung Bäckerei ausgeweitet. „Allerdings sind nach wie vor 90 Prozent unserer Produkte im Konditoreibereich angesiedelt“, sagt er. Von Baumkuchen bis zu den Zimtsternen der Weihnachtsbäckerei wird alles selbst hergestellt.

Kühlvitrine erweitert

Präsentationsmöglichkeiten

Problem im alten Laden war, das Angebot umfassend zu präsentieren. Die neue Theke konnte jedoch nicht viel größer werden. Die Ladenplaner von Schrutka-Peukert brachten deshalb den Vorschlag, eine Kühlvitrine mit einzubeziehen. Eine Idee, die Michael Otto heute noch begeistert: „Gerade im Sommer haben wir jetzt genügend Platz zur der Torten.“

Auf Schrutka-Peukert als Ladenplaner und -bauer fiel die Auswahl auch, weil er als einziger eine Tischtheke in geschwungener Grundrissform anbieten und bauen konnte.

Durch die Bogenform wird die Theke strukturiert und wirkt noch stärker. Praktisch auch, dass so der Platz hinter der Theke vergrößert werden konnte. Auch das war ein Problem im alten Laden.

Optisch ist die Theke nach vorne aus einem Guss. Allerdings ist sie sowohl Trockentheke als auch leistungsstarke Kühl- und Eistheke.

Die Verdampfer der Kühltheke sind so groß konzipiert, dass eine Verhautung der sensiblen Torten ausgeschlossen ist. Die Eistheke wird im Winter mit wenigen Handgriffen zur Trockentheke.

Eis für den Cafébetrieb wird in dieser Zeit aus einer kleinen Eistheke im rückwärtigen Bereich entnommen. Auch das Eis stellt Otto übrigens selbst her.

Doch bevor der Laden und das Café so standen wie heute, haben Otto und seine Ehefrau verschiedenste Läden und auch Ladenbauer besucht. „Man nimmt überall was mit, will jedoch in seinem Laden seinen eigenen finden“, sagt er.

Farbspiele stehen für

Tradition und Wertigkeit

So habe er die großen, goldfarbenen Pendelleuchten in Rundform über der Theke in einer anderen Bäckerei gesehen. „Meine Frau wollte die unbedingt“, sagt der Unternehmer schmunzelnd.

Zumal die Farben Gold und Schwarz auch die Firmenfarben der Konditorei sind. Sie stehen für Tradition und Wertigkeit.

Aspekte, die in der backenden Branche einen hohen Stellenwert haben. Während Discounter wie Netto mit „Neuer Backtradition“ werben, baut ein Handwerksbäcker oder -konditor auf tatsächliche Tradition.

Rustikales, kombiniert

mit modernen Elementen

Die Tradition und Wertigkeit muss sich auch im Laden widerspiegeln. Das bestätigt auch Claudia Glaser von Sperl Ladenbau: „Wertigkeit ist Qualität, Kreativität und Individualität.“

Sperl setzt bei der Raumgestaltung auf rustikale Stilelemente, kombiniert mit einem modernen Look. Claudia Glaser empfiehlt Hölzer mit charakteristischen Altholzspuren in gebürsteter Ausführung in Kombination mit Glas, Stein, Edelstahl oder auch Eisenträgern.

Wobei durchaus auch die Gefahr besteht, dass ein Objekt durch zu viel Holzoptik dem „Jodelstil“ verfällt. Denn ein Laden darf zum einem nicht sich selbst in den Mittelpunkt stellen. Vielmehr geht es darum, die angebotene Ware zu präsentieren und ein Wohlfühlklima für Kunden und Mitarbeiter gleichermaßen zu schaffen.

Das Umfeld muss

zum Laden passen

Zum anderen muss ein Laden auch passen. Ein alpenländischer Ladenlook passt sicherlich im Voralpengebiet und auch noch in München. Allerdings muss das Umfeld passen.

Das kann die bauliche Seite sein. Wird der Laden in einem ehemaligen Industriegebäude aus der Gründerzeit gebaut, sollte er anders aussehen als wenn er in einem modernen Gebäude in einer Neubausiedlung steht.

Passen muss der Laden aber auch zum Unternehmen, seiner Philosophie und seinen Produkten. So hat die Mühlenbäckerei Ambrosius in Wittlich einen Mahlstein in ihren Laden im Einkaufszentrum Schlossgalerie in die Theke integriert.

Optik des Ladenbackofens

verstärkt den urigen Eindruck

So wird eine gute Verbindung zwischen der Mühle, der Bäckerei und den Kunden geschaffen. Diese Tradition wird noch durch den Ladenbackofen verstärkt, der kein klassischer Umluftbackofen ist. Vielmehr ist es ein Etagenbackofen mit gusseisernen Türen in alter Optik.

Auch Konditormeister Michael Otto setzt auf den Stilmix zwischen modern und traditionell. Die Theke mit ihrer schwarzen Front und dem stützenfreien Glasaufbau wirkt modern.


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