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Der Stoff für saubere Stadtausflüge

Setzt auf Dieselantrieb mit geringen Schadstoffemissionen: der Fuso von Daimler. (Quelle: Hersteller)+
Setzt auf Dieselantrieb mit geringen Schadstoffemissionen: der Fuso von Daimler. (Quelle: Hersteller)

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Diesel, E-Antrieb, Hybrid oder Erdgas? Fachleute sagen, welche Antriebsformen zukunftsorientiert und betriebswirtschaftlich besonders günstig sind.

Von Dorothee Hoenig

Gute Nachrichten: Die Belastung der Luft mit Stickstoffdioxid (NO2) ist 2017 im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Die Zahl der Kommunen mit Grenzwertüberschreitungen nahm von 90 auf 65 ab. Das zeigt eine Auswertung der Messdaten der Länder und des Umweltbundesamtes. Den höchsten Jahresmittelwert 2017 hatte demnach München vor Stuttgart und Köln. Hamburg liegt an sechster Stelle.

Schlechte Nachrichten für Diesel-Fahrer: Die Stadt Hamburg war es, die das bundesweit erste Dieselfahrverbot am 31. Mai 2018 in Kraft gesetzt hat. Möglich machte diesen Schritt ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes (BVG) vom 27. Februar 2018. Die Deutsche Umwelt Hilfe (DUH) hatte für eine bessere Luftreinhaltung und ein Dieselfahrverbot von Kommunen vor dem BVG geklagt und Recht bekommen.

„Dieseldurchfahrtsbeschränkungen“ nennt Hamburg (siehe auch Seite 8) das Fahrverbot. Die Beschränkungen gelten für Diesel-Fahrzeuge, die die Euronorm 6 (PKW) beziehungsweise VI (für LKW) nicht erfüllen an zwei Straßenabschnitten in Hamburg-Altona: auf der Max-Brauer-Allee (für PKW und LKW), auf der Stresemannstraße für LKW.

– die einzig echte

Alternative zum Diesel?

Ausgenommen sind Rettungsfahrzeuge, Anwohner und deren Besucher, Müllwagen, Taxis „im Einsatz“ und – Lieferfahrzeuge.

Welche Möglichkeiten hat ein Bäcker, der in der Stadt Waren anliefert oder seine Produktionsstätte in der Stadt hat, im Falle eines Dieselfahrverbotes? Wie kann er sich darauf vorbereiten?

Mehrkosten

von rund 4000 Euro

Ausnahmen wie in Hamburg oder Ausnahmegenehmigungen für Lieferfahrzeuge sind nicht sicher. Die „Dieselflotte“ durch Erdgas oder elektrisch angetriebene Fahrzeuge auszutauschen, sind weitere Möglichkeiten.

Manfred Kuchlmayr von Iveco meint: „Aufgrund der Kostensituation denken wir, dass Erdgas die einzige betriebswirtschaftlich sinnvolle Lösung ist. Die Mehrkosten bewegen sich im Bereich von 4000 Euro, die sich aufgrund der wieder günstigen CNG-Preise schnell amortisieren. Aufgrund des kommerziellen Erfolges beschränken wir uns auf den Methangas Daily.“

Hybrid-Fahrzeuge hat Iveco im urbanen Wirtschaftsverkehr bereits vor Jahren ausgelistet: zu teuer und zu schwer wegen der zwei parallelen Antriebsstränge und Energievorhaltesysteme. Den Electric Daily hat Iveco seit zehn Jahren im Programm.

Begrenzte Möglichkeiten

bei Kühlfahrzeugen

„Der verkauft sich aber aufgrund des batteriegeschuldeten hohen Preises recht sparsam. Bezeichnend ist, dass die effizienteste Lösung unbekannt ist: Erdgas. Partikel- und NO2-Werte sind weit unterhalb denen des Diesels. CO2 bekommt man durch Beimischung regenerativen Gases bis nahezu an die Nullinie“, erklärt Manfred Kuchlmayr.

Kiesling, Hersteller von Kühlfahzeugen, sieht die Möglichkeiten abgasarmer oder -freier Fahrzeuge noch begrenzt – vor allem wenn es darum gehe, Tiefkühlbackwaren zu transportieren. „Hierfür sind Kühlgeräte mit großer Leistung notwendig, diese werden durch einen eigenen Motor oder den Nebenabtrieb des Fahrzeuges betrieben. Die meisten Kunden setzen hier nach wie vor auf die bewährten Lösungen“, teilt Kiesling mit.

Bei Kühlfahrzeugen stünden Nutzlast und Temperatursicherheit im Vordergrund, das mache es nicht leicht, auf elektrischen Antrieb umzusteigen. Die ohnehin schon geringen Reichweiten würden durch den Antrieb der Kühlung nochmals verkürzt. Kiesling: „Auch wir haben gute Erfahrungen mit gasbetriebenen Fahrzeugen gemacht.“

„Effizienzpaket“

soll Sprit sparen

Daimler hat bei seinen Dieselmotoren die Schadstoffemmission gesenkt. Der Fuso Canter wird mit 3-Liter-Common-Rail-Dieselmotoren angeboten und erfüllt damit die aktuelle Emissionsstufe Euro VI.

Ein serienmäßiges „Effizienzpaket“ soll mit Motor-Start-Stopp, optimierter Hinterachsübersetzung und 2000 bar Einspritzdruck für einen niedrigen Kraftstoffverbrauch sorgen.

Alternativen: „Der Canter Eco Hybrid wird serienmäßig ab Werk angeboten und spart durch die Hybridtechnologie bis zu 23 Prozent Kraftstoff gegenüber der reinen Diesel-Technologie“, sagt Jürgen Barth von Daimler. Auch den batterieelektrisch angetriebene eCanter gibt es schon, allerdings erst im Rahmen einer Kleinserie für einen Kunden. 2019 soll er serienmäßig angeboten werden.

Mercedes bietet zwei

Batteriegrößen an

Als zweites Modell der gewerblichen Flotte stattet Mercedes-Benz Vans den neuen Sprinter mit einem Elektroantrieb aus. 2019 kommt der neue eSprinter auf den Markt und folgt damit dem eVito.

Den eSprinter wird es mit zwei verschiedenen Batteriegrößen geben. Mit einer installierten Batteriekapazität von 55 kWh soll die Reichweite des neuen eSprinter rund 150 Kilometer betragen, bei einer Batteriekapazität von 41 kWh sind es rund 115 Kilometer.

Ladezeit beträgt

rund sechs Stunden

Im Gegenzug steigt hier die maximale Zuladung um 140 Kilogramm auf rund 1040 Kilogramm. Die Ladezeit beträgt sechs Stunden, es sei denn, der eSprinter wird an einer DC-Schnellladestation geladen. Wie die Diesel-Einstiegsvariante leistet auch der Elektroantrieb 84 kW mit einem Drehmoment von bis zu 300 Newtonmeter.

„Die Gesamtbetriebskosten müssen auf dem Niveau eines vergleichbar ausgestatten Fahrzeugs mit Dieselaggregat liegen – diese Grundvoraussetzung erfüllen eSprinter und eVito. Nur wenn der Einsatz von Elektromodellen auch wirtschaftlich sinnvoll ist, sind sie im gewerblichen Einsatz konkurrenzfähig. Den höheren Anschaffungskosten stehen geringere Energie- und Wartungskosten sowie Steuereinsparungen gegenüber“, sagt Benjamin Kaehler, Leiter eDrive bei Mercedes-Benz Vans.

Erfolgreich war im vergangenen Jahr die „E-Transporter Selbsthilfegruppe“ mit Initiator Roland Schüren. Die Gruppe hatte sich gegründet, um einen Hersteller zu finden, der das „Bakery Vehicle One“ (BV1), einen elektrischen 3,5-Tonner für Bäckereien und andere Gewerke, baut.

200 Interessenten

für Streetscooter

Die Posttochter kooperiert jetzt mit TBZ Fahrzeugbau. Ab sofort seien zehn Versionen mit jeweils zwei Batteriegrößen des BV1 bestellbar. Die Transporter kosten ab 42.950 Euro, teilt die Post mit. Etwa 200 Interessenten stehen auf der Liste der Selbsthilfegruppe.

Sauberkeit für die Luft ist die eine Herausforderung, Hygieneanforderungen fürs Fahrzeuginnere sind die andere. Deshalb sind Fahrzeuge ab Werk wegen ihrer Fugen, Ritzen und Aussparungen im Laderaum nicht für den Backwarentransport geeignet.

Auch hier gibt’s Neuigkeiten: KCN löst dieses Problem, indem zuerst eine Unterkonstruktion und ein Ausbau angefertigt werden, auf den die Beschichtung durch ein spezielles Spritzverfahren aufgebracht wird.

Der Laderaum soll danach vom Boden bis zur Decke pflegeleicht, hygienisch, wasserdicht, nicht zu unterwandern und leicht zu reinigen sein – so der Anbieter.

Der Verkaufstresen darf nicht zu hoch sein, sonst wirkt er als Barriere zwischen Kunden und Verkäufern.
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