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Schneemassen sind höhere Gewalt

Wenn nichts mehr geht, muss der Chef auf seinen Mitarbeiter warten. (Quelle: Shutterstock/Nicole S Glass)+
Wenn nichts mehr geht, muss der Chef auf seinen Mitarbeiter warten. (Quelle: Shutterstock/Nicole S Glass)

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Wenn Arbeitnehmer unverschuldet verspätet aus dem Urlaub zurückkommen, trifft sie rechtlich keine Schuld

Von Wolfgang Büser

und Maik Heitmann

Müssen Arbeitnehmer, die wegen der Schneemassen in Bayern oder Österreich verspätet an ihren Arbeitsplatz zurückkehren, mit arbeitsrechtlichen Sanktionen rechnen? Grundsätzlich müssen Arbeitnehmer alles „in ihrer Macht stehende“, versuchen, um so schnell wie möglich nach Deutschland zurückzukehren. Das gilt jedoch nur eingeschränkt für Urlauber, die eingeschneit in einem Alpendorf festsitzen.

Wenn möglich, müssen sie eine Alternativroute wählen, um aus dem Land zu kommen – selbst dann, wenn dafür zusätzliche Reisekosten entstehen. Natürlich muss kein Privatjet geordert werden.

Mehrkosten hängen von

der Hierarchiestufe ab

Aber: Ist eine alternative Ausreise für einen Aufpreis von zum Beispiel mehreren Hundert Euro machbar, muss diese Option gezogen werden. Dabei kommt es auch darauf an, welche „Hierarchiestufe“ der Mitarbeiter im Betrieb einnimmt.

Schafft es ein Arbeitnehmer (un-)wetterbedingt nicht, rechtzeitig zum Dienstbeginn am Arbeitsplatz zurück zu sein, so droht ihm weder eine Kündigung noch eine Abmahnung. Denn dieser spezielle Fall fällt unter „höhere Gewalt“.

Davon ist auszugehen, wenn Touristen durch Naturkatastrophen an der Rückreise gehindert werden. Die Situation in den betroffenen Ländern erfüllt diesen Tatbestand. Den Arbeitnehmer trifft – arbeitsrechtlich gesehen – keine „Schuld“ an der Verspätung.

Einen etwaigen finanziellen Schaden hat der Arbeitgeber selbst zu tragen. Das ist sein unternehmerisches Risiko. Denn auch wenn ein Arbeitnehmer erkrankt, muss der Chef dafür sorgen, dass die Leistungen Dritten gegenüber erfüllt werden.

Lohn muss der Arbeitgeber seinem wegen der Verspätung fehlenden Mitarbeiter jedoch nicht bezahlen. Entgeltfortzahlung bei nicht erbrachter Leistung sieht der Gesetzgeber (unter anderem) nur für den Krankheitsfall vor.

Verbuchung wie

unbezahlter Urlaub

Arbeitsrechtlich werden die Fehltage wie unbezahlter verbucht. In Einzelfällen werden Arbeitnehmer die Fehlzeiten möglicherweise mit noch bestehenden Urlaubsansprüchen gegenrechnen können.

Anders sieht es aus, wenn ein Arbeitnehmer trotz bestehender Unwägbarkeiten in die Schneegebiete aufbricht und zu spät zurückkehrt. Dann ändert sich die Schuldfrage. Der Arbeitnehmer hat sich bewusst in eine kritische Situation begeben.

Somit kann von höherer keine Rede mehr sein. Es ist sogar möglich, dass er bei einer Verspätung unter diesen Umständen Ersatz für einen eingetretenen Schaden zu zahlen hat – den der Arbeitgeber allerdings nachweisen müsste (etwa einen verpassten Auftrag).

Ansonsten gilt auch im Arbeitsleben: Arbeitgeber und Arbeitnehmer haben einen „Vertrag“ geschlossen. Das schließt das „Vertragen“ mit ein.

Urlaubspläne helfen, den Überblick zu behalten.
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