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Rasante Fahrt in die Steuerfalle

Firmenwagen für Bäcker? Eher nicht. (Quelle: Shutterstock/jamesteohart)+
Firmenwagen für Bäcker? Eher nicht. (Quelle: Shutterstock/jamesteohart)

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Wer beim Firmenwagen steuerliche Vorteile ausschöpfen will, sollte einiges beachten

Fährt der Bäcker einen Sportwagen und gibt gegenüber dem an, den Wagen ausschließlich als Firmenwagen zum Transport von Mehlsäcken oder zur Lieferung „schneller Torten“ zu nutzen, hat das so seine Zweifel an der Rechtmäßigkeit dieser Angaben.

Es gibt nämlich keine gesetzliche Regelung, welche Voraussetzungen ein Fahrzeug erfüllen muss, um als Firmenwagen akzeptiert zu werden. Ob das Fahrzeug als solches durchgewunken wird, entscheidet der Fiskus.

Diese drei Punkte

prüft das Finanzamt

Der Finanzbeamte prüft dafür drei Punkte: Stehen die Anschaffungskosten des Fahrzeugs in einem gesunden Verhältnis zum Gewinn des Betriebs? Werden nachvollziehbare, geschäftlich gefahrene Kilometer nachgewiesen? Entspricht das Fahrzeug der Zweckmäßigkeit für einen geschäftlichen Einsatz? Mit einer positiven Antwort auf letzte Frage könnte sich der Sportwagenfahrer schwertun.

Zunächst ist zu klären, unter welchen Bedingungen überhaupt von einem Firmenauto gesprochen werden kann. Wird das Fahrzeug zu zehn Prozent oder weniger als Geschäftswagen genutzt, gilt es steuerlich als Privatfahrzeug.

Wird das Fahrzeug zwischen zehn und 50 Prozent für betriebliche Zwecke genutzt, gilt es als „gewillkürtes Betriebsvermögen“ oder Privatvermögen – abhängig von der Entscheidung des Betriebsinhabers.

Das gewillkürte Betriebsvermögen wird ins Anlagevermögen aufgenommen. Hierüber sollte das Finanzamt informiert werden. Ein geleastes Fahrzeug gehört nicht zum Anlagevermögen. Der Nutzungsanteil muss gegenüber dem Finanzamt dokumentiert werden.

Ein Auto muss als Geschäftswagen zum Betriebsvermögen gerechnet werden, wenn es zu mehr als 50 Prozent für betriebliche Zwecke genutzt wird. Das bedeutet, dass mehr als die Hälfte der in einem Jahr zurückgelegten Kilometer geschäftsbedingt sind.

Hiervon geht das Finanzamt automatisch aus, wenn allein die Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb bereits die Hälfte der Kilometer ausmachen.

Außerdem sieht das Finanzamt die Voraussetzungen für einen Geschäftswagen als gegeben an, wenn aus der Tätigkeit zu schließen ist, dass der Besitzer auf das Fahrzeug angewiesen ist.

Das Finanzamt

denkt in Grundsätzen

Hat ein Bäcker einen Kleintransporter angeschafft, könnte er von einer geschäftlichen Nutzung zu 100 Prozent ausgehen – wird dieser doch ausschließlich für geschäftliche Zwecke wie das Pendeln zwischen den Filialen genutzt.

Bei der daraus resultierenden Annahme, durch die rein beruflichen Fahrten fielen keine Steuern an, spielt der Fiskus allerdings nicht mit. Dessen Mitarbeiter unterstellen per Grundsatz die private Nutzung eines Geschäftswagens.

Um dieser Falle zu entgehen, kann ein Fahrtenbuch geführt oder ein Fahrzeug angeschafft werden, bei dem das Finanzamt keine private Nutzung unterstellen darf.

Hier wird‘s

streng beruflich

In diese Kategorie fallen Fahrzeuge, die über folgende Merkmale verfügen: eine hohe Zuladung von mehr als 500 kg; eine Ladefläche, die größer ist als der Fahrgastraum; keine Möglichkeit, im hinteren Fahrzeugbereich Sitze einzubauen; ein geschlossener hinterer Fahrzeugbereich ohne Fenster; lediglich zwei Sitzplätze (wobei der Sportwagen explizit nicht gemeint ist), eine Trennwand zwischen Fahrgast- und Ladebereich.

Als Folge auf ein Urteil des Bundesfinanzhofs hat das Bundesministerium für Finanzen klargestellt, unter welchen Bedingungen keine private Nutzung eines Fahrzeugs angenommen werden darf(Rundschreiben vom 18. November 2009 – Aktenzeichen IV C 6 – S 2177/07/10004, Randziffer 12).

Quelle: afz/fischer

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