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Mit Kaffee-Vielfalt alle Generationen ansprechen

Der Röster „Hochland Kaffee“ ist mit einer Kaffeebar im Buchhandel präsent – ein Geschäft, das auch ein Bäcker machen könnte. 
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Der Röster „Hochland Kaffee“ ist mit einer Kaffeebar im Buchhandel präsent – ein Geschäft, das auch ein Bäcker machen könnte.

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Der profitable Kaffee-Markt ist hart umkämpft und bietet dennoch viele Chancen / Enkel und Opa mit unterschiedlichen Konzepten bedienen

Stuttgart (jüwa). Die Kaffeebohne ist wieder Kult geworden. Aus McDonald`s wird McCafé. Kleine Röstereien erleben eine Renaissance. Der Buchmarkt offeriert Kaffee-Kochbücher – bis hin zu Tipps, wie der Kaffee am besten zu Hause selbst geröstet wird. Die Verbraucher entdecken zunehmend die Vielfalt des Kaffees sowohl beim Geschmack als auch bei der Zubereitung.

Der Buchmarkt hat bereits darauf reagiert und bietet aktuelle Titel wie „Kaffee-Kult“, „Kaffeebar“, „Die Welt des Kaffees“ und „Kaffeerösten zu Hause“ an. Das Zielpublikum dürften die vielen Haushalte sein, die sich in den vergangenen Jahren mit Kaffee-Vollautomaten und Siebträger-Maschinen eingedeckt haben und nun nach neuen Anregungen suchen, wie sie lifestylegerecht den Kaffee-Genuss zelebrieren können. In Hörfunk und Fernsehen gibt es bereits Fragesendungen, in denen Kaffee-Experten den Fragen der Kaffee-Enthusiasten Rede und Antwort stehen. Selbst Spiegel TV widmete dem Kultgetränk ein Special mit der Aussage„Kaffee ist hip, selbst erlesene Sorten für 150 Euro das Pfund finden Abnehmer“.

Herkunft und Qualität

Auch für die Herkunft und Qualität der Kaffeebohnen interessieren sich immer mehr Menschen. Davon profitieren kleine Röstereien, die sortenreinen Kaffee aus unterschiedlichen Anbaugebieten anbieten. Einen Kundenkreis von Kaffee-Genießern hat sich in den letzten Jahren der Kaffee-Sommelier Uwe Liebergall aufgebaut. In seinem klassischen Konditorei-Café stehen selbst geröstete, sortenreine Kaffees hoch im Kurs, die auch in Seminaren für Kunden verkostet werden.

Doch neben dem Markt für den langsamen Genuss entwickelt sich der Coffee-to-go-Markt noch rasanter. Die Verbraucher verlangen nach dem schwarzen Elixier in allen Lebenslagen: vor der Schule, vor der Arbeit, in der Mittagspause, nach der Arbeit und nach dem Einkauf. Das ist den großen Coffee-Shop-Ketten nicht entgangen.

„Nun steht auch das gastronomische Konzept des Coffee-Shops vor seinem Durchbruch, wo die italienischen Kaffee-Spezialitäten bevorzugt serviert werden“, vermeldete die Deutsche Presseagentur zu Beginn dieses Jahres. Anlass war die Ankündigung von McDonald´s, die Anzahl der Coffee-Shops in Deutschland bis zum Jahresende nochmals deutlich auszubauen.

Kampf um die Bohne

Zu diesem Zeitpunkt gab es die Coffee-Shops in rund 400 der 1280 deutschen Filialen, 14 davon in Berlin. Bis zum Jahresende soll die Zahl deutschlandweit auf 500 steigen. Zum Vergleich verfügten zur selben Zeit Tchibo über 500 und Starbucks über 113 Coffee-Shops. Erklärtes Ziel von McDonald´s ist es, damit generationenübergreifend ein neues Publikum anzusprechen. Das heißt, Enkel und Opa sollen sich zu Burger und Kaffee treffen.

Marktanteil ist gestiegen

Hintergrund dieser Entwicklung ist, dass das Außer-Haus-Geschäft mit Kaffee in den vergangenen Jahren anteilig von 20 auf 30 Prozent am Gesamtmarkt gewachsen ist. Noch steigende Absätze, aber schon eine erkennbare Sättigungsgrenze sieht hier Klaus Rödel, Geschäftsführer von Heimbs Kaffee. Der Deutsche Kaffeeverband sieht für den Außer-Haus-Markt in der Zukunft noch weiteres Wachstumspotenzial und führt vor allem andere europäische Länder an, in denen der Außer-Haus-Konsum wesentlich höher ausfällt als in Deutschland. Ob schließlich der qualitative Sprung von Coffee-Shops aus den Innenstädten und schicken Großstadt-Vierteln in eine flächendeckende Präsenz gelingt, ist allerdings in Branchenkreisen umstritten. Die Aufs und Abs im Coffee-to-go-Markt hat Mathias Bidlingmaier an der eigenen Haut erfahren.

„Wer heute keinen

Cappuccino anbieten kann,

hat schon verloren.“

Vor vier Jahren eröffnete er einen Coffee-Shop in der Nähe seines Konditorei-Cafés. Sein Fazit: „Wer sich in diesem Markt behaupten will, muss sich unterscheiden und besser sein als die anderen.“

Kaffee mit Milch hat in den letzten Jahren eine aufregende Entwicklung vollzogen. Latte Macchiato, Cappuccino und Espresso haben inzwischen bei vielen Kaffeetrinkern ihren Marktanteil erobert. Dies zeigt sich auch in den Wirtschaftszahlen des Deutschen Kaffeeverbandes. Der Absatz von Espresso/Caffè Crema ist im Jahr 2006 um 20 Prozent auf 30.000 Tonnen gestiegen. Lebte in den vergangenen Jahren der Markt hauptsächlich von Importen aus Italien, so wurde 2006 erstmals so viel Espresso/Caffè Crema in Deutschland geröstet, wie aus Italien importiert wurde.

„Wer heute keinen Cappuccino anbieten kann, hat schon fast verloren“, schätzt Heike Benz von Zumtobel Gourmet Kaffee die Situation bei Konditoreien und Bäckereien ein.

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