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Mahlerzeugnisse mit Mehrwert sind Erfolgsprinzip

Hinter der Schapfenmühle steht die ganze Familie: Ulrike und Ralph Seibold (von links) mit den Kindern Carl und Anna sowie Britta Hellmann (Zweite von rechts) und Heinz Künkele.  (Quelle: Unternehmen)+
Hinter der Schapfenmühle steht die ganze Familie: Ulrike und Ralph Seibold (von links) mit den Kindern Carl und Anna sowie Britta Hellmann (Zweite von rechts) und Heinz Künkele. (Quelle: Unternehmen)

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Die Schapfenmühle veredelt Getreideprodukte für viele Zielgruppen / Familienunternehmen klassischer Prägung mit gelungener Nachfolge


Von Dieter Kauffmann

Dass wir regionales Getreide verarbeiten und unsere Landwirte persönlich kennen, ist das, was uns ausmacht“, erklärt Ralph Seibold die Philosophie der . „Durch den über Jahrzehnte gepflegten, partnerschaftlichen Kontakt zu den Erzeugern bekommen wir die von uns gewünschte Qualität, sorgen gleichzeitig für den ökologischen Anbau in der Region und sichern die lückenlose Rückverfolgung.“

Ralph Seibold ist als neuer seit Anfang des Jahres an der Spitze des Ulmer Familienunternehmens. Er folgt damit Inhaber Heinz Künkele nach, der sich aus dem aktiven Geschäft zurückgezogen hat. Die große Mühle im Südwesten der Bundesrepublik ist seit mehr als 120 Jahren im Familienbesitz und bleibt mit dem Wechsel an der Spitze weiter in der führenden Hand der Familie. Denn Ralph Seibold (42) ist als Schwiegersohn von Heinz Künkele schon seit mehr als zehn Jahren im Unternehmen tätig und kennt das Geschäft der Schapfenmühle bestens. Selbst aus einer mittelständischen Unternehmerfamilie stammend, hat er sich als gelernter Speditionskaufmann und studierter Wirtschaftswissenschaftler über die Jahre mit den verschiedenen Geschäftsfeldern vertraut gemacht. Unterstützt wird er dabei von Ehefrau Ulrike Künkele-Seibold, die für den Getreideeinkauf zuständig ist, sowie einem dreiköpfigen Führungsteam, das die einzelnen Unternehmensbereiche leitet.

Die Schapfenmühle hat erst in den vergangenen 30 Jahren die Größe und Bedeutung erlangt, wie sie sich heute im Markt darstellt. Heute sind an den Standorten Ulm-Jungingen, Dornstadt und Neenstetten 180 Mitarbeiter beschäftigt, die für drei Hauptgeschäftsbereiche tätig sind. Ausschlaggebend für das Wachstum waren letztlich betriebliche Notsitationen und darauf folgende mutige unternehmerische Entscheidungen von Müllermeister Heinz Künkele. Denn die Schapfenmühle war ursprünglich im sogenannten Fischerviertel in der Ulmer Innenstadt angesiedelt, wo sie aber vor gut 30 Jahren komplett abgebrannt ist.

Heinz Künkele baute die Mühle mit dem nun weithin sichtbarem Siloturm bei Ulm-Jungingen wieder auf, aber nach den zwei Jahren Bauzeit hatten die Wettbewerber das bisher von der Schapfenmühle an die Bäcker gelieferte Kontingent längst vereinnahmt. Also suchte Künkele nach Alternativen für die Getreideverarbeitung zum einzig vom Preis bestimmten Bäckermehl. Da kam ihm zupass, dass sein Nachbar im Gewerbegebiet, der Drogeriemarktkonzern Müller, auf den damals neuen Trend setzte. Künkele investierte in eine Schälmühle und stellt seitdem Haferflocken und andere Naturkostprodukte für den Einzelhandel her. Dieses Geschäftsfeld wurde ausgeweitet, denn mittlerweile werden auch Spezialprodukte auf Getreidebasis für die weiterverarbeitende Industrie produziert.

Vor allem im Bäckergeschäft sieht sich die Schapfenmühle in vielen Bereichen als Vorreiter. So setzte Heinz Künkele schon auf Bio, als dieser Trend noch unbekannt war. 2003 erweckte die Schapfenmühle den gewissermaßen zu neuem Leben und kreierte mit dem Schwabenkorn eine Dinkel-Mühlenmischung für Bäcker. 2009 wurde mit einer speziellen Züchtung der Gerste – der Beta-Gerste – eine Vormischung für Backwaren mit hoher gesundheitlicher Wertigkeit entwickelt. Seit 2011 gibt es bei der Schapfenmühle das als Ceral Gran bezeichnete Verfahren, mit dem ganze Getreidekörner gepufft werden und so für eine hohe Wasserbindung in Teig und Gebäck sorgen.

Im vergangenen Jahr hat die Schapfenmühle die Urgetreidesorte mit einer Mühlenmischung neu im Markt platziert. Dieser Produktentwicklung vorausgegangen war eine langjährige Zusammenarbeit mit Saatgutzüchtern, Vertragslandwirten und der Universität Hohenheim. Das Ziel dabei ist der Erhalt klassischer Getreidesorten, indem ein wirtschaftlicher Anbau ermöglicht wird.

Das Getreide für die Mahlerzeugnisse mit Mehrwert stammt inzwischen aus rund 300 Betrieben im Umkreis von bis zu 100 Kilometern und erfüllt mit diesen Anforderungen die bei der Schapfenmühle seit Jahren gelebte Tradition – regional, transparent und nachhaltig.

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