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Lifestyle bringt Umsatz

Mit einem sehr ausgefallenen Terrassenbeispiel hat Jäckstein Ladenbau auf der Internorga für Aufsehen gesorgt.
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Mit einem sehr ausgefallenen Terrassenbeispiel hat Jäckstein Ladenbau auf der Internorga für Aufsehen gesorgt. Der künstlerische Touch spricht vor allem junge Leute an.

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Ladenbau

Das Außer-Haus-Geschäft prägt den Ladenbau: Durch die Aktivitäten der Billigkonkurrenz sind individuelle und attraktive Konzepte noch stärker gefragt.

Von Reinald Wolf

Frühstück, Snack, Gastronomie und – als erfolgreicher Bäcker muss man heute die gesamte Palette einer sogenannten Tageszeitenbäckerei bedienen, um die Wertschöpfungskette zu erweitern. Aber man darf dabei das Geschäft mit immer frischen und hochwertigen Backwaren nicht aus den Augen verlieren. Zumindest an bestimmten Standorten hat man schnell das Nachsehen, wenn man sich als Bäckerei nicht dergestalt als Eierlegende Wollmilchsau präsentiert. Zumindest vergibt man die Chance, vom lukrativen Tisch des Außer-Haus-Geschäfts zu naschen und sich gegenüber den Billiganbietern am Backwarenmarkt zu profilieren. Vor allem das Kaffeegeschäft bietet noch beträchtliches Potenzial.


Doch diese Themen sind buchstäblich raumgreifend. Das heißt, die Eierlegende Wollmilchsau schreit nach funktionalen, flexiblen, klaren und attraktiven Verkaufsraumkonzepten. Vor allem das zunehmende Kaffee- und Gastronomieangebot in Bäckereien haben stilbildende Auswirkungen. Einerseits durch zusätzliche funktionale Anforderungen, andererseits auch durch gehobene Ansprüche ans Ambiente. Denn merke: die Konkurrenz schläft nicht, zumindest nicht immer. Auch Backdiscounter oder die hauseigenen Vorkassenbäcker des Lebensmitteleinzelhandels (Schäfer, K & U z.B.) setzen inzwischen auf Café, Bistro und Co., um dem zunehmenden Marktdruck durch die Backstationen der Lebensmitteldiscounter zu begegnen. Das heißt, mit 0815-Lösungen sind wir wieder mittenmang in der Vergleichbarkeit.

Handwerksbäcker müssen deshalb vor allem eines bieten: Mehrwert in Sachen Lebensqualität. Die Qualität des Angebots und des Services in Kombination mit dem vielbeschworen Wohlfühlambiente sind so gesehen die Schlüsselfaktoren für den Geschäftserfolg. Und die Marschroute ist in den meisten Fällen klar: Das Bäckerhandwerk wird gastronomischer. Diese Gastrokompetenz manifestiert sich auch im Ladenbau. „Wer heute keinen Kaffee und Imbiss anbietet, hat es schwer, den Umsatz zu halten oder gar zu steigern“, gab Walter Knittel, Direktor der Bäko Region Stuttgart auf seiner letzten Hausmesse (siehe Seite 26) zu bedenken.

Gastro bringt Umsatz

Mit dem Gedanken ist er nicht alleine, wie die Investitionszahlen belegen. Immerhin 58 Prozent der Kollegen wollen in Ladeneinrichtungen und 52 Prozent in Kaffeekonzepte investieren. Auch Ladenbacköfen stehen mit doch 35 Prozent ganz oben auf der Wunschliste, so die Ergebnisse unseres letzten ABZ-Monitors (siehe ABZ 6, Seite 6). Das heißt, Kaffeespezialitäten, , im weitesten Sinne das gastronomische Angebot und die Frischeproduktion vor den Augen der Kunden, sind die beherrschenden Themen der Zeit.

Kleine Fläche – großes Geschäft

Der moderne Ladenbau schafft dafür die räumlichen Voraussetzungen. Und wenn es sein muss, wird dem Geschäftserfolg auf engstem Raum Entfaltungsmöglichkeiten geboten. So wird auch kleineren Bäckereien die Möglichkeit geboten, alle relevanten Geschäftsfelder zu bedienen. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür hat die Firma Alkü den Messebesuchern auf der Internorga in Hamburg geboten. Links die Siebträgermaschine zur Herstellung von Espresso und Co., im Anschluss die Belegstation für Snacks, übers Eck die Präsentation fertiger Snacks, der Etagenbackofen mit anschließendem Brotregal, der Kuchentheke und einem kleinen aber feinen Cafébereich. Wohlgemerkt, nicht großzügig, aber hier werden in ansprechender Weise das Geschäftspotenzial des Bäckerhandwerks aufgezeigt.

Für kleine, aber feine Konzepte steht auch Ladenbau Nestler. Als sehr anschauliches Beispiel gilt hier die Museumsbäckerei in Zingst, die von Thomas Müller, dem Landesinnungsmeister von Mecklenburg-Vorpommern betrieben wird. Maßgabe: Viel Umsatz auf wenig Fläche, mittels Etagenbackofen, Kaffeemaschine mit Regal und Theke mit klarer Linie und eleganten Design. Und wie es sich für eine Bäckerei beim Heimatmuseum gehört, dominieren natürliche Materialien, vor allem die Vollholzkonstruktion. Wobei auch schon zwei weitere Trends im Ladenbau angesprochen wären: Natürliche Rohstoffe und klare Linie. Wodurch die präsentierten Backwaren effektiv zur Geltung kommen. Praktisch barrierefreie Theken in kubischer Form unterstützen diese Wirkung noch. Aha Ladenbau, Schweitzer oder Berner Ladenbau unter anderem haben reinigungs- und bedienungsfreundliche Lösungen im Programm.

Bedienungskomfort und Stabilität sind neben der Ästhetik wichtige Argument beim Kauf einer Theke. Hier lohnt sich, die Angebote genau zu vergleiche. Im Übrigen ist die Lösung von der Stange eh passé. Es gibt kaum einen Ladenbauer, der nicht auf individuelle Konzepte setzt. Denn gefragt sind stimmige Betriebs- bzw. Standortkonzepte. So gesehen ist auch der Service rund um den Ladenbau ein wichtiges Kriterium für den jeweiligen Anbieter. Marktforschung, Standortanalyse, Sortimentsentwicklung und Präsentation, ja selbst bei der Preisgestaltung können die Ladenbauer oft ein sinnvolles Wort mitreden. Bei Korte zum Beispiel ist mit Harald Krebs ein Berater im Außendienst im Einsatz, der für die Unternehmen nicht nur Laden- , sondern komplette Verkaufskonzepte entwickelt, vor allem wenn es darum geht, das gastronomische Geschäft zu forcieren – Verkaufschulungen inklusive, wenn gewünscht. Das heißt, die „Typberatung“ gehört praktisch zum Programm. Und es ist mit der Theke wie an der Theke: Service ist ein entscheidender Faktor und kreative und flexible Ideen sind gefragt. Schließlich will man der Konkurrenz immer eine Idee voraus sein. Schon deshalb sind modulare Konzepte zunehmend im Fokus. Nicht nur wegen des vielfältigen und tageszeitlich wechselnden Angebots, dem man auch räumlich gerecht werden muss.

Da hat die Ladenbaubranche wahrlich einiges zu bieten, wie einige anregende Beispiele exemplarisch zeigen.

So hat Jäckstein Ladenbau mit einem ausgefallenen Terassenkonzept auf der Internorga für Aufsehen gesorgt – quasi als Auftakt für die Sommersaison. Aber auch als Zeichen dafür, dass die gastronomische Komponente für Impulse im Bäckerhandwerk sorgen kann. Alte Fenster als Deko und Blickfang geben dem Ganzen einen künstlerischen Touch. Wie gesagt, es geht um Lebensqualität und da spielt neben der Qualität auch der Stil eine umsatzfördernde Rolle. Vor allem, wenn es darum geht, wieder mehr junge Leute in den Laden zu locken.

Flexibel für Umsatz sorgen

Ob Panevari und Varioflip von Aichinger, Varioplus von Schweitzer oder die Kubusline von Schrutka Peukert – um nur einige Beispiele zu nennen – flexible Regal- und Thekensysteme sind gerade im Zusammenhang mit der Tageszeitenbäckerei wichtige Elemente, um den sich veränderten Präsentationsbedarf im Laufe des Tages zeitnah zu bedienen. Maßgabe: Die Gewichtung der Angebotsbereiche verändert sich, der Warendruck sollte insgesamt erhalten bleiben. Das erklärte Ziel dabei ist, tageszeitlich bedingte Umsatzlöcher zu „stopfen“, um so den Umsatz auf bestehender Fläche zu beleben.

Flexibilität kann aber auch auf das gesamte Raumkonzept ausgedehnt werden. So bietet die Costagroup aus Italien, dieses Jahr zum ersten Mal auf der Internorga vor Ort, nicht nur rustikale Eleganz im Ladenbau, sondern auch die Möglichkeit, den Laden nach Bedarf umzunutzen. „Hotel Bread“ heißt das Konzept: Laut Unternehmen kann das räumliche Schwergewicht auf Bäckerei, Café, Teestube, Restaurant, Cocktail- oder Weinbar gesetzt werden – Costa spricht von einem multifunktionalen Raum. Atmosphärisch heißt das Zauberwort „Lifestyle“. Eine interessante Vision mit Potenzial.
Raumwandlerische Projekte

Konkreter ist da Backbares von Walterscheid. Das Motto lautet „Lebensgefühl von früh bis spät“ und die Idee ist, das Geschäft auf den Abend auszudehnen, indem die Bäckerei sich durch ein paar Handgriffe in eine Cocktailbar verwandeln lässt. Ein „raumwandlerisches“ Projekt, das schon existiert.

Auch Schmees Ladenbau hat eine Filialeinrichtung zu bieten, die „schnell und ohne schwierige Umbauten an die unterschiedlichen Konsumschwerpunkte im Tagesverlauf angepasst werden kann“, wird in einer Pressemeldung erklärt. „Brot & Wein nennt sich das Einrichtungssystem, das in den frühen Abendstunden noch für Umsatz sorgen soll. Erreicht wird die optische und funktionale Wandlung mit drei „Tricks“, wie es bei Schmees heißt: In einem zusätzlichen Rollregal können Flaschen und Gläser präsentiert werden. Die Theke wird per Klappmechanismus zum Bartresen verwandelt und aus dem Thekekorpus werden schienengeführte Barhocker gezogen. Fertig ist das Ambiente für Leute, die sich vor dem Kinobesuch noch ein Glas Wein gönnen wollen.

Auch hier geht es um Lebensqualität und Lifestyle. Ein Aspekt, dem auch die einschlägigen Ausstatter und Einrichter Rechnung tragen. So hat die Stuhlfabrik Schnieder sehr pfiffige und trendige Modelle auf Lager, die auch die jungen Gäste ansprechen. Oder Go In wartet gar mit einem Gastrositzmöbel (Deco Art) in Anlehnung an ein Kunstobjekt auf. Breit aufgestellt ist der Gastroausstatter Vega. Ob Außen oder Innenbereich. Ob Tisch, Lampe oder clever gestaltetes Geschirr oder Besteck – es gibt fast nichts, was man nicht im 24-Stundenservice bestellen kann, um Lebensqualität und Umsatz zu steigern. Was bei entsprechenden Umbaumaßnahmen vorübergehend nicht gegeben ist.

Bei Umbau Verkauf im Mobil

Aber auch da gibt es eine Lösung: Borco-Höhns bietet für diese Fälle an, Verkaufsfahrzeuge zu stellen, in denen der Verkauf übergangsweise getätigt werden kann.


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  • Snacks
    Werner Kräling | Jürgen Rieber

    Snacks

    Das Spektrum der Snacks ist riesig: Belegte Brötchen, Brote, Sandwiches, Bagels, Seelen, Waffeln, Muffins, Fladenbrote, gebackene Snacks, Panini, Pizza, Strudel, Zwiebelkuchen, Quiches, Flammkuchen und kleine Gerichte.

    mehr...

Auch die Milch macht‘s: Über deren möglichst regionale Herkunft zu sprechen, wertet das Gesamtgetränk auf.
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