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Kranke Kinder belasten Eltern und Betriebe

Wenn Mitarbeiter ihre kranken Kinder betreuen, fallen sie für die Betriebe aus. (Quelle: Fotolia)+
Wenn Mitarbeiter ihre kranken Kinder betreuen, fallen sie für die Betriebe aus. (Quelle: Fotolia)

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Chefs müssen betreuende Mitarbeiter freistellen / Lohnfortzahlung gibt es nicht in jedem Fall

Von Wolfgang Büser

und Maik Heitmann

Die sechsjährige Tochter ist krank geworden und kann nicht in die Schule gehen. Die Eltern – beide berufstätig – entscheiden, dass die Mutter daheim beim Kind bleiben soll. Darf sie sich wegen dieser Situation „krank melden“ und Gehaltsfortzahlung beanspruchen?

Mit dieser Begründung nicht. Denn es ist ja nicht die Mutter, die krank ist, sondern die Tochter.

Anspruch auf zehn

„freie Tage“ pro Kind, pro Jahr

Gesetzlich Krankenversicherten, stehen in diesem Fall jedoch „freie Tage“ für die Betreuung eines unter zwölf Jahre alten Kindes zu – und zwar zehn Tage pro Jahr pro Kind. Bei beiderseits erwerbstätigen Eltern bis zu 20Tage pro Kind. Für zwei Kinder wären es bis zu 20 (für beide Eltern somit 40) Tage, ab drei Kindern bis zu 25 (somit 50) Tage.

Und damit Alleinerziehende nicht im Nachteil sind, bestimmt das Gesetz, dass sie wie ein Ehepaar behandelt werden – jedenfalls mit Blick auf das „Kinderpflegekrankengeld“.

Alleinerziehende werden

wie Eheleute behandelt

Im Klartext: Eine alleinstehende Mutter mit zwei Kindern kann bis zu 40Arbeitstage bezahlt zu Hause bleiben. Hat sie drei Kinder, dann sind es 50Tage – fast zwei Monate. Immer unterstellt, dass die erkrankten Kleinen aufgrund eines ärztlichen Attestes so lange die elterliche Fürsorge benötigen – und sonst niemand im Haushalt ist, der dies übernehmen könnte wie etwa die Großeltern.

Was bezahlt

die Krankenkasse?

Die AOK oder Ersatzkasse, die Betriebs-, Innungskrankenkasse oder Knappschaft leisten 90Prozent des vorherigen Nettoverdienstes.

Sollte allerdings im Arbeits- oder Tarifvertrag nicht ausdrücklich geschrieben stehen, dass in Fällen der Betreuung von kranken Kindern der Arbeitgeber den Lohn nicht fortzuzahlen hat, ist die Firma leistungspflichtig. Sie muss jedoch nach Entscheidungen des Bundesarbeitsgerichts pro Jahr nur für fünf Tage einspringen.

Für privat Versicherte gelten

oft andere Regeln

Besonders bedeutsam ist die Regelung, nach der der Arbeitgeber vor der Krankenkasse leistungspflichtig ist, für privat Versicherte. Da ihre Versicherungsverträge im Regelfall ein „Kinderpflegekrankengeld“ nicht vorsehen, sind diese Eltern allein auf Ansprüche gegen ihren Arbeitgeber angewiesen – wenn sie nicht per Vertrag (siehe oben) ausgeschlossen sind.

Die private Signal Iduna-Krankenversicherung hat beispielsweise inzwischen mit der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gleichgezogen – wenn auch gegen Zusatzbeitrag.

Arbeitgeber müssen freistellen

– auch unbezahlt

Die Arbeitgeberzahlung würde zu 100Prozent zustehen, folglich so, wie wenn ein Arbeitnehmer arbeitsunfähig krank wäre. Und die Begrenzung auf zwölf Jahre ist für Arbeitgeber im Gesetz ebenfalls nicht vorgesehen. Muss aber der Arbeitgeber den Verdienst weiterzahlen, dann ist die Krankenkasse insoweit aus dem Schneider.

Ist der Chef nicht verpflichtet, Geld für solche Arbeitsausfälle zu zahlen, dann hat er aber den jeweiligen Elternteil unbezahlt freizustellen.

Sind Mutter und Vater bei verschiedenen gesetzlichen Krankenkassen versichert, so steht ihnen unabhängig davon das Kinderpflegekrankengeld bei der Kasse zu zu, bei der das Kind „mitversichert“ ist.

Hat ein Elternteil seinen Höchstanspruch in einem Jahr – zum Beispiel zehn Tage bei einem Kind – ausgeschöpft, so kann er von seinem Ehepartner noch vorhandene Betreuungstage „übernehmen“. Allerdings muss sein Arbeitgeber mit diesem Tausch einverstanden sein.

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