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Klare Antworten auf schwammige Fragen

Fragen rund um die Ernährung werden von Kunden in den meisten Fällen eher unklar formuliert. (Quelle: Fotolia)+
Fragen rund um die Ernährung werden von Kunden in den meisten Fällen eher unklar formuliert. (Quelle: Fotolia)

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Kunden verstecken das eigene Informationsbedürfnis häufig hinter vorgeschobenen Allgemeinplätzen

Von Barbara Krieger-Mettbach

Man soll ja abends nicht so viel Brot essen“, bemerkt die Kundin, während die Verkäuferin ein halbes Mehrkornbrot für sie verpackt.

Die Fachfrau kennt die These vom Brot als Dickmacher: Es erhöht den Insulinspiegel im Blut, was die Fettverbrennung in der Nacht hemmt. Trotzdem kommt Abendessen ohne Brot für sie nicht infrage.

Jetzt wäre der richtige Moment, auf die Bemerkung der Kundin zu reagieren. Diskutieren? Klarstellen? Oder schweigen? Thema, Fachwissen, Kunde und Zeitfaktor bestimmen mit über die richtige Reaktion.

Fragen ist besser

als belehren

Kunden weder in die Enge treiben noch provozieren. Ihnen nicht widersprechen. „Das stimmt nicht. Früher war Abendbrot üblich, und niemand wurde davon krank.“

Besser funktionieren Fragen. Beispiele zum Fall: „Aus welchem Grund soll man abends weniger Brot essen?“ „Womit ersetzen Sie Brot?“ „Fühlen Sie sich besser mit weniger Brot?“ „Gilt das wirklich für Vollkorn- und Weißbrot gleichermaßen?“

Nun müssen Kunden argumentieren. Wenn ihnen das Wissen fehlt, sie unsicher werden oder sich rechtfertigen, beendet die Verkäuferin einfach die Diskussion: „Aha, das habe ich noch nicht gehört.“ So behalten Kunden ihr Gesicht und werden motiviert, ihre These zu überdenken.

Kunden stellen

häufig indirekte Fragen

Dass Kunden ihre Ernährungsfragen an der Theke klar formulieren, entspricht eher einem Wunsch als der Realität. Selbst geschulten, aufmerksamen Verkäuferinnen gelingt es nicht immer auf Anhieb, Bemerkungen als Fragen zu verstehen.

Auch die Beispielkundin fragt indirekt: „Stimmt es, dass man abends weniger Brot essen soll?“

Kunden distanzieren sich gerne mit einem „Man soll...“.

Berichten sie, was die Freundin gesagt, gekauft, gegessen hat, handelt es sich meist um ihre eigene Frage. Einfacher können Verkäuferinnen beraten, wenn Kunden Ernährungsfragen klar formulieren, wie die folgenden Beispiele zeigen.

Vertragen kleine

Kinder Vollkorn?

Vollkorn ist eine gute Wahl. Je jünger die Kinder, desto feiner muss das Korn sein. Vollkornbrote aus Mehl bieten sich an, später aus feinem Vollkornschrot. So lernen Kinder das Kauen, sind aber nicht überfordert.

Von ganzen Körnern gelangt ein großer Teil grob zerkleinert in den Magen. Sie zu verdauen, ist eine unzumutbare Herausforderung für den gesamten Magen-Darm-Trakt des Kindes.

Dürfen Diabetiker

Kuchen mit Stevia essen?

Insulinpflichtige Diabetiker müssen Insulin- und Kohlenhydratdosis inklusive Zucker aufeinander abstimmen. Von den mit Tabletten behandelten Diabetikern sind gut 90 Prozent übergewichtig. Ihr Körperfett blockiert die Wirkung ihres Insulins.

Bewegung und Gewichtsreduktion verbessern ihren Stoffwechsel. Kuchen unterstützt letzteres Ziel nicht – ob mit Stevia oder Zucker. Die Empfehlung: Wenig Kuchen, aber wenn, dann ein gutes Stück genießen.

Macht Weizen

wirklich dick, dumm oder krank?

Weizen ist das dominierende Getreide in den westlichen Industrienationen. Hoher Konsum sowie gezüchtete Sorten bereiten vielen Menschen Verdauungsprobleme. Ihnen ist Reduktion oder die Rückkehr zu alten Weizenarten zu empfehlen.

Alle anderen müssen beim Brötchen weder um ihre Gesundheit noch um ihre Figur und schon gar nicht um ihre Intelligenz fürchten.

Woran erkenne ich

Zusätze auf der Zutatenliste?

Auch Lebensmittel ohne E-Nummern in der Zutatenliste können Zusatzstoffe enthalten. Ein Hinweis darauf sind unbekannte Zutaten mit schwer aussprechbaren Namen wie Hydroxypropylcellulose, Erythrosin.

Genannt werden sie immer gemeinsam mit ihrer Funktionsklasse, beispielsweise Verdickungsmittel, Konservierungsstoff, Farbstoff, Antioxidationsmittel.

Wie viele Veganer

gibt es in Deutschland?

Laut Marktforschungsinstitut Skopos ernähren sich 1,3 Millionen Menschen in Deutschland vegan. 1000 Personen hatten die Forscher im Oktober 2016 befragt. Vor drei Jahren ging der Vegetarierbund noch von 900.000 Veganern aus.


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