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Ireks: 150 Jahre frische Ideen rund ums Korn

Ende der 1920-er wurde das Ireks-Institut für Bäckereiwissenschaften gegründet.+Zur Fotostrecke
Ende der 1920-er wurde das Ireks-Institut für Bäckereiwissenschaften gegründet.

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Firmenportrait

Eine Zeitreise von den Anfängen als kleine Handelsmälzerei / Mit über 1800 Mitarbeitern gehört man zu den Big-Playern auch im Backgewerbe

Kulmbach (p). Seit 150 Jahren steht das Familienunternehmen Ireks für innovative Produkte, umfangreichen Service und frische Ideen. 150 Jahre wird aber nur, wer seine Tradition im Unternehmen kontinuierlich weiterentwickelt, sich dabei immer neu ausrichtet und einfach frische Ideen hat. Anlass genug, um die Geschichte des Kulmbacher Traditionsunternehmens einmal näher zu beleuchten.

Start als Mälzerei

Die Stadt Kulmbach im Norden Bayerns gilt schon seit Jahrhunderten als ein Zentrum der Braukunst. Im frühen 19. Jahrhundert gab es dort mehr als hundert kleine Brauereien. Mit dem Bau der Eisenbahn und dem Anschluss der Stadt an das Schienennetz begann Mitte des 19. Jahrhunderts die Blütezeit der Kulmbacher Bierexporte.

Um an diesem aufstrebenden Wirtschaftszweig teilzuhaben, pachtete der Bäckermeister und Brauer Johann Peter Ruckdeschel kurz nach seiner Rückkehr von einem mehrjährigen

Aufenthalt in Amerika ein Anwesen in Kulmbach. Hier waren Einrichtungen für den Betrieb einer Bäckerei, eines Bierausschanks, einer Brauerei und Mälzerei vorhanden. Sein als Bäcker und Brauer erworbenes Wissen um den Basisrohstoff Getreide nutzte er am 1. September 1856 zur Gründung einer Handelsmälzerei, die den Beginn der heute weltweiten Aktivitäten der Firmengruppe darstellt. Anfangs war die Technik des Bierbrauens und Mälzens noch sehr primitiv und mit viel anstrengender Arbeit verbunden. Mit der zunehmenden Arbeitsteilung und dem rasanten technischen Fortschritt wurde die Bier- und Malzherstellung Mitte der 1870-er Jahre erleichtert (z. B. Erfindung erster Kälteanlagen sowie der Dampfmaschine). Den damit verbundenen Trend zu industriellen Größenordnungen erkannte Johann Peter Ruckdeschel und erwarb ein größeres Gebäude mit Mälzerei.

1888 übergab der Firmengründer das Unternehmen an seinen Sohn, Johann Andreas Ruckdeschel. Neue Kapazitätsengpässe führten dann 1896 zur Errichtung einer für die damalige Zeit hochmodernen Mälzerei am Stadtrand von Kulmbach. Hier steht auch heute noch das Hauptwerk der Ireks.

Start der Backmittelproduktion

War zu Beginn der Geschäftstätigkeit vor allem hochwertiges Braumalz der entscheidende Wachstumsfaktor, so gelang dem Unternehmen im Jahr 1900 der Durchbruch im Bäckereisektor.

Immer auf der Suche nach frischen Ideen, die Bäcker und Brauer in ihrem Geschäft unterstützten, entwickelte Johann Andreas Ruckdeschel das erste mehlförmige diastatische Backmittel auf Malzbasis: Die Milliose. Sie eroberte schon bald die Backstuben im In- und Ausland und wurde zum Inbegriff des enzymaktiven Malz-Backmittels. Die Milliose wurde in vielen Ländern Europas patentrechtlich geschützt und mit Auszeichnungen bedacht, so auch zur Weltausstellung in Paris im Jahr 1900.

1914 wurde der älteste Sohn von Johann Andreas Ruckdeschel, Albert Ruckdeschel, in den Vorstand des väterlichen Unternehmens berufen. Er erkannte schon bald die Chancen des Backmittelgeschäfts und lenkte zusammen mit seinen Brüdern Dr. Willy, Dr. Hans und Robert Ruckdeschel alle unternehmerischen und finanziellen Energien in die Entwicklung und Herstellung von Backmitteln. 1921 wurde die erste eigene Versuchsbäckerei errichtet.

Mitte der 1920-er Jahre brachte Ireks Quellmehle wie Millifarin und Pax auf den Markt. Durch deren Einsatz konnten sich Bäcker auf gleichmäßige Qualität verlassen, bei der Teigherstellung sehr viel Zeit sparen und somit ökonomischer backen.

Ein weiterer Meilenstein war die Gründung des „Ireks-Instituts für Bäckereiwissenschaften“, das sich mit backtechnischen Problemen beschäftigte und fortschrittliche Arbeitsverfahren entwickelte. In dieser Zeit baute Ireks auch einen umfassenden Kundendienst auf, der sich bis heute ständig weiterentwickelt hat. 1927 erschien erstmals die Kundenzeitschrift „Des Bäckers kleiner Ratgeber“, die den Bäcker regelmäßig über aktuelle Themen und Entwicklungen rund um das Thema Backen informierte. So wurde Ireks zu einem der Pioniere der Backmittelindustrie.

1930 gelang die Erfindung des Fertigsauer, der die Herstellung des Brotes revolutionierte. So war es erstmals möglich, ohne zeitaufwändige Sauerteigführung ein Brot in direkter Führung rationell und in gleichbleibend hoher Qualität zu produzieren.

Mit der steigenden Nachfrage nach Ireks-Backmitteln wuchs auch das Unternehmen. Mehrere Zweigwerke wurden errichtet. Anfang der 1930-er Jahre zählte die Ireks-Firmengruppe bereits 400 Angestellte und Reisebackmeister.

Der Zweite Weltkrieg bescherte Ireks die schwerste Krise in der damals schon fast 90-jährigen Geschichte. Alle Produktionsstätten kamen zum Erliegen. Das Hauptwerk in Kulmbach stand rund vier Monate still, Zweigwerke waren zerstört oder demontiert.

Wachstum und Weltmarkt

Allen Widrigkeiten zum Trotz machte sich das Unternehmen schon Mitte 1945 daran, an alte Geschäftskontakte anzuknüpfen. Schritt für Schritt schaffte es Ireks bis 1949, im westdeutschen Absatzraum die alte Marktstellung wieder zu erlangen. Mit der ersten Waggonsendung nach Luxemburg lief auch das Exportgeschäft wieder an.

Im Hauptwerk Kulmbach und in den Zweigwerken investierte Ireks in neue, moderne Fertigungsanlagen. Hinzu kamen 1954 eine Bäckerei zur Schulung des Außendiensts und Kunden-Fachberatung sowie neue Forschungs-Laboratorien.

Ein wichtiger Schritt für die weitere Entwicklung der Backmittelsparte war 1955 der Erwerb der Deutschen Arkady GmbH, Hannover, die 1972 vollends in die Firmengruppe eingegliedert wurde.

Als Vertreter der nächsten Generation trat 1975 Hans Albert Ruckdeschel in die Geschäftsleitung der Firmengruppe ein. Ihm zur Seite stehen die Geschäftsführer Bernd Dieckmann, verantwortlich für das Backmittel-Inlandsgeschäft, sowie Horst Bergmann, verantwortlich für das Backmittel-Auslandsgeschäft. Auch die fünfte Generation der Familie Ruckdeschel wirkt mit Stefan Soiné, Neffe von Hans Albert Ruckdeschel, als technischem Geschäftsführer schon seit Jahren im Unternehmen mit.

Anfang der 1970-er Jahre baute Ireks die Backmittelsparte kontinuierlich aus. So wurde 1971 die Mella-Produktserie für Feingebäck entwickelt – eine Dachmarke, die noch heute in Deutschland und vielen anderen Ländern die Klammer um das wachsendes Feingebäck-Sortiment bildet.

1980 vermarktete Ireks die erste Backmischung Soja-Mix. Bis dahin war nur der Einsatz von Backmitteln üblich, nicht aber die Verarbeitung von Convenience-Lösungen. Die frühen 1970-er Jahre waren auch der Start für eine bis heute fortgeführte Internationalisierung der Ireks zur weltweit tätigen Firmengruppe mit Kunden in über 70 Ländern. Beginnend mit den ersten Niederlassungen in Italien und Frankreich, ist Ireks heute mit eigenen Back- und Servicezentren auch in Spanien, Österreich, Ungarn, den Niederlanden, Dänemark, Tschechien, der Slowakei, Polen, Kroatien, Serbien, Russland und der Türkei in ganz Europa vertreten. Die jüngste Tochterfirma, Ireks do Brasil, bearbeitet seit 2004 den südamerikanischen Markt.

Die Firma Dreidoppel in Langenfeld, ein Unternehmen mit eigener über 100-jähriger Erfolgsgeschichte, gehört ebenfalls seit 2004 zum Firmenverbund. Das Dreidoppel-Sortiment ergänzt das Ireks-Sortiment mit Aromen und anderen Grundstoffen für die Feinbäckerei sowie Zutaten für die Speiseeiserzeugung.

Das Malzgeschäft wurde über all die beschriebenen Aktivitäten der letzten Jahrzehnte nicht vernachlässigt, sondern ausgebaut. Heute versorgt die Ireks-Gruppe, ausgehend von vier Mälzereistandorten in Deutschland und Österreich, Brauerkunden im In- und Ausland, die kleine Gasthausbrauerei um die Ecke ebenso wie den Weltkonzern.

So hat sich die Mitarbeiterzahl der Firmengruppe von rund 970 Anfang der 1970-er Jahre auf heute über 1800 fast verdoppelt. Ireks erschließt neue Märkte, bekennt sich aber auch zu den angestammten Standorten mit der Zentrale in Kulmbach.

Die Investitionen machen es sichtbar, wie zum Beispiel die Inbetriebnahme eines gerade fertig gestellten, hochmodernen Logistikzentrums mit rund 8400 Palettenstellplätzen im August 2006.

Nach der Aktion zufriedene Gesichter bei Kindern und Betreuer.
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