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Gutes Image bringt Bewerbungen

Unschlagbar im Team – so hochmotiviert präsentieren sich die Azubis nicht nur in den Filialen, sondern auch bei öffentlichen Veranstaltungen. Identitätsfördernd und immer mit dabei ist das grünweiß-gestreifte Azubi-Trikot.+Zur Fotostrecke
Unschlagbar im Team – so hochmotiviert präsentieren sich die Azubis nicht nur in den Filialen, sondern auch bei öffentlichen Veranstaltungen. Identitätsfördernd und immer mit dabei ist das grünweiß-gestreifte Azubi-Trikot.

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Die K&U-Bäckerei, Offenburg, erreicht mit ihrem Ausbildungskonzept viele junge Leute und profitiert von einer gewissen Eigendynamik

Eine Bäckerei ohne Azubis ist eine Bäckerei ohne Zukunft“, so brachte Winfried Fletschinger in seinem Vortrag die Sorgen der Branche bei der betriebswirtschaftlichen Tagung in Ulm auf den Punkt. Der Fachkräftemangel für Bäckerei und Verkauf, bedingt durch den demografischen Wandel, werde ein immer drängenderes Problem und treffe die Branche, ob sie es wolle oder nicht. Ob Groß- oder Kleinbetrieb – die Backbranche hat hier ein gewaltiges Imageproblem beim potenziellen Nachwuchs, und das könne man nur gemeinsam lösen.

Wie eine solche Lösung aussehen kann, zeigt derzeit sehr erfolgreich die zur Bäckerbub-Gruppe der Edeka gehörende K&U Bäckerei GmbH mit Sitz in Offenburg, deren Ausbildungsleiter Winfried Fletschinger das Konzept den Teilnehmern auf der betriebswirtschaftlichen Tagung des Kompetenzzentrums Südwest in Ulm vorstellte.

Die K&U Bäckerei GmbH betreibt derzeit etwa 700 Filialen in Süddeutschland, die von vier Produktionsbetrieben (Reutlingen, Hilzingen, Neuenburg, Mannheim) aus beliefert werden. Um dem Mitarbeitermangel aktiv zu begegnen, entschloss sich das Unternehmen, ein eigenes Konzept für die Ausbildung auf die Beine zu stellen. Das Konzept ruht auf drei Säulen: der Auswahl durch Potenzialanalyse, den eigenen Berufsschulklassen und speziellen Azubi-Filialen.

Medienwirksame Aktionen

Um möglichst viele und gute Bewerbungen zu bekommen, wird aktiv in der Öffentlichkeit getrommelt. So ist das Unternehmen jeweils mit großen Ständen bei Azubi-Messen vertreten und sorgt mit medienwirksamen Aktionen für eine große positive Resonanz in Zeitung, Radio und Fernsehen. Aber auch andere Medien werden genutzt. So wird derzeit beispielsweise auf der Rückseite von Brötchentüten geworben. Immer mit dabei ist das grünweiß-gestreifte Azubi-Trikot, das alle Beteiligten bei Werbeveranstaltungen und natürlich auch die aktiven Auszubildenden anhaben. Das erhöht den Wiedererkennungseffekt und stärkt gleichzeitig die Verbundenheit untereinander und mit dem Unternehmen.

Alle Aktionen haben letztlich dafür gesorgt, dass im letzten Jahr 187Azubis aufgenommen werden konnten, so Winfried Fletschinger. Angeboten werden derzeit vier Ausbildungsberufe: Bäcker/in, Konditor/in, Fachkraft für Lebensmitteltechnik und Fachverkäufer/in im Lebensmittelhandwerk, Schwerpunkt Bäckerei.

Schulnoten zweitrangig

Die Ausbildungsdurchführung beim K&U-Konzept unterscheidet sich doch wesentlich von der einer traditionellen Bäckerei. Das beginnt schon bei der Auswahl der Bewerber. Diese müssen als Grundvoraussetzung erfolgreich einen einstündigen Online-Test – die Potenzialanalyse – absolvieren, bei dem auch „weiche Faktoren“ abgefragt werden. Dazu gehören beispielsweise die soziale Intelligenz, die Gewissenhaftigkeit und die Teamorientierung.

Die Bewertung durch Schulnoten spielt hier eher eine untergeordnete Rolle, so Fletschinger. Bei herkömmlich geführten Einstellungsgesprächen sehe der Personalverantwortliche nur einen kleinen Ausschnitt der Persönlichkeit, auch werde mittlerweile ein bestimmtes Verhalten bei Vorstellungsgesprächen trainiert. Dies kann durch die Potenzialanalyse erkannt werden. Die Testverfahren seien wissenschaftlich geprüft und werden von einem externen Dienstleister durchgeführt. Diese Art der Bewerberauswahl ist in der Praxis sehr erfolgreich, wie der Ausbildungsleiter betont: „Seitdem haben wir richtig gute Bewerbungen.“

Eigene K&U-Berufschulklassen sind der zweite Bereich, der anders aufgebaut ist als bei der konventionellen Ausbildung. Schon im Jahr 2006 wurden die ersten eigenen Berufsschulklassen in Freiburg und Kehl zugelassen. Mittlerweile werden insgesamt 14 eigene Klassen aller Ausbildungsjahre betrieben.

Die K&U-Klassen werden im Block unterrichtet. Das hat gegenüber dem üblichen einen Tag in der Berufsschule viele Vorteile. Die Lernfelder können intensiver bearbeitet werden, der Austausch untereinander ist besser und damit auch der Lerneffekt. Das „Wir-Gefühl“ wird durch das Zusammensein in der Klasse und im Wohnheim sehr stark gefördert und die Beziehung zwischen Lehrer und Schülern wächst. Außerdem sind die Abwesenheitstage für die Bezirksleitungen besser planbar.

Intern ergänzt wird der Schulunterricht durch zusätzliche Maßnahmen wie eine Snack- und Backschulung, Fortbildung in Hygiene und Arbeitssicherheit, Verkaufsschulung, Ersthelferkurse, ein „Knigge“-Seminar und sogar einen Selbstverteidungskurs.

Azubis führen Filialen

Die dritte Säule des Konzeptes bilden die Azubi-Filialen für die Verkaufsauszubildenden. An strategisch günstigen Standorten werden die Filialen ausschließlich von Azubis geführt. Dadurch entwickeln diese ein hohes Verantwortungsbewusstsein und werden sehr selbstständig in ihrem Handeln. Gefördert wird damit auch die Freundlichkeit, die Teamorientierung, der Service und das Fachwissen. Außerdem wird die Bindung an das Unternehmen intensiviert.

Insgesamt werden die Auszubildenden von den jeweiligen Bezirksleitungen und einem speziellen Azubi-Kompetenzteam betreut, bei dem Ansprechpartner der verschiedenen Stufen mit dabei sind. Intern wird die Ausbilderkompentenz intensiv gefördert. So konnten nach intensiver Schulung schon über 200 sogenannter Ausbildungsführerscheine übergeben werden.

Karriere im Unternehmen

Aber auch nach der Ausbildung hört die Förderung für einmal ins Unternehmen eingetretene Mitarbeiter nicht auf. Für die Entwicklung der persönlichen Karriere gibt es die „Karrieretreppe“, die Perspektiven innerhalb des Unternehmens aufzeigt. Alles in allem eine runde – aber keine billige Sache, wie Winfried Fletschinger abschließend betont. „Diese Art der Ausbildung spart keine Kosten, aber wir haben für die Zukunft die Leute, die wir brauchen!“

Diese Einstellung hat auch die Jury beim Wettbewerb um das Ausbildungs-Ass 2008 überzeugt. In der Kategorie „Handwerk“ gewann die Bäckerei den dritten Platz für die verschiedenen Projekte zur Verbesserung der Ausbildung und für die Förderung der Eigenverantwortung durch die Azubi-Filialen. Als weiteren Pluspunkt bewertete die Jury die Potenzialanalye, mit der jeder Bewerber eine faire Chance auf einen Ausbildungsplatz erhält.

Fazit: Das K&U-Konzept ist in dieser Form sicher nicht auf jeden Betrieb übertragbar, aber die Verantwortlichen bei Verbänden und Berufsbildungsgremien sollten darüber nachdenken, wie das Bäckerhandwerk von diesen Erfahrungen profitieren kann – denn unbestritten ist: die Nachwuchssorgen kommen vom schlechten Image.

Lesen sie dazu auch das Interview auf Seite 2.

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