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Unternehmensfuehrung
Bank erwartet neben differenziert aufgearbeiteten Unternehmenszahlen Infos zur künftigen Entwicklung
Von Johannes Bantzer
In Fortsetzung und Schluss der kleinen ABZ-Serie über Finanzierungsfragen der fiktiven „Meisterbäckerei Mehl & More“ geht es um die Konditionen für den Kauf einer neuen Brötchenanlage. Diese will Martin Mehl zu möglichst günstigen Konditionen über seine Bank bekommen. Dazu hat Meister Mehl eine schriftliche Darstellung seines Unternehmens sowie ein Finanzierungskonzept erstellt. Grundlage dafür war die Simulation eines Ratingverfahrens, wie es seine Bank durchführen würde, so dass er alle relevanten und kritischen Fragen bereits vorab in seinem Sinne beantworten konnte.
„Ich habe dafür eine Menge Zeit und auch Geld eingesetzt“, erinnert sich Mehl. „Aber es hat sich gelohnt: schließlich ist die Bank einer meiner wichtigsten Lieferanten: nämlich der Lieferant meiner Liquidität!“ Aber mit diesem Aufwand war es noch nicht genug: Um seine Angaben und Informationen zu untermauern und belegen zu können, musste er zusätzliche Unterlagen liefern.
Das Wichtigste sind die Informationen zur wirtschaftlichen Entwicklung. Für ihr quantitatives Rating, also die Bewertung der Unternehmenszahlen, benötigt die Bank die letzten drei Bilanzen, wobei die aktuellste Bilanz nicht älter als 6 Monate sein sollte und eine Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) mit Summen- und Saldenliste nicht älter als 6 Wochen.
Künftige Entwicklung
Aber auch und gerade Informationen zu den zukünftigen wirtschaftlichen Perspektiven sind für die Bank relevant. Denn: der Kredit wird ja aus den Gewinnen der Zukunft zurückgezahlt. „Seit einiger Zeit habe ich eine Controllingsoftware im Einsatz“, berichtet Mehl. „Die erleichtert und verbessert die regelmäßige Berichterstattung an die Bank sehr.“ Mehl kann mit diesem Instrument mit wenig Zeitaufwand seine Planung erstellen, Soll-/Ist-Vergleiche durchführen und auf Abweichungen schnell und effektiv reagieren. „Dies waren genau die Informationen, nach denen meine Bank regelmäßig gefragt hat. Jetzt kann ich sie immer zeitnah und aussagefähig liefern“, bestätigt Mehl. Aus diesen Zahlen wird auch die Liquiditätsplanung erstellt. Mit diesen Prognosen für das laufende Jahr kann die Bank zuverlässig ermitteln, ob Mehl überhaupt in der Lage ist, zukünftig Tilgungsraten und Zinsen seiner Kredite zu bezahlen.
Erwartungen begründen
„Natürlich bezweifelt die Bank immer erst mal meine Erwartungen. Deswegen erstelle ich immer noch eine Planung, die den schlimmsten Fall abbildet“, weiß sich Mehl zu helfen. In der Planung für das laufende Jahr gibt Mehl seine Erwartungen wider, die er für Umsatz und Kosten hat. Gerade beim Umsatz sind diese Erwartungen schwer zu greifen, deswegen geht Mehl mit dieser Zahl besonders sorgfältig um. Er versucht, alle Faktoren abzuwägen, die eine Umsatzveränderung bewirken können. „Natürlich kann ich nicht alles wissen, was im laufenden Jahr passieren wird. Mein Plan wird deshalb immer Abweichungen von der Wirklichkeit zeigen“, bestätigt Mehl. „Diese kann ich jetzt aber erkennen und gleich darauf reagieren.“ Dies ist genau die Vorgehensweise, die die Bank von Meisterbäcker Mehl erwartet.
Bei der Planung berücksichtigt Mehl auch die Auswirkungen der neuen Brötchenstraße, die finanziert werden soll: wie verändern sich die Kosten, wie wird die Produktivität steigen, welche zusätzlichen Kapazitäten schafft sie, was kostet die Finanzierung, gibt es Veränderungen bei den Mitarbeitern? Auch dabei lässt er sich von der Software unterstützen. Diese Wirtschaftlichkeitsrechnung legt er ebenfalls der Bank vor.
Nun hat Mehl sein Zahlenmaterial zusammengestellt. Aber die Bank benötigt noch weitere Informationen, zu ihm persönlich und zu seinem Unternehmen. Neben der regelmäßigen Vorlage von Steuererklärungen und -bescheiden gehören auch Vermögensaufstellungen zu den persönlichen Unterlagen. Aber auch Veränderungen im privaten Umfeld, die Auswirkung auf das Geschäft haben können, sind für die Bank wichtig, z.B. zusätzliche Qualifikationen, aber auch drohende Scheidung oder schwere Krankheiten.
Veränderungen mitteilen
Mehl hat vor einiger Zeit alle seine Produkte auf Bio umgestellt. „Natürlich habe das sofort der Bank erzählt“, erinnert sich Mehl. Auch von seinen diversen Zertifizierungen berichtet er regelmäßig. Er teilt der Bank Veränderungen in seiner Kundenstruktur oder seine Überlegungen zur strategischen Ausrichtung mit. „Alles, was meine Bäckerei auszeichnet und von anderen unterscheidet, weiß meine Bank“ sagt Mehl. „Nur so kann ich eine faire Bewertung durch die Bank erhalten.“
Als Vorbereitung für sein Bankgespräch hat er jetzt sein Unterlagenpaket geschnürt: Neben Unternehmensdarstellung und Finanzierungskonzept sind dies die aktuellen Unternehmenszahlen, Planung und Prognosen, Unterlagen zu seiner persönlichen Situation, Information zu den Sicherheiten. „Durch meine regelmäßigen Gespräche mit der Bank war dies zum Glück nicht sehr umfangreich. Ich musste ja nur neue Entwicklungen mitteilen“, freut sich Mehl.
Die Mühe hat sich für ihn gelohnt: Auf Grund der sorgfältig zusammengestellten Unterlagen und der Bereitstellung aller relevanten Informationen konnte die Bank schnell entscheiden. Mehl erhält einen Kredit nach seinen Vorstellungen mit Einbindung öffentlicher Fördermittel. Die Zinsen wurden niedriger vereinbart als ursprünglich angeboten. „Mein Bankbetreuer hat mir ein großes Kompliment gemacht“, freut sich Mehl noch immer. „Die tolle Vorbereitung hätte ihm und seinen Entscheidern die Arbeit sehr erleichtert und die Entscheidung zu meinen Gunsten leicht gemacht.“
