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Getreide punktet mit alternativem Gluten

Die goldgelbe Farbe des Mehls ist ein markantes Kennzeichen des neuen Getreides. (Quelle: Agrasys)+
Die goldgelbe Farbe des Mehls ist ein markantes Kennzeichen des neuen Getreides. (Quelle: Agrasys)

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Tritordeum ist eine Kreuzung aus Weizen und Gerste mit besonderen ernährungsphysiologischen Vorteilen

Von Dieter Kauffmann

Auf der Biofach im vergangenen Jahr noch als neues Bio-Getreide vorgestellt, ist nun auch in konventionell angebauter Form verfügbar. Das von dem spanischen Entwicklungsunternehmen Agrasys auf den Markt gebrachte Getreide ist eine Kreuzung von Hartweizen (Triticum durum) und Wildgerste (Hordeum chilense).

In seinem Backverhalten ähnelt es stark dem Brotweizen, entsprechend vielfältig sind seine Einsatzmöglichkeiten. Aber Tritordeum ist keine neue Weizenart, sondern ein vollkommen neues Getreide mit besonderen rheologischen, ernährungsphysiologischen und die Sinne ansprechenden Vorteilen.

Natürlicher Ursprung

ohne Genveränderung

Der Name „Tritordeum“ ist eine Kombination der wissenschaftlichen Bezeichnung der beiden Ursprungsgetreide. Tritordeum ist laut Agrasys das erste von Menschenhand gekreuzte Getreide, das für den Menschen gut verdaulich sei.

Dieser wissenschaftliche Meilenstein dürfe keinesfalls mit den neuen Techniken der genveränderten Züchtungen verwechselt werden, da Tritordeum zu 100 Prozent natürlichen Ursprungs sei.

Das neue Getreide habe eine besondere Resistenz gegen Trockenheit, hohe Temperaturen und Pflanzenkrankheiten. Der Anbau sei daher besonders für wärmere Klimazonen geeignet, in denen andere Getreidesorten schlechter wachsen.

Es wird heute in mediterranen Gebieten wie Spanien, Südfrankreich und Italien angebaut. Dass Tritordeum in Deutschland und seinen Nachbarländern angebaut werden kann, sei denkbar. Erste Tests würden an der deutsch-holländischen Grenze schon durchgeführt.

Der besondere im Anbau sei die effiziente Nutzung von Wasser und Nährstoffen, verbunden mit einer hohen Blattgesundheit. Dies führe zu einem sparsamen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bis hin zum Verzicht auf Dünger.

Erste Lieferanten

auch in Deutschland

Der Anbau erfolge nur im Vertragsanbau mit namentlich bekannten Landwirten. Lizensierte Getreidehändler erfassen das geerntete Getreide und leiten es über ausgewählte Mühlen an Bäckereien weiter.

Derzeitige Lieferanten für Deutschland für konventionelles Tritordeum-Mehl sind die Commandeursmolen in Holland sowie die Mönsheimer Mühle in Baden-Württemberg. Die wichtigsten Lieferanten für Bio-Tritordeum-Mehlen sind Gut Rosenkrantz (Schleswig-Holstein) und die Meyermühle (Bayern), die Kilo-Preise liegen zwischen 1,30 und 2,00 Euro.

Zehnfach höherer

Luteinanteil als Weizen

Die Anwendungsmöglichkeiten von Tritordeum sind ähnlich der des Weizens, so dass fast alle bekannten getreidebasierten Produkte damit hergestellt werden können.

Ernährungsphysiologisch punktet das mediterrane Getreide mit besonderen Vorzügen. Es hat laut Agrasys zehnmal mehr Lutein als . Dieses Antioxidantium trage zum Erhalt der Sehkraft bei und schütze die Haut vor frühzeitiger Alterung.

Weiter enthalte Tritordeum mehr Ballaststoffe und einen niedrigeren Anteil an unverdaulichen Gluten-Proteinen als Weizen. Letzteres bedeute für Verbraucher, dass Unwohlsein und mögliche Magenschmerzen nach dem Verzehr von Tritordeum-Brot – im Vergleich zum Weizenbrot – reduziert werden oder gar nicht mehr auftreten. Für Verbraucher mit Zöliakie ist es nicht geeignet, da in kleinen Mengen enthalten ist.

Die Farbe ist goldgelb, und auch geschmacklich unterscheidet sich ein mit Tritordeum gebackenes Brot von einem Weizenbrot. Es hat eine leicht süßlich-nussige Note, die Kruste ist karamellisiert und kräftig, die Krume fest mit offener Struktur.

Vollkorn-Tritordeum

für Deutschland

Während in Frankreich mit der neuen Getreidesorte überwiegend Baguettes hergestellt werden, rechnet Agrasys in Deutschland mit einer hohen Nachfrage nach Vollkorn-Tritordeum.

Beachten Sie auch das aktuelle ABZ-Rezept auf Seite 24.


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