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Gestalten statt verwalten

Vorher (rechts) und nachher(links): Frank und Melanie Schmidt haben ihr Hauptgeschäft zu einem trendigen Bäckerei-Cafe´ umbauen lassen. 
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Vorher (rechts) und nachher(links): Frank und Melanie Schmidt haben ihr Hauptgeschäft zu einem trendigen Bäckerei-Cafe´ umbauen lassen. (Quelle: Wolf/Beko)

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Bäckerei Schmidt hat sich mit dem Umbau des Hauptgeschäfts zu einem modernen Bäckerei-Café ein neues Geschäftsfeld erschlossen

Von Reinald Wolf

Eigentlich gibt es keinen Grund, etwas zu ändern. Das Geschäft läuft gut, Konkurrenz durch den Einzelhandel gibt es nicht vor Ort und mit den Kollegen der Region hat sich Frank Schmidt arrangiert. Doch der Inhaber der in Rheinbischofsheim (Rheinau) weiß, dass die ländlich geprägte Gegend der Oberrheinischen Tiefebene bei Kehl keine Insel der Glückseligen ist. Deshalb heißt die Devise: gestalten statt verwalten – solange das noch möglich ist. Vor diesem Hintergrund ist auch zu sehen, dass Schmidt konsequent auf Regionalmarketing setzt. Raumwirksam könnte man sagen. „Hier wächst das Brot von Morgen“, wie ein Plakat auf dem Feld ankündigt.

Regional ist optimal

Denn der 45-Jährige baut mit einem befreundeten Landwirt vor den Toren seiner Gemeinde mit rund 180 Tonnen Weizen praktisch seinen gesamten Jahresbedarf selbst an. Nächstes Jahr kommen 10 oder 15 Tonnen Dinkel dazu. Gedroschen wird das Getreide übrigens vom Bäckermeister persönlich. „Es war ein Kindheitstraum von mir, Mähdrescher zu fahren. Und es freut mich, dass ich heute mit meinem Hobby dem Betrieb zuarbeiten kann“, erklärt Schmidt, der diesbezüglich mehrere Tage im Jahr im Getreidefeld verbringt, um Hand in Hand mit dem Landwirt den regionalen Wirtschaftskreislauf zu stärken – und sich werblich nachhaltig zu profilieren.

Raumwirksam ist auch Schmidt Erweiterung des Geschäftsfeldes: Seit diesem Jahr ist die Bäckerei mit insgesamt drei Verkaufsstellen verstärkt in Sachen Snacks, Kaffee und Co. unterwegs – ausgelöst dadurch, dass Frank Schmidt und seine Frau Melanie seit einiger Zeit das ganze Haus nutzen können, in dem sich eine der Filialen des Unternehmens befindet. Den dadurch entstandenen Raumgewinn haben die Schmidts genutzt, um die in die Jahre gekommene Filiale in ein modernes Café mit Vorbereitungsbereich, Büro und Sozialräumen zu verwandeln. Im besten Einvernehmen mit dem Hausbesitzer und in Kooperation mit , dessen Projektleiter Rolf Anger für den gelungenen Umbau verantwortlich zeichnet. „Snackvorbereitung, Snack- und Backwarenverkauf, Café mit Stehtischen, Sitzbereich inklusive großem Gemeinschaftstisch, dezent abgetrennter Loungebereich und WC – es war eine echte Herausforderung, auf insgesamt 100 Quadratmetern alles optimal unter einen Hut zu bekommen“, betont Anger. Auch weil die Schmidts recht klare Vorstellungen mit eingebracht haben. Aber es ist gemeinsam gelungen, auf relativ kleinem Raum optisch und funktional optimale Lösungen zu finden. „Es hat super geklappt. Wir haben es geschafft, aus wenig relativ viel zu machen“, freut sich Melanie Schmidt – auch mit Blick darauf, dass die 14- und 18-jährigen Töchter immer wieder mit aushelfen und Interesse an der Branche haben. Immerhin waren sie aktiv bei der Auswahl architektonischer Details wie den teils stylischen Lampen am neu gestalteten Standort beteiligt.

Apropos Jugend: Seit dem Umbau kommen regelmäßig auch Schüler, um im Lounge-Bereich ihren „Stammtisch“ abzuhalten. Dank des pfiffigen Ambientes ist es seit Sommer diesen Jahres in Rheinbischofsheim auch möglich, beim Bäcker zu chillen. Die neue Bäckerei Schmidt hat es mit ihrem neuen Konzept geschafft, neue Kundenkreise anzusprechen. Unter anderem, weil die Lounge gerne von Kleingruppen genutzt wird. „Es läuft schon richtig gut. Wir haben unseren Umsatz um 20 Prozent gesteigert“, betont Frank Schmidt. Der Umsatzanteil des Snack- und Kaffeesegments hat sich auf 30 Prozent erhöht. Unter anderem auch dadurch, dass täglich etwa 100 Kaffeespezialitäten aus der Thermoplan Black&White 3 verkauft werden – viele auch to go.

Dank der Synergeieffekte hat sich übrigens der Umsatz bei Kuchen und Feingebäck verdoppelt und macht jetzt 20 Prozent des Gesamtsatzes aus. Die Domäne des Unternehmens mit insgesamt 30 Mitarbeitern – acht davon in der Produktion – ist aber nach wie vor das Brot- und Kleinbackwaren-Geschäft. Umsatzanteil: 50 Prozent. Wichtige Umsatzträger sind dabei die Holzofenbrote (500g zu 2,20 bzw. 1 Kg zu 3,20). Allein davon werden täglich rund 90 verkauft. Eines der Aushängeschilder des Unternehmens ist die Brezel (65 Cent). An Samstagen mit einem Absatz von gut 2000 Stück. Gebacken werde sie auf der Herdplatte. Für Frank Schmidt ein Muss, weil wie bei jedem Produkt sein Augenmerk auf der Qualitätsproduktion liegt. Das gilt eben auch für Berliner, die zum Beispiel bei Veranstaltungen weggehen wie die sprichwörtlich warmen Wecken. 1600 Exemplare für ein Euro pro Stück, das ist eine Hausnummer.

Französische Kunden

Bekannt ist auch die Partybrezel: Ein Prachtstück mit einem Gewicht von 1,5 Kg zum stolzen Preis von 41 bzw. 45 Euro, je nach Belag. Begehrt vor allem auch bei den Kunden aus dem Elsass, die den Weg über die Grenze nicht scheuen, weil sie die Qualität aus dem Hause Schmidt schätzen – vor allem bei den Brot- und Vollkornspezialitäten.

Gebacken wird im Backhaus unweit der Hauptfiliale. Dort kommen auch Produkte wie Brötchen, Brezeln, Butterkuchen oder Baguettes in den Ladenbackofen, um just in time backen und Handwerksproduktion vor den Augen der Kunden demonstrieren zu können. Ein insgesamt zukunftsfähiges Konzept.

Einen kritischen Punkt gibt es aber: Die Lebensmittelkontrolle schaffe es immer wieder, ihm das Leben durch Spitzfindigkeiten zu erschweren, betont Frank Schmidt. Das sollte den weiteren Geschäftserfolg jedoch nicht ausbremsen „Schließlich hat es die Bäckerei Schmidt durch die Neuausrichtung geschafft, sich rechtzeitig den modernen Herausforderungen zu stellen“, betont Beko-Projektleiter Anger.

Der Laden von Michael Otto nach dem Umbau mit neuer Theke, neuer Beleuchtung und dem ebenfalls neu gestalteten Cafébereich.
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