ABZ - Das Fachportal für Bäcker

Gekonntes Spiel mit dem Image vom kleinen Dorfbäcker

Mit Brot, Schild und Humor: Torsten Hacke hat sich und damit sein Unternehmen zur Marke gemacht. (Quelle: Harald Winkler)+Zur Fotostrecke
Mit Brot, Schild und Humor: Torsten Hacke hat sich und damit sein Unternehmen zur Marke gemacht. (Quelle: Harald Winkler)

Weitere Artikel zu


Torsten Hacke (50), der sein Unternehmen nahe Hannover betreibt, geht betriebswirtschaftlich, strategisch und werblich unorthodoxe wie kreative Wege

Von Werner Kräling

Einer, der seine Brötchentüten von Hand beschriftet, muss entweder bekloppt sein oder zu viel Zeit haben – könnte man auf den ersten Blick meinen. Doch auf trifft beides nicht zu: Es ist eine seiner ausgefallenen Ideen, Marketing als Handwerksbäcker zu betreiben, um den persönlichen Kontakt mit Kunden zu suchen.

Einmal pro Woche lässt es sich der 50-Jährige nicht nehmen, selbst mit dem Transporter nach Hannover zu fahren, um die Lieferkunden (Betriebskantinen etc.) zu besuchen und ihnen persönlich die Hand zu schütteln – in voller Bäckermontur mit großer Mütze, die er zu seinem Markenzeichen gemacht hat. Sein Porträtfoto ziert auch das Firmenlogo, das jüngst ein Update bekommen hat. Hackes Konterfei bleibt erkennbar – genau wie seine Handschrift.

Hacke ist zur Marke geworden. „Personal Branding“ heißt das neudeutsch; für Hacke ist es ein Stück gelebte Firmenkultur als bodenständiger . Der er ist – und bleiben will.

Beschränkung ist

Teil des Konzepts

„Zwei Verkaufsstellen und ein gut strukturiertes Liefergeschäft nach Hannover, das ist die richtige Größe, um eine Bäckerei so zu betrieben, wie ich mir das vorstelle“, sagt Hacke. Eine weitere Filialisierung sei nicht geplant.

1,8 Millionen Euro Umsatz macht der Betrieb, gut ein Drittel davon mit dem Liefergeschäft. „Auf Brot- und Brötchen gebe ich 20 Prozent, auf Feine Backwaren 15 Prozent Rabatt. Andernfalls kommt halt kein Geschäft zustande.“

Selbstbewusstsein kann er sich leisten: Mit „Unser Otto 1903“ und dem Zuckerkuchen aus dem Holzbackofen begeisterte Hacke beim Wettbewerb Deutschlands Bester Bäcker die Jury.

365 Tage pro

Jahr – das war zu viel

Der Erfolg ist ihm nicht einfach zugeflogen, immer wieder hat er richtungsweisende Entscheidungen getroffen, um die Bäckerei auf Kurs zu halten: So gab er vor zwei Jahren das florierende Liefergeschäft nach Wolfsburg auf, da einige Kunden (u.a. 4-Sterne-Hotels) 365 Tage im Jahr beliefert werden wollten: „Weihnachten oder Neujahr bin ich selbst gefahren. Das wollte ich mir und meinen Mitarbeitern nicht mehr antun, habe die Lieferungen eingestellt und in Hannover einen neuen Kundenstamm aufgebaut.“ Mit Erfolg, denn den Umsatzverlust in Höhe von 250.000 Euro hat er längst kompensiert.

Verhältnis aus Arbeit und

Freizeit in Einklang gebracht

Konsolidieren und Neuausrichten braucht Mut und den hatte Hacke schon einmal beweisen: „Vor gut 10 Jahren hatten wir 5 Filialen, machten 1,5 Millionen Euro Umsatz und ich hatte nicht einmal die Zeit, mit meiner Familie zusammen in Urlaub zu fahren“, erinnert sich Hacke. Wirtschaftlich gut ging es dem Unternehmen trotzdem nicht.

Heute machen die zwei Filialen mit dem Liefergeschäft 1,8Millionen Umsatz – und der Chef macht mit der Familie Urlaub. „Ich arbeite heute weniger im Betrieb, sondern mehr am Betrieb. Das zahlt sich aus.“

Um 1.30 Uhr steht er als erster in der Backstube, bereitet die Teige. Um 4 Uhr etwa geht’s ins Büro, um 6 Uhr wird mit den Mitarbeitern gemeinsam gefrühstückt. Gegen 11 Uhr endet der Arbeitstag. Arbeitszeit und Freizeit stehen heute in einem ausgewogenen Verhältnis.

Statt Facebook gibt‘s bei

Hacke noch das Schwarze Brett

„Facebook brauche ich nicht, so mitteilungsbedürftig bin ich nicht, da suche ich lieber direkte und individuellere Wege, um zu kommunizieren.“ Ein regelmäßiger Newsletter geht per E-Mail an die Kunden raus, die Backstuben-Zeitung erscheint 6-mal im Jahr und ist auch digital auf der Homepage unter der Rubrik „Interessantes“ zu lesen. Und da gibt es noch das klassische „Schwarze Brett“ auf dem Hacke „postet“, wenn es etwas mitzuteilen gilt.

Verzicht auf

Convenienceprodukte

Wer online kauft, hat das Recht, umfassend über Inhaltsstoffe informiert zu werden.
Auch interessant

Gericht stärkt Recht von Verbrauchern

Berlin (abz). Ein Lieferservice ist verpflichtet, Kunden vor der mit Kosten verbundenen Bestellung im Internet über Zutaten und Allergene der angebotenen Lebensmittel zu informieren. Auch über die mehr...

Lesen Sie hierzu auch folgende Artikel:

 

Bisher keine Leser-Kommentare zum Artikel