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Gehaltsgespräche: Kraftakt ums Geld

Gehaltsgespräche: Kraftakt ums Geld (Quelle: Fotolia)+
Gehaltsgespräche: Kraftakt ums Geld (Quelle: Fotolia)

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Ob Zusage oder Ablehnung: Wichtig sind nachvollziehbare Argumente und sachliche Verhandlungsstrategie

Von Rolf Leicher

Wenn ein mehr möchte, ist das für den Chef nicht gerade ein angenehmes Gespräch. Dem Mitarbeiter macht das Gespräch auch keine besondere Freude, da er eine Absage befürchtet.

Der Mitarbeiter begründet seine Wünsche nach übertariflichem Entgelt meist damit, dass das Leben teurer geworden ist, oder er schon lange keine Erhöhung bekommen hat.

Mehr Leistung

fördert Forderung

Vielleicht hat er auch selbst finanzielle Verpflichtungen und braucht deshalb mehr Geld. Unzufriedenheit entsteht, wenn der Mitarbeiter erfährt, dass woanders mehr bezahlt wird, dass in anderen Bäckereien mehr geboten wird. Dabei sind die Vergleiche nicht immer zutreffend.

Leistet ein Mitarbeiter mehr als früher und hat noch zusätzliche Verantwortung, kann der Chef damit rechnen, dass Gehaltswünsche entstehen. Beispiel: Der Bäckermeister macht jemanden zu seinem Stellvertreter, da entsteht der Wunsch nach einer leistungsgerechten Entlohnung. Wobei es vor allem um die Frage der Höhe geht.

Lohnerhöhung

als „Schmerzzulage“

Es ist vorteilhaft, wenn der Chef über das Gehaltsniveau in anderen Firmen und die Leistung, die dafür erbracht werden muss, gut informiert ist. Gehaltsunterschiede können sich in anderen Bäckereien auch durch unterschiedliche Arbeitszeiten und nicht vergleichbare Anforderungen ergeben.

Gehaltswünsche entstehen auch durch Unzufriedenheit durch lange Fahrtwege, schlechtes Betriebsklima, ältere Produktionsanlagen – sozusagen als „Schmerzzulage“.

Der Mitarbeiter rechnet meist damit, dass es im ersten Gespräch noch keine Entscheidung gibt. Ein langfristiger Aufschub der Entscheidung kann dazu führen, dass sich der Mitarbeiter schon nach einem anderen Arbeitsplatz umsieht (innere Kündigung), weil er eine Absage befürchtet.

Gesprächskultur

ohne Verlierer

werden versachlicht, wenn die persönliche Leistung des Mitarbeiters Grundlage für eine Erhöhung ist. Entscheidungen basieren dann auf der Personalbeurteilung und nicht nur auf der Betriebszugehörigkeit. Idealerweise richtet sich die Chefentscheidung nach der Erfüllung der Leistungsanforderungen des Betreffenden.

Wie auch immer das Gespräch verläuft, es darf keinen Verlierer geben. Mit dem Gesprächsergebnis müssen beide leben können, beide zufrieden sein.

Diese Win-Win-Situation ist eine wichtige Zielsetzung, auch wenn die Standpunkte in der Diskussion unterschiedlich sind. Gehaltsgespräche können nur gelingen, wenn es im Gespräch ohne Emotionen zugeht.

Eine Möglichkeit, die Arbeitszeit des Betreffenden bei gleichem Gehalt zu senken, ist die Reduzierung der Arbeitszeit, was einer „indirekten Gehaltserhöhung“ entspricht.

Kompromisse

sind keine Notlösung

Das Eingehen auf individuelle Mitarbeiterwünsche, wie morgens etwas später beginnen, muss thematisiert werden. Bei hervorragendem Betriebsklima sind die Gehaltsansprüche etwas gedämpft und Mitarbeiter eher zu einem Kompromiss bereit.

Die Gehaltswünsche nur teilweise zu erfüllen, ist keine Notlösung, sondern ein Kompromiss, mit dem auch der Mitarbeiter leben kann.

Wenn alle Parameter stimmen, wird auch die Gehaltsfrage den Betreffenden nicht sofort zur Kündigung bewegen. Alternativen zur Gehaltserhöhung können gute Arbeitsbedingungen in der Firma, ein gutes Klima mit flexiblen Arbeitszeiten und ein günstiger Standort sein.

Bei Ablehnung

Akzeptanz schaffen

Wer etwas ablehnt, enttäuscht zunächst seinen Mitarbeiter. Bei Ablehnung hat der Chef auf der Sachebene das Ziel, eine akzeptable Erklärung für seine Absage zu geben wie beispielsweise der Hinweis auf die wirtschaftliche Situation des Unternehmens, die dies aktuell nicht zulasse. Auf der Gefühlsebene heißt das Ziel, Akzeptanz und Einsicht zu erreichen, um den Mitarbeiter zu halten.

An den folgenden fünf Punkten können sich Arbeitgeber bei Lohn- und Gehaltsverhandlungen orientieren:

1. Das Anliegen des Mitarbeiters ernst nehmen und die Begründung für seinen Wunsch erfragen.

2. Die Voraussetzungen für eine Gehaltserhöhung deutlich machen.

3. Das Gehaltsniveau in anderen Betrieben kennen. Ein Überblick liefert Argumente.

4. Keine Versprechungen machen, die nicht haltbar sind.

5. Statt der Erhöhung nach Alternativen suchen, z. B. flexiblere Arbeitszeiten, Mehrurlaub.

Sich beschwerende Kunden gelten oft als Nörgler. Doch nur durch Reklamieren kann der Betrieb nachbessern.
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