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Gegenmittel gegen Geheimniskrämer

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Um an Steuerdaten zu gelangen, setzen Betriebsprüfer ein neues Druckmittel ein: das Verzögergungsgeld

MW! Das Kürzel ist beim Fiskus berüchtigt. Bäcker, Metzger, Wirte – sie geraten bei Betriebsprüfungen immer wieder in die Bedrouille. „In Betrieben, in denen der Chef Zugriff auf die Kasse hat, gucken die Finanzbeamten besonders genau hin“, erklärt Christoph Enders. Digitale Prüfwerkzeuge ließen sie tief blicken. Der Steuerberater aus Köln kennt ihre Kniffe. Und er weiß, wie schnell es passiert, dass Prüfer nach „speziellen Daten“ fragen, die der Meister möglicherweise nicht parat hat. Heikel: Wer sich nicht sputet und die Daten nachliefert, muss nun zwischen 2500 und 250.000 Euro „Verzögerungsgeld“ bezahlen.

Riskante Hochrechnung

Erwischen kann es jeden Bäckermeister. Die Prüfer durchleuchten nicht nur Daten aus der Finanz- und Lohnbuchaltung, sondern auch aus der Anlagenverwaltung und dem Warenwirtschaftssystem: „Die zählen Kaffeebecherdeckel, sehen sich Rezepturen an und kalkulieren aus dem Mehlverbauch und anderen Größen den Umsatz“, berichtet Enders. Wenn zwischen dieser Hochrechnung und den Zahlen des Betriebs eine Lücke klaffe, stehe der Unternehmer unter Druck: „Er muss Punkt für Punkt beweisen, dass seine Angaben korrekt sind.“

Viel Zeit bleibt dafür nicht. Um effektiv prüfen zu können, sei eine „möglichst kurzfristige Terminierung erforderlich“, teilt das Bayerische Landesamt für Steuern auf Anfrage der Allgemeinen Bäckerzeitung mit. Die konkrete Frist richte sich jeweils nach den Umständen des Einzelfalls. Der elektronische Datenzugriff müsse „unverzüglich“ eingeräumt werden.

Enders rät Handwerksunternehmern, ihre steuerrelevanten Daten von anderen zu trennen und sicher zu archivieren. Wer sensible Daten bei einem Dienstleister einlagert, der umzieht und im Archiv schludert oder womöglich pleite geht, läuft ins offene Messer. Finanzverwal-tungen zeigen sich in solchen Fällen rigoros, berichten Betroffene. Gleiches gilt, wenn Daten aus einem Archiv im Betrieb nicht mehr abrufbar sind.

Was viele Bäcker offenbar unterschätzen, ist „die Intensität, mit der Betriebsprüfer EDV-Unterlagen auswerten“. „Wenn E-Mails, die Aufträge betreffen im selben Outlook-Postfach sind wie andere E-Mails, hat der Prüfer Anspruch darauf, alle Nachrichten einzusehen“, erklärt Steuerberater Enders. Und dann gehe es ruck, zuck. „Der Prüfer sucht automatisch nach Begriffen wie ,ohne Rechnung', ,bar' oder ,schwarz'“.

Arkibische Plausibilitätstests

Ein weiterer sensibler Punkt in der Praxis: „Wenn der Bäckermeister gefragt wird, welches Zeiterfassungssystem er einsetzt.“ Wer eine elektronische Lösung hat, muss damit rechnen, dass der Finanzkontrolleur die Daten der Mitarbeiter ausliest. Und seine Prüfsoftware schlägt in der Regel sofort an, wenn möglicherweise steuerfreie Wochenendzuschläge für normale Überstunden gezahlt worden sind.

Auch andere Ungereimtheiten spüren die Prüfer mit Hilfe selbst gestricker Software-Markros auf. „Da können Daten plötzlich steuerrelevant werden, die vorher keien Rolle gespielt haben. Wer sie nicht beibringen kann, dem droht ein Verzögerungsgeld“, warnt Steuerexperte Christoph Enders.

Mehr dazu unter:

www.bundesfinanzministerium.de (Stichworte: Verzögerungsgeld, GDPdU)

www.ec-net.de (Stichwort: digitale Betriebsprüfung)

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