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Nicht jede Beleidigung rechtfertigt eine Kündigung

§Was zu weit geht, geht zu weit, dachte sich die Chefin eines Hamburger Betriebs. Als sie den Urlaubsantrag eines Mitarbeiters ablehnte, gingen dem die Nervern durch. „Klei mi ann Mors“, platze es aus ihm heraus. Die Chefin hielt es für das Götz-Zitat und feuerte den Heißsporn.

Was die Dame als grobe Beleidung empfand, klingt in den Ohren Hamburger Arbeitsrichter anders. Der plattdeutsche Spruch des Mitarbeiters sei nicht gleichzusetzen mit dem „Leck mich am Arsch“ in Johann Wolfgang von Goethes berühmten Schauspiel, sondern heiße übersetzt so viel wie: „Kratz mich am Hintern“. Und das sei keine Beleidung, sondern nur eine „Unhöflichkeit“, stellten die Richter klar.

Die fristlose Kündigung des Mitarbeiters hielten sie für nicht gerechtfertigt. Es sei zweifelhaft, ob dessen Äußerung einer „schweren Vertragsverletzung“ gleichkomme. Maßgebend sei nicht die „subjektive Bewertung“ der Chefin, sondern eine „objektive Betrachtung“. Auch hätte der Kündigung eine Abmahnung vorausgehen müssen.

Az. 21 Ca 490/08

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