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Finanzgebaren unter Beobachtung

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Kreditmanagement als Steuerungsinstrument der Banken / Betriebliche Situation wird oft unterschiedlich bewertet

Dortmund (mv). Die Situation ist beinahe alltäglich: nach mehr oder weniger intensiven Gesprächen und Verhandlungen einigen sich Bank und Kunde auf die Einzelheiten eines Kreditvertrages, der dem Kreditnehmer nach einigen Tagen mit der Bitte um Unterschrift zugestellt wird. Der Unternehmer wirft dann meist einen kurzen Blick auf die wesentlichen Details des Vertrages wie Kredithöhe, Laufzeit und Effektivzins. Anschließend erfolgen Unterschrift und Rücksendung des Formulares. Steht das Darlehen kurz danach auf dem Geschäftskonto des Unternehmers zur Verfügung, ist für ihn die Angelegenheit in der Regel erledigt. Zins- und Rückzahlungsraten erfolgen ab sofort gemäß den vereinbarten Bedingungen.

Zumindest bankseitig ist der Gesamtvorgang damit aber noch längst nicht beendet. Die Kreditakte landet nämlich keineswegs in der sprichwörtlichen Ablage, sondern wird vielmehr durch Kollegen des Kundenberaters der Bank im Rahmen des so genannten „Kreditmanagements“ auch weiterhin regelmäßig zur Hand genommen und, auch mit Hilfe der Technik, bearbeitet.

Regelmäßige Bonitätsprüfung

Die weitere Bearbeitung durch das Kreditmanagement beginnt grundsätzlich nach der Bereitstellung eines Kredites. Dazu gehört im Wesentlichen sowohl die regelmäßige Prüfung der Kreditwürdigkeit oder Bonität des Kunden als auch die Beobachtung der wirtschaftliche Entwicklung des jeweiligen Betriebes.

Dabei ist es wichtig zu wissen, dass die hierzu erforderlichen Überwachungs- und Prüffunktionen innerhalb der Bank meist nicht, wie erwähnt, vom Kundenberater, sondern von einem Kreditsachbearbeiter vorgenommen werden. Dessen wirtschaftliche Einschätzung des Kunden ist weitgehend unbeeinflusst von der meist persönlicheren Bindung des Kundenberaters zum jeweiligen Kreditnehmer.

So beurteilt der Kreditsachbearbeiter bei der Überwachung eines Kreditengagements einzelne Sachverhalte je nach Situation durchaus auch ungünstiger als der jeweils für den Kunden unmittelbar verantwortliche Kundenberater. Während dieser vor allem an einer möglichst langfristigen, geschäftsintensiven Kundenbeziehung interessiert ist, sieht der Kreditsachbearbeiter seinen Aufgabenschwerpunkt meist speziell in der Anwendung der Kriterien der Kreditüberwachung.

Unterschiedliche Einschätzungen

Es ist daher nicht ungewöhnlich, dass es in der jeweiligen Einschätzung der Bonität des Kreditnehmers zu unterschiedlichen Meinungen beider Bankmitarbeiter kommt. In der Praxis sollten Betriebsinhaber diesen Umstand berücksichtigen und den Kundenberater gezielt auf die Einschätzung des Kreditsachbearbeiters ansprechen.

Derartige Meinungsunterschiede sind häufig dann gegeben, wenn beispielsweise zusätzliche Sicherheiten gefordert werden oder wenn sich die Zeiträume zur regelmäßigen Offenlegung der wirtschaftliche Lage des Betriebes plötzlich verringern.

Diskretion oder Zurückhaltung auf Seiten des Kunden ist in solchen Situationen eher unnötig. Er sollte vielmehr um ein kurzfristiges Gespräch zwischen Kundenberater, Kreditsachbearbeiter und ihn als Kunden bitten, um die Lage gemeinsam zu erörtern, um entsprechende Argumente auszutauschen und um schließlich eine möglichst einvernehmliche Lösung zu erzielen. Hinzu kommt, dass die bisherige Anonymität des Kreditsachbearbeiters zu Gunsten einer persönlichen Gesprächsebene aufgehoben wird, die zum Kundenberater ja längst besteht. Wesentliche Gesichtspunkte zur Beurteilung der Kreditwürdigkeit eines Kunden ergeben sich, neben den Inhalten der eigentlichen Bonitätsprüfung, auch aus der Kontoführung des Kunden wie des damit verbundenen Umfanges der über das jeweilige Geschäftskonto abgewickelten Geschäftsumsätze.

Die Bank vergleicht diese Zahlen mit den in Bilanzen, Einnahme-Überschuss-Rechnungen oder in betriebswirtschaftlichen Auswertungen ausgewiesenen Angaben und kann somit ihren Anteil am Gesamtumsatz des Kunden ermitteln.

Negative oder positive nachhaltige Abweichungen, etwa zum jeweiligen Vorjahr, sind vom Kunden regelmäßig zu kommentieren und gegebenenfalls zu verändern. Hier kommen dann Vereinbarungen des Darlehensvertrages zum Tragen, in denen oftmals von einem entsprechend hohen Umsatz über Konten der kreditgebenden Bank die Rede ist. Auch der Grad der Ausnutzung der Kreditlinie auf dem Geschäftskonto des Betriebsinhabers lässt Rückschlüsse auf die Geschäftsentwicklung und damit unmittelbar auf die Kreditwürdigkeit zu: Erklärungsbedarf besteht vor allem bei permanenter Ausnutzung sowie bei wiederholten Überziehungen dieser Kreditlinie.

Kurzfristig das Gespräch suchen

Das gilt ebenso für erkennbare Tendenzen bei Überziehungen: nehmen sie im Jahresverlauf zu und werden sie so zur Regel, wird von der Bank meist um ein Gespräch gebeten. Besteht auf Grund dieser Erkenntnisse Informationsbedarf durch die Bank, sollte der Kunde seinerseits das kurzfristige Gespräch mit seinem Kundenberater suchen.

Irritationen und durchaus mögliche Eskalationen werden nämlich meist vermieden, wenn der Kunde selbst initiativ wird und nicht erst auf mehr oder weniger deutliche Hinweise seines Kundenberaters reagiert. Das gilt natürlich auch für kurzfristig erforderliche Krediterhöhungen auf dem Geschäftskonto, die vom Unternehmer frühzeitig beantragt werden sollten.

In der Regel werden Kontoüberziehungen zwar auch ohne ausdrückliche Absprache vorübergehend zugelassen, darauf verlassen sollte sich der Kunde allerdings nicht: immer wieder werden, überraschend für den Kontoinhaber, beispielsweise Lastschriften von der kontoführenden Bank nicht eingelöst, um den Kunden an die vereinbarungsgemäße Kontoführung zu erinnern. Die Folgen für dessen Kreditwürdigkeit bei seinen Geschäftspartnern sind in solchen Fällen häufig nur schwer wieder gutzumachen. Nicht eingelöste Lastschriften können Geschäftsverbindungen bekanntlich sehr schnell beenden. Hinzu kommt, dass geduldete Kontoüberziehungen mit zusätzlichen Überziehungszinsen vom Unternehmer regelmäßig teuer bezahlt werden müssen.

Immer wieder informieren

Fragen zu den Details des Unternehmensratings als wesentlichem Kriterium zur Ermittlung der Kreditwürdigkeit oder Bonität des Kunden können vor allem Mitarbeiter des Kreditmanagements ausführlich beantworten. Da dieses Rating großen Einfluss auf die Zinskonditionen des Kunden hat, sollte sich dieser in Verbindung mit seinem Kundenberater um regelmäßige Hintergrundinformationen zu den Faktoren des Ratings bemühen.

Ziel dieser Informationsgespräche ist die schrittweise Verbesserung des Ratings, die zu einer gleichzeitigen Verringerung der Kreditzinsen führen sollten. Je detaillierter Kundenberater und Kreditsachbearbeiter ihrem Kunden die Ratingbestandteile und deren Gewichtung innerhalb des Ratings darstellen, umso mehr Akzeptanz kann die Bank als Kreditgeber in der Regel auch für wenig populäre Maßnahmen wie etwa einer zusätzlichen Bereitstellung von Kreditsicherheiten erwarten. Dies setzt allerdings voraus, dass die Bankmitarbeiter in der Lage sind, die Entwicklungsschritte des jeweiligen Ratings konkret darzustellen und zu erläutern. Vor allem die erwähnte Gewichtung der so genannten „weichen“ und „harten“ Faktoren, bei denen es vor allem einerseits um unternehmerische Fähigkeiten und andererseits um betriebswirtschaftliche Kennzahlen geht, ist hier von großer Bedeutung.

Weitere Informationen:

Tel. 0231 214257

E-Mail: vetter-finanz@t-online.de

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