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Filiale war gestern Fachgeschäft ist heute

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Die Back-Galerie ist im Jahr 2012 angebaut worden. (Quelle: Unternehmen)

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Die Bäckerei „Goeken Backen“ geht offensiv die Gefahr an, durch Wachstum an Glaubwürdigkeit beim Verbraucher zu verlieren

Von Reinald Wolf

Eigentlich wollte (30) seinen Bachelor in schon gemeistert haben. „Aber dann sind doch einige wichtige Ereignisse dazwischen gekommen“, sagt der Bäcker- und Konditormeister. Eines davon ist, dass er 2018 den Betrieb von seinem Vater übernommen hat. Ein Unternehmen mit Sitz in Bad Driburg – mit 55 Filialen im Umkreis von rund 50 Kilometern – auch Richtung Paderborn.

Vater in der Politik,

Sohn übernimmt den Betrieb

„Mein Vater hat die Chance genutzt, in den Landtag von Nordrhein-Westfalen einzuziehen.“ Seit Mitte 2017 ist Bäckermeister (54) in Düsseldorf die „Starke Stimme aus dem Kreis Höxter“, wie es auf seiner Homepage heißt.

Und Sohn Benedikt ist als alleiniger Geschäftsführer für die Weiterentwicklung von „Goeken backen“ verantwortlich. Das sei kein Drama. „Ich gehe diese Herausforderung mit Leidenschaft fürs Handwerk und für die Fortführung der Familientradition an“, sagt der dynamische Jungunternehmer. Schließlich sei es auch eines der Erfolgskonzepte der Firmengeschichte, die Nachfolger früh in die Verantwortung genommen zu haben. „Auch mein Vater hat das Unternehmen mit knapp 30 Jahren übernommen, mit damals noch sechs Standorten.“

Im Fall von Benedikt Goeken war recht früh klar, dass er die Unternehmensnachfolge antreten wird. „Deshalb bin ich zwar etwas früher als gedacht, aber nicht ganz unvorbereitet an den Start gegangen.“ Fachlich und unternehmerisch.

Vorbereitung auf den

Weg als Bäckerei-Chef

Denn in Kollegenbetrieben war er nicht nur in der Backstube aktiv, sondern teilweise auch als Assistent der Geschäftsleitung. „Und daheim war ich sowieso immer schon mit eingebunden.“ Seit 2014 eben in konkreter Vorbereitung der Übergabe als zweiter Geschäftsführer mit den Schwerpunkten Verkauf und Lieferkunden.

Neben der frühzeitigen Beschäftigung mit der Übergabe ist ein weiterer Aspekt für die erfolgreiche Entwicklung des Unternehmens von Bedeutung: Bei Goeken stehe der Mensch nicht nur als potenzieller Mitarbeiter oder als Kunde im Mittelpunkt. „Meine Eltern haben von Anfang an auf gute Personalführung Wert gelegt“, sagt Benedikt Goeken. „Auch hat bei uns .“

Aus gutem Grund, wie er betont: „Ohne gute und motivierte Mitarbeiter hätten wir die in den vergangenen Jahren nicht geschafft.“ Deshalb sei auch die ein entscheidendes Instrument für die Firmenentwicklung. Und zwar in allen Bereichen – vor allem aber bei den Führungskräften in einer recht flachen Hierarchie, wie Goeken sagt.

Ein wichtiges Ziel der Personalentwicklung sei zum Beispiel, Betroffene zu Beteiligten zu machen. Bei insgesamt rund 430 Mitarbeitern (inkl. Teilzeitkräfte), davon rund 100 in der Produktion, ist das eine echte Herausforderung. In Zeiten grassierenden Personalmangels sei das aber wichtiger denn je.

Goeken habe es jedenfalls geschafft, sich als Arbeitgeber – auch mit Blick auf die Ausbildung (BakerMaker-Gewinner 2013) – in der Region einen Namen zu machen. „Goeken backen“ möge zwar etwas sperrig daherkommen („Es ist eben unsere Marke“), sei aber schon lange etabliert und stehe auch dafür, dass Goeken Mitarbeitern Perspektiven biete.

„Klar ist es heute nicht einfach, Mitarbeiter zu bekommen. Umso wichtiger ist es uns, sie zu halten“, sagt Goeken, auch mit Verweis darauf, dass Fluktuation Zeit und Geld kostet. Damit habe der Betrieb aber vergleichweise wenig Probleme.

Ausbildung mit „Beats &

Brötchen“ schmackhaft gemacht

Aktuell bildet das Unternehmen 76 Azubis aus – 66 im Verkauf und zehn in der Produktion (je fünf Bäcker und Konditoren). „Wir hätten noch einige freie Plätze, sind aber zufrieden mit dem Stand der Dinge.“ Dass Goeken keine Nachwuchsprobleme hat, kann auch daran liegen, wie die Bäckerei mit einigen pfiffigen Aktionen auf sich als Ausbilder aufmerksam gemacht hat. Unter anderem mit informativen Aktionen wie „Beats & Brötchen“ und „Speed-Dating". Aktionen, über die örtliche Medien berichtet haben und so als Multiplikatoren agierten.

Back-Galerie bietet

Einblick und Transparenz

Dafür gibt es den Veranstaltungsbereich der Back-Galerie, die seit 2012 als moderner Anbau am Firmensitz steht. Mit Verwaltung und einem Veranstaltungsraum, der Einblick bietet in den Produktionsbereich mit Konditorei, Feingebäck- und der Snackherstellung.

„Es ist uns wichtig, dass die Kunden sehen, dass bei uns noch gebacken wird und wir als Handwerksbäcker wahrgenommen werden“, begründet Benedikt Goeken dieses Raumkonzept. „Wir sind kein Filialist, wir sagen den Kunden, dass wir Bäckerei-Fachgeschäfte haben.“

Wöchentliche

Backstubenführungen

Dazu gehört eben auch die Transparenz in der Produktion. In der Backstube mit etwa 1400 Quadratmetern Fläche habe die Bäckerei das Schau-Konzept wie in der Konditorei (insgesamt knapp 1000 Quadratmeter) aus baulichen Gründen nicht umsetzen können. Was er aber mit wöchentlichen Backstubenführungen gut kompensieren könne, so Goeken. Das sei ein wichtiger Aspekt, das sich der Betrieb bei Führungen für Schulklassen auch als Ausbilder ins Gespräch bringen könne.

„Wir haben nichts zu verbergen. Praktisch alle Produkte stammen aus eigener Herstellung, wir arbeiten mit Vor- und Sauerteigen und langen Teigführungen, und unsere Brote werden von Hand aufgearbeitet“, skizziert Goeken unter anderem, warum er sich als Handwerksbäcker sieht – und gesehen werden will.

90 Prozent der Brötchen und die Baguettes werden in vier verschiedenen Garstufen in die Fachgeschäfte geliefert, um dort in den Etagenöfen just in time gebacken zu werden. Das erfolge im Sinne der Frische- und Qualitätsstrategie.

Benedikt Goeken will weiter an der Sortimentsschraube drehen. „Wir haben insgesamt 800 verschiedene Produkte im Programm, saisonal und aktionsbedingt wechselnd. Da müssen wir ran – auch mit Blick auf den Personal- und Rohstoffeinsatz.“

So gebe es einige Baustellen, „nein, Herausforderungen, die wir noch angehen wollen“. Dazu zählt auch, die bisherige Retourenquote von rund 18 Prozent nach und nach zu reduzieren. Mit gestrafftem Sortiment, geschickter Warenpräsentation – und einem dezentralen Bestellsystem. „Wir sind zwischenzeitlich personell so gut aufgestellt, dass wir das angehen können.“

„Wir arbeiten an der hochwertigen Darstellung unserer Produkte“, so Goeken weiter. Und er setze auf Service, Dienstleistung und Kommunikation. Das sei auch ein wichtiger Bestandteil des Fortbildungskonzepts.

Dass an der Theke noch was geht, habe sich im vergangenen Jahr gezeigt: „Wir konnten erstmals wieder den Brotumsatz steigern“ – mit Monatsempfehlung und Produktpaten. Die nächsten größeren Projekte sind die Einführung der Vakuumkonditionierung – und der Abschluss zum Bachelor der Betriebswirtschaft.


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