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Expansion auf der Straße

Bäckermeister Uwe Petry schwört auf die Fahrzeuge auf Renault-Chassis. Sie bieten genügend Präsentations- und Stauraum, auch die Stromversorgung ist ausreichend für die Tour. +Zur Fotostrecke
Bäckermeister Uwe Petry schwört auf die Fahrzeuge auf Renault-Chassis. Sie bieten genügend Präsentations- und Stauraum, auch die Stromversorgung ist ausreichend für die Tour.

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Nach einer Übernahme richtet Uwe Petry seinen Betrieb neu aus / Zwei neue Verkaufsfahrzeuge spielen hierbei eine wichtige Rolle

Es war eine Rettung in letzter Minute. Nach der der in Morbach (Rheinland-Pfalz) ansässigen Bäckerei Hödl im November 2012 war ein Unternehmer gesucht, der die 15 Mitarbeiter und das verbliebene Inventar des Bäckereibetriebes inklusive einer Produktionshalle in der 11.000 Einwohner zählenden Hunsrück-Kleinstadt übernehmen würde. Doch die Suche nach einem Investor gestaltete sich als schwierig. Zu dünn erschienen die Erfolgsaussichten, in einem schwach besiedelten Landstrich mit negativer demographischer Perspektive als Bäckereibetrieb erfolgreich in einem Markt agieren zu können.

Fünf Tage vor der endgültigen Schließung der Hödl-Backstube fand sich dann doch noch der ersehnte Retter. Uwe Petry, der seit 1995 im 17 Kilometer entfernten Veldenz seinen Bäckereibetrieb in dritter Generation führt, übernahm Ende Mai Backstube und Verkaufsfahrzeuge aus der Hödl-Insolvenzmasse. Von der versprach sich der Bäckermeister und Betriebswirt des Handwerks vor allem eines – eine Möglichkeit zur . Denn die eigene Backstube im heimischen Stammhaus in Veldenz war für Uwe Petry mittlerweile zu klein, als dass von hier aus weiterhin die zum Unternehmen gehörende Bäckereifiliale in Wittlich und das ebenfalls 2010 komplett renovierte Café hätten optimal versorgt werden können.

Quasi von einem auf den anderen Tag zog Petrys Backstube Ende Mai in die ehemalige Hödl-Produktion in Morbach um. Die Zahl der beschäftigten Bäcker erhöhte sich über Nacht von vier auf neun. „Von den Unternehmen, die auch in einem Umkreis von 20 Kilometern rund um Morbach backen, sind wir heute ziemlich alleine“, stellt Uwe Petry heute fest. Mittlerweile ist der Unternehmer dabei, die Unternehmensabläufe aus der eigenen mit denen der übernommenen Hödl-Bäckerei abzustimmen.

Seit der ersten Anschaffung eines Verkaufsmobils von Borco-Höhns im Jahr 1984 schwört der Bäckermeister auf die Aufbauten aus Rotenburg: „Die Fahrzeuge bieten mehr Stauraum, doch vor allem sind sie wesentlich robuster als andere.“ Ein aus betriebswirtschaftlicher Sicht entscheidender Vorteil, gerade weil Uwe Petry seine Verkaufsfahrzeuge auf schmalen und kurvenreichen Straßen aus dem Moseltal in den Hunsrück schickt. Sechs Tage Einsatzzeit je Woche und 50.000 Kilometer im Jahr sind keine Seltenheit. Entsprechend legt der Unternehmer neben der Langlebigkeit seiner Fahrzeuge auch Wert auf problemlosen Wartungsservice. „Die Wartung ist relativ einfach, da ich mit den Borco-Höhns-Fahrzeugen an größeren Bosch-Werkstätten ohne Probleme vorfahren kann“, hat Uwe Petry festgestellt. Die mittlerweile von dem niedersächsischen Unternehmen angebotenen Renault-Fahrgestelle, die die Verkaufskastenbauten tragen, haben den Betriebsinhaber, der das mit früheren Fahrzeugen von Fiat und Mercedes vergleicht, überzeugt: „Zu den Zeiten, als wir drei Verkaufsfahrzeuge im Einsatz hatten, mussten wir davon ausgehen, dass einer der Wagen ständig in Reparatur war. Der große Vorteil des Renault ist, dass ich mit dem Master-Aufbau einen abgelasteten LKW erhalte, während ich beispielsweise bei Fiat einen aufgelasteten Transporter bekomme.“ Zwölf Stunden täglich

Ein leistungsstarker Renault-Werkstattpartner in unmittelbarer Nachbarschaft in Wittlich vereinfacht für Uwe Petry die Entscheidung für Renault. Vor kurzem hat Uwe Petry das erste von zwei bestellten Borco-Höhns-Neufahrzeugen in Empfang genommen.

Zwölf Stunden lang werden die beiden neuen Verkaufsfahrzeuge täglich unterwegs sein. Die drei festangestellten Fahrerinnen auf dem ersten Borco-Höhns-Neufahrzeug, die sich die täglichen Touren teilen, sind mittlerweile zu einem wesentlichen Bestandteil der Außer-Haus-Verkaufsstrategie von Uwe Petry geworden: „Wir haben in der Vergangenheit viel mit Verkaufsfahrern herumexperimentiert, sind aber zu dem Schluss gekommen, dass wir am besten fahren, wenn wir weibliche Fahrerinnen einsetzen, die auch über Verkaufserfahrung verfügen. Auch, wenn es schwer fällt, solch geschultes Personal zu bekommen.“

Bei neuen Routen oder zusätzlichen Streckenabschnitten schickt der Bäckermeister meist noch eine weitere Person im Fahrzeug mit auf die Tour, um auf das Angebot der rollenden Bäckerautos aufmerksam zu machen. Spätestens alle zwei Jahre folgt ein Routen-Update: „Das müssen wir tun, denn uns gehen in dieser Region die Kunden aus.“ Manchmal sei in einigen der Hunsrückdörfer am Nachmittag schon kein Mensch mehr auf den Straßen zu finden.

Aktuell macht das Außer-Haus-Geschäft noch ein Viertel des Gesamtumsatzes von Petrys Backstuben aus. Für Uwe Petry ist das mobile Verkaufsgeschäft indes noch immer die bessere Alternative zum saisonalen Tourismusgeschäft. Aufgrund des Moselhochwassers blieben in der Urlaubsregion Mosel bis zum heutigen Tag die Touristen aus. Die Bedingungen, an der Mosel und im Hunsrück als Bäckereibetrieb ausreichend Geschäft zu generieren, sind anno 2013 nicht einfach. Uwe Petrys Expansionspläne und die Neuausrichtung seines Unternehmens sind ein Weg, der ungewissen Zukunft offensiv entgegenzutreten.

Eine neue Geschäftsführung kann erfolgreich arbeitende Strukturen durch eine andere Herangehensweise zerstören.
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